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Schnee von gestern

Villa Kunterbunt
Bettina Kugler

Der Satz klingt abgegriffen, trotzdem muss ich ihn loswerden: Der Winter ist auch nicht mehr das, was er mal war. Im Wallis schon und in Davos; ganze Täler versinken ja gerade im Schnee. Im frühlingsmilden Wintergarten sitze ich derweil im T-Shirt, lausche einer voreiligen Amsel und brauche Bücher wie Astrid Lindgrens «Guck mal, Madita, es schneit!», um mir so etwas vorzustellen: Einen Tag lang nur Spielen im weichen Weiss, in der Stille des schwerelosen Flockentanzes. Kinder lassen sich davon verzaubern. Sie kämen auch nie auf die Idee, gleich mit der Schneefräse dagegen anzulärmen. Oft haben wir sehnsüchtig «Schneeflöcken, Weissröckchen, wann kommst du geschneit?» gesungen, und uns, wenn es so weit war, gefreut. Wie Schneekönige.

Keine Flocke gleicht der anderen; kleine Menschen staunen noch darüber und begreifen zugleich, wie zart und vergänglich Schönheit ist. Dem Schnee von gestern können sie so herzzerreissend nachtrauern, als ginge es um die Liebe ihres Lebens. Das legt sich mit den Jahren. Dann bedeutet Schnee gute Pistenverhältnisse – und Temperaturen, die das Tragen einer löchrigen Hose erschweren. Doch wenn das Wunder wahr wird, kann es passieren, dass sich zwei kleine Damen schnell einen Minimann bauen. Und ihm liebevoll eine Bleibe im Gefrierfach einrichten.

Bettina Kugler

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