Schnelle Evolution hilft der Invasion

Die biologische Vielfalt in der Schweiz geht zurück, wie eine Analyse zeigt, die vorgestern vorgestellt worden ist (siehe Ausgabe von gestern). Ein Grund für die Abnahme der Biodiversität ist die Ausbreitung fremder Arten. Diese dominieren einheimische Tiere und Pflanzen und verdrängen diese.

Bruno Knellwolf
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Die biologische Vielfalt in der Schweiz geht zurück, wie eine Analyse zeigt, die vorgestern vorgestellt worden ist (siehe Ausgabe von gestern). Ein Grund für die Abnahme der Biodiversität ist die Ausbreitung fremder Arten. Diese dominieren einheimische Tiere und Pflanzen und verdrängen diese. Mobilität und Globalisierung führen dazu, dass Tiere, Pflanzen, aber auch Krankheitserreger in Länder gelangen, wo sie nie zuvor gefunden wurden, schreibt das Wasserforschungsinstitut Eawag, das mit der Universität Zürich diese Invasion untersucht hat.

Wichtige Prognose

Gesucht wird deshalb, wie die schnelle Ausbreitung vorausgesagt werden könnte. Bis heute wisse man erstaunlich wenig über diese Mechanismen. Erst in den letzten Jahren sei klar geworden, dass schnelle Evolutionsvorgänge zu wenig berücksichtigt worden seien, schreibt Emanuel Fronhofer von der Eawag. Bisherige Prognosen hätten sich deshalb oft als falsch herausgestellt. Denn Evolution ist nicht immer etwas Langsames. Gemäss der Eawag können Evolutionsprozesse auch sehr schnell und in wenigen Generationen ablaufen. Das heisst innert weniger Jahre, Monate oder – im Fall von Einzellern – sogar Tage.

Mit Wimpertierchen

Ein Team um Fronofer und Florian Altermatt von der Uni Zürich hat jetzt global ablaufende Muster mit einzelligen Wimpertierchen im Labormassstab nachgebildet. «Offensichtlich hilft die Blitzevolution den Arten, sich noch schneller zu verbreiten», sagt Fronhofer, «mit fortschreitender Dauer des Versuchs schwammen die Wimpertierchen schneller als ihre Vorgängergenerationen.»

Die Forscher beobachten damit einen Vorgang, wie ihn Wissenschafter in Australien bei den Aga-Kröten festgestellt haben: Diese aus Amerika eingeführte giftige Krötenart verbreitet sich immer schneller über den ganzen Kontinent. Dabei entwickeln diese Kröten kräftigere Beine, bewegen sich schneller und legen immer längere Wege zurück.