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Schrille, wuchtige Sowjet-Party

Kadebostany gelten zu Recht als eine der besten Schweizer Live-Bands der Stunde. Am Kulturfestival, bei ihrem ersten Auftritt in der Ostschweiz, boten die Genfer eine Show, die nicht nur musikalisch durchkomponiert war.
Roger Berhalter
«St. Gallen, ihr seid die besten!»: Am Kulturfestival überzeugte die Genfer Band Kadebostany mit Rockstar-Posen und grossen Gesten. (Bild: Urs Jaudas)

«St. Gallen, ihr seid die besten!»: Am Kulturfestival überzeugte die Genfer Band Kadebostany mit Rockstar-Posen und grossen Gesten. (Bild: Urs Jaudas)

Die grossen Rockstar-Posen beherrschen sie, keine Frage. «Wir haben schon viele Konzerte in vielen Ländern gespielt. Aber ihr in St. Gallen seid die besten!», ruft Kadebostan am Kulturfestival in die Menge. Ob es der Genfer Produzent damit ernst meint, ist nicht so wichtig. Denn was er und seine Band an diesem Dienstagabend von der Bühne schmettern, ist nicht nur ungemein sympathisch, sondern schlicht eine Wucht.

Vielleicht ist es der eigenwillige Stilmix der Westschweizer Band. Kadebostan, seine Sängerin Amina, die zwei Bläser und der Gitarrist gehen mit sanften Popmelodien ins Ohr, lassen sowohl den Balkan als auch Mexiko anklingen, stampfen ausgiebig mit der Electro-Kickdrum, rappen zu Hip-Hop-Beats, benebeln das Publikum mit Dub-Schwaden – und das alles an einem Abend und aus einen Guss. Erstaunlich, wie organisch diese auf ein elektronisches Gerüst gebauten Songs klingen. Da knarzt die Bassgitarre, da fräsen die Bläser, und der Laptop wird verschämt auf den Bühnenboden verbannt.

Moloko lassen grüssen

Vielleicht ist es auch die Stimme von Sängerin Amina. Von ihrem katzenhaften Schnurren lässt man sich gerne verführen, und wie sie neben den vier Männern die Diva gibt, muss man unweigerlich an Roisin Murphy von Moloko denken. Und selbst wenn Amina nicht singt, sondern nur im Bühnenhintergrund auf und ab hüpft, tanzt man gern mit ihr mit.

Rote Lippen und Qualm

Vielleicht ist es auch gar nicht die Musik, sondern der durchkomponierte visuelle Auftritt der Band. Vorne auf der Bühne stehen Beamer, Flaggen und allerhand selber mitgebrachte Lichtgeräte; hinten neben dem Tontechniker steht auch ein Videojockey am Mischpult. So wird der Auftritt von Kadebostany zur souverän inszenierten Show. Während Amina singt, bewegen sich auf der Leinwand ihre roten Lippen synchron. Wenn die Bläser einen Marsch tröten, erscheint eine Trompete auf der Leinwand. Und zum bekifften Dub sieht man Rauch aus dem Mund eines weiblichen Models qualmen.

Erfundene Biographie

Vielleicht ist es auch das stimmige Gesamtkonzept der Band, das einen sofort in seinen Bann zieht. Die Mitglieder von Kadebostany treten konsequent nur mit Künstlernamen auf, sie tragen Uniformen wie aus einer kommunistischen Diktatur und spielen ausgiebig mit Klischees der Sowjet-Ästhetik. Die Band erzählt immer wieder ihre eigene, erfundene Geschichte: Der Band-Chef inszeniert sich als Präsident der Republik Kadebostany. 2008 habe er sie gegründet, und die gleichnamige Band sei nichts anderes als ein schrilles Vehikel, um die Kultur und die Musik seiner Republik in die Welt hinauszutragen.

Live fehlen zwar die uniformierten Models, mit denen sich der «Präsident» in den (ebenfalls herausragenden) Videoclips umgibt. Stattdessen salutiert auf der Bühne die Sängerin, die Bläser stehen stramm wie Leibgardisten, und alle gruppieren sich um Kadebostan in der Mitte, der mit grossen Gesten dirigiert. Zwischen den Songs spricht er ein akzentbefrachtetes Englisch, das klingt, als würde Julio Iglesias auf Borat machen. Doch ist Kadebostany niemals Blödelei; diese Genfer nimmt man besser ernst.

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