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Schönbergs «Verklärte Nacht» als Höhepunkt

Romantik verband sich im Bergdorf Engelberg mit Moderne beim fünften Kammermusikfestival «Zwischentöne».
Fritz Schaub
Das Merel-Quartett mit (von links) Edouard Mätzener, Mary Ellen Woodside, Rafael Rosenfeld und Alessandro D’Amico. Bild: PD

Das Merel-Quartett mit (von links) Edouard Mätzener, Mary Ellen Woodside, Rafael Rosenfeld und Alessandro D’Amico. Bild: PD

Zum fünften Mal fand über das vergangene Wochenende das Kammermusikfestival «Zwischentöne» Engelberg unter der künstlerischen Leitung von Rafael Rosenfeld und Mary Ellen Woodside statt. Dass dieses Festival nicht irgendeines unter vielen ist, hat die neueste Ausgabe sehr deutlich gezeigt. Man darf sagen, dass es wohl keine Kammermusik-Veranstaltung gibt, die derart inspirierte Programme zu einem ausgewählten Thema bietet. Dies widerspiegelt auch das umfangreiche Programmheft mit Essays und Einführungen von namhaften Musikern und Musikhistorikern.

Nach anfänglich noch etwas harzigem Beginn haben sich die hochkarätigen Musiker, die sich jeweils um das tonangebende Merel-Quartett scharen, endgültig gefunden. Man spürte förmlich die Zufriedenheit über das Geleistete, als sich der gut gelaunte Rafael Rosenberg nach dem Schlusskonzert an die Zuhörer richtete und den zahlreicher gewordenen Sponsoren und Gönnern seinen Dank aussprach. Man spürte aber auch die Vorfreude auf die nächste Ausgabe der «Zwischentöne», deren Thema noch nicht bekannt ist, die indes wieder neue Überraschungen bieten dürfte.

Rilkes Nachtgedichte mit Musik

Eine solche Überraschung war beim diesjährigen Festival etwa die Matinee Musik&Literatur «Gedichte an die Nacht» am Sonntagvormittag. Zwischen den Gedichten von Rainer Maria Rilke erklang Musik von Enrique Granados, Heinz Holliger, George Crumb, Ernest Bloch, Hans Ulrich Lehmann, Bela Bartok, Maurice Ravel und Franz Liszt. Es gibt herrliche objektbezogene und lebensnahe Gedichte von Rilke wie «Herbsttag», «Karussell» und «Der Panther» neben den grossen Gedichtzyklen. Die in Engelberg vorgetragenen Gedichte gehören weder zur einen noch zur andern Kategorie. Rilke schrieb sie im Spätjahr 1916, als es mit den «Duineser Elegien» nicht mehr weiterging, und ein geschäftstüchtiger Verleger gab sie zusammen mit andern themenverwandten Gedichten aus früheren Schaffenszeiten heraus.

Zweifellos liess er sich beim Titel von den «Hymnen an die Nacht» von Novalis inspirieren, die tatsächlich bei Rilkes Nachtgedichten durchschimmern. Ihr Sinn erhellt sich indes nur schwer, wobei sich die Rezitatorin Graziella Rossi bemühte, vor allem das Gedankengebäude durchsichtig zu machen. Emotional erhöht wurden sie durch die Musik, wie etwa durch die wehklagenden Ausschnitte aus den «Goyescas» von Enrique Granados.

Avantgardistische Stücke

Aber auch avantgardistische Stücke wie «Bat’s Lullaby» aus COncErto? (2000/01) für zwei Violinen und «Crotales» von Heinz Holliger oder die experimentell angelegten Klavierstücke von George Crumb passten zum esoterischen Charakter der Nachtgedichte. Überhaupt nahm der 90-jährige amerikanische Klangmagier eine bevorzugte Stellung ein, waren doch bereits am Vortag vier Nocturnes und ein Werk für Sopran und Klavier von ihm erklungen.

Acht Instrumentalisten teilten sich die Wiedergabe dieser Musikvorträge, darunter die drei Mitglieder des Merel-Quartetts, Mary Ellen Woodside, Edouard Mätzener und Alessandro d’Amico. Das ganze Merel- Quartett in seiner gegenwärtigen Besetzung mit dem Cellisten Rafael Rosenfeld an der Spitze war, ergänzt durch den Bratschisten Jürg Dähler und den Cellisten Enrico Bronzi, für das Highlight des ganzen Festivals, das Sextett «Verklärte Nacht» von Arnold Schönberg, besorgt. Ein hyperromantisches Werk des späteren Zwölftonmusik-Komponisten, dessen sich bis zur Gluthitze steigernde Expressivität vom hochkarätigen Sextett in allen Fasern ausgekostet wurde und einen nicht enden wollenden Beifallssturm entfachte.

Dabei ging keineswegs unter, dass im Keim die neue Kompositionsweise – das Prinzip der ständigen Variation von Themen und Themenpartikeln – bereits angelegt ist. In ungewohnter Besetzung mit dem Cellisten Rafael Rosenberg, flankiert von den beiden Streichinstrumenten und den beiden Bratschen, erklang vom echten Brahms zum Abschluss das nicht weniger enthusiastisch applaudierte Streichquintett Nr.2 op.111 G-Dur, das einen un­gewohnt musikantischen und klangsinnlichen Tonsetzer offenbarte.

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