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Kino: Die Realität ist extravaganter als der Film

Die Komödie «Crazy Rich» gibt auf witzige Art einen Einblick in die Gesellschaft der Neureichen in Singapur. Diese tragen nicht selten Schmuck, der so teuer ist wie ein Einfamilienhaus.
Ulrike Putz, Singapur
Dekadenz pur: Singapur hat weltweit die am schnellsten wachsende Anzahl Milliardäre. Partys für mindestens 20 Millionen Dollar sind keine Seltenheit. (Bilder: Warner Bros.)

Dekadenz pur: Singapur hat weltweit die am schnellsten wachsende Anzahl Milliardäre. Partys für mindestens 20 Millionen Dollar sind keine Seltenheit. (Bilder: Warner Bros.)

Was die Zurschaustellung von Reichtum angeht, macht der vor zwei Wochen in den USA angelaufene Hollywood-Blockbuster «Crazy Rich» vor nichts Halt: In dem in Singapur spielenden Film tragen die Ladys der asiatischen High Society grundsätzlich Schmuck im Wert von Einfamilienhäusern, bevorzugtes Verkehrsmittel ist der Privathubschrauber, und wenn geheiratet wird, so kostet die Party bitte nicht unter 20 Millionen Franken.

Es spricht für den Film, dass trotz solch opulenter Kulisse die Geschichte nicht ins Hintertreffen gerät: «Crazy Rich» ist eine romantische Komödie. Der Spross einer sagenhaft wohlhabenden Familie aus Singapur bringt seine aus einer armen Einwanderer-Familie stammende chinesisch-amerikanische Freundin, eine Wirtschaftsprofessorin, mit nach Hause. Wie sich die charmante Professorin gegen die Intrigen und Feindseligkeiten der Verwandten ihres Liebsten zur Wehr setzt, ist äusserst sehenswert.

Vom Geheimtipp zum Bestseller

Der auf dem Roman «Crazy Rich Asians» des in Singapur geborenen US-Schriftstellers Kevin Kwan basierende Film – für den europäischen Markt wurde der Verweis auf die «Asians» aus dem Titel gestrichen – hat in den ersten zwei Wochen seit seiner Weltpremiere bereits über 130 Millionen Franken eingespielt. Damit hat der erste Hollywoodfilm seit einem Vierteljahrhundert, für den nur Schauspieler mit asiatischem Hintergrund engagiert wurden, die Erwartungen weit übertroffen. Das Buch «Crazy Rich Asians» wurde 2013 veröffentlicht und mauserte sich über Mundpropaganda zum Bestseller. Dem Buch folgten zwei Fortsetzungen, die nun auch verfilmt werden sollen.

Auf den ersten Blick scheint «Crazy Rich» von Abziehbildern bevölkert zu sein: Da sind die neureichen Festlandchinesen, die dünkelhafte alte Elite und die überbordenden Eltern, die sich in das Liebesleben ihrer Kinder einmischen. Der Grossteil des Appeals von «Crazy Rich» besteht jedoch darin, dass er den Voyeurismus in uns befriedigt. Nach 120 Minuten romantischer Verwicklungen in luxuriösen Umgebungen meint man, einen Blick durchs Schlüsselloch und auf das echte Leben des asiatischen Geldadels erhascht zu haben. Und das Verblüffende ist: Damit liegt man gar nicht so falsch. Denn auch wenn einzelne Szenen zuweilen hochnäsig und unglaubwürdig wirken, so beteuern Insider, dass die ultra-exklusive Welt in Buch und Film genauso real ist wie die atemberaubende Stadtlandschaft Singapurs, die im Film ins beste Licht gerückt wird.

Sicher ist, der Film macht eines der reichsten Länder der Welt zum Schauplatz. Singapur soll die weltweit am schnellsten wachsende Anzahl von Milliardären beheimaten. Wie im Film gilt auch im echten Leben die Faustregel, dass altes Geld diskret, die Neureichen angeberisch sind. So gibt es Industrielle, die morgens mit dem Stadtbus ins Büro fahren und Repräsentanten alter Landbesitzerfamilien, die sich in der Kantine für eine 3,50-Franken-Portion Laksa – Currysuppe mit Nudeln und Fischeinlage – anstellen.

Realität oft noch verrückter als im Film dargestellt

Andererseits jedoch gibt es diejenigen, die so stolz auf ihr Vermögen sind, dass sie jede Episode ihres Luxus-Lebens auf Insta­gram dokumentieren. Einer von ihnen ist der 27-jährige Kane Lim, der auf Instagram vor allem mit Bildern seiner Schuh-Sammlung im Wert von 500000 Franken, seiner Sportwagen und seines Louis-Vuitton-Gepäcks auffällt. Lim, der aus reichster Singapurer Familie stammt und selbst ein nicht näher beschriebenes Milliarden-Unternehmen leitet, gibt zu Protokoll, dass er «Crazy Rich» für «geschmackvoll und zutreffend» hält, wie er der staatlich kontrollierten Singapurer Zeitung «The New Paper» sagte. Tatsächlich seien Partys und Hochzeitsfeiern in Wahrheit teils noch extravaganter als die im Film dargestellten.

Constance Wu spielt in «Crazy Rich» die Hauptfigur.

Constance Wu spielt in «Crazy Rich» die Hauptfigur.

Jamie Chua arbeitete als Stewardess bei Singapore Airlines, bevor sie einen steinreichen indonesischen Erben ehelichte und ihn bei der Scheidung 2011 um beträchtliche Teile seines Vermögens erleichterte. Seitdem vertreibt sich die Society-Grösse die Zeit damit, seltene Handtaschen der Marke Hermès zu sammeln. Chua sagte dem «New Paper», dass die Mode und Juwelen im Film nicht mit der Wirklichkeit mithalten könnten. Die Garde­robe im Film sei etwas unter Niveau. «Ich habe nicht gedacht: Oh mein Gott, wow.»

Der mit Unterstützung der Singapore Film Commission und des Singapore Tourism Board produzierte Film war in Singapur schon im Vorfeld intensiv beworben worden. Outdoor-Bildschirme entlang der berühmten Einkaufsstrasse Orchard Road spielten die Vorschau zu «Crazy Rich» über Wochen hinweg in Endlosschleife. Für Singapur ist es das zweite Mal in diesem Jahr, dass der Little Red Dot, wie die Einheimischen ihre kleine Insel-Nation nennen, im Zentrum der weltweiten Aufmerksamkeit steht. Singapur gab im Juni rund 20 Millionen Dollar aus, um den Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Un auszurichten.

Autor drohen bis zu drei Jahre Gefängnis

Für den Autor des Buches, Kevin Kwan, der zwar aus Singapurs besten Kreisen stammt, aber schon als 11-Jähriger mit seinen Eltern in die USA ging, bedeutet der Erfolg seiner Roman-Verfilmung unerwarteten Ärger. Im Zuge des Rummels um den Streifen kam heraus, dass sich der inzwischen 44-Jährige strafbar machte, als er in den 90er-Jahren seinen zweijährigen Singapurer Wehrdienst nicht ableistete. Der Doppelstaatsbürger Kwan hatte vergeblich versucht, seine Singapurer Staatsangehörigkeit abzugeben. Bei einer Rückkehr in das Land seiner Geburt drohen Kwan nun bis zu drei Jahre Haft.

«Crazy Rich» startet am Donnerstag, 30. August, in den Schweizer Kinos.

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