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Tod im Spiegelkabinett

Der Spiegel war für die Menschen schon immer mehr als ein Reflektor. Vor allem in Grusel- und Horrorfilmen ist er ein beliebtes Requisit für üble Monster und Schockmomente. Nicht nur, weil Vampire angeblich kein Spiegelbild haben.
Katja Fischer De Santi
Rita Hayworth in «The Lady from Shanghai» (1947) von Orson Welles. (Bild: PD)

Rita Hayworth in «The Lady from Shanghai» (1947) von Orson Welles. (Bild: PD)

Der Spiegel, der seltsamerweise die Seiten verkehrt, zerbrechlich ist, detailgetreu reflektiert, aber auch dunkel und geheimnisvoll sein kann, hat die Menschen schon immer dazu inspiriert, in ihm mehr zu sehen als einen Reflektor.

Die Spiegel als Symbol des Bösen

Denn Spiegel, so glaubten die Menschen lange, können vor Bösem beschützen, können beraten, in die Zukunft blicken. Aber auch die Angst vor Spiegeln war gross, sie könnten den Blick ablenken, das Böse anziehen, seien Türen in Zwischenwelten. In Spiegeln lauern furchteinflössende Wesen, aus ihnen entsteigen gruselige Doppelgänger, und wehe, wenn sie zerbrechen.

Ein eigener Raum für Horrorfilme mit Spiegelmotiv

«Der Spiegel ist wohl das effektvollste Requisit des Horrorfilms», sagt Museumsdirektor Albert Lutz gestern bei der Eröffnung der Spiegelausstellung im Rietberg Museum. In einem eigenen Raum (ab 16 Jahren) können die besten Spiegel-Horror-Filme von «Nosferatu» über «Evil Dead II» oder «A Nightmare on Elm Street» angeschaut werden.

Effektvoll inszeniert wird auch die wohl berühmteste Spiegelszene der Filmgeschichte aus «The Lady from Shanghai» (1947) von Orson Welles. Die schöne Elsa (Rita Hayworth) erschiesst in einem Spiegelkabinett ihren böswilligen Ehemann, und dieser tötet durch einen Schuss im selben Moment seine Ehefrau und Mörderin. Die in den Spiegeln reflektierten Gesichter zerbersten, zerfallen und niemand weiss, was Spiegelung und was Person ist. Gezeigt wird diese Szenen selbst in einem Spiegelkabinett – ein verstörendes Erlebnis. ­

Einen lebensnahen Zugang bieten die eigens vom Museum produzierten Videosequenzen mit Menschen, die beruflich mit Spiegeln zu tun haben. Eine Balletttänzerin, ein Zauberer und Illusionist oder die Influencerin Zoe Pastell. Sie alle geben Auskunft, was der Blick in den Spiegel für sie bedeutet; aufschlussreich und persönlich.

Die grossen Mythen von Perseus, Narziss und Alice

Eine Spiegel-Ausstellung wäre aber nicht komplett ohne Perseus, der sich mit einem Spiegel vor dem tödlichen Blick der Medusa schützte und ihr nur so den Kopf abschlagen kann. Oder Archimedes, der, so die Legende, 212 vor Christus eine römische Flotte mit einem riesigen Brennspiegel in Brand gesetzt haben soll. Auch nicht fehlen darf Alice im Wunderland, die im zweiten Teil der Geschichte von Lewis Carroll hinter den Spiegel in eine Fantasiewelt steigt.

Und man wäre nicht im Rietbergmuseum, wenn der asiatischen Kultur nicht ein besonderer Stellenwert eingeräumt werden würde. Den Anfang und den Schluss der Schau macht Narziss. Der schöne Jüngling, der sich in einem Teich in sein eigenes Antlitz verliebt. Am Anfang steht er als Marmorstatue da, am Schluss als «Schweizer Narziss», gemalt von Paul Camenisch. Im Badezimmer stehend, nackt und mit sich selbst beschäftigt, während auf den Badezimmerkacheln der Zweite Weltkrieg tobt.

Spiegel – Der Mensch im Widerschein 17.5. bis 22.9., Museum Rietberg

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