Schöne Werbewelt: Noch immer werden wir täglich daran erinnert, was wir an Kultur alles nicht sehen können

Überall Plakate, die auf Konzerte, Ausstellungen und Aufführungen neugierig machen wollen, obwohl diese im Lockdown gar nicht stattfinden dürfen. Trotzdem: Das macht Hoffnung.

Bettina Kugler
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Noch werben die Litfasssäulen in St.Gallen für Kultur, auch wenn diese gar nicht mehr stattfindet aktuell.

Noch werben die Litfasssäulen in St.Gallen für Kultur, auch wenn diese gar nicht mehr stattfindet aktuell.

Bild: miz

Wann immer man derzeit ankommt am Bahnhof der Buch- und Kulturstadt St.Gallen, man wähnt sich in ein- und demselben Tag. Gefangen in einer Zeitschleife, wie Bill Murray im Film «Und täglich grüsst das Murmeltier» – nur dass da nicht eine reizende Andie MacDowell wartet.

Stets scheint die Sonne, und immer brennt sie erbarmungslos auf dieselben Plakate, die sonst schneller wechseln, als uns lieb sein kann. Denn beim flüchtigen Blick im Vorbeigehen erinnern sie daran, wie schnell die Zeit vergeht, was wir schon wieder verpasst haben und in den nächsten Tagen und Wochen verpassen werden.

Zwei Wochen vor der Premiere kam der Lockdown, das Plakat erinnert daran: Die Oper «Giulio Cesare in Egitto» feiert nun nächste Spielzeit am Theater St.Gallen Premiere.

Zwei Wochen vor der Premiere kam der Lockdown, das Plakat erinnert daran: Die Oper «Giulio Cesare in Egitto» feiert nun nächste Spielzeit am Theater St.Gallen Premiere.

Bild: miz

Das satte Gelb des Plakats verliert täglich an Leuchtkraft

Nicht so in Zeiten ohne Kulturveranstaltungen. Da sehen wir nur, was nun alle nicht sehen, worauf auch andere verzichten müssen: Die April-Filme im Kinok etwa, das Kinderstück «Frederick» über die Maus, die Farben sammelt und Sonnenstrahlen, wie wir Menschen gerade. Oder «Licht», das Tonhallekonzert, das Ende März nicht mehr stattfand. Täglich verliert das satte Gelb des Plakats mehr an Leuchtkraft.

Das immerhin beruhigt: Die Zeit steht nicht still, sie ist nur gestundet. Es besteht Hoffnung auf bessere Tage für Musik, für Theater und Kunst als öffentliche Angelegenheit. Gut, wenn dann alle lautstark fordern: Mehr Licht!