Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHAUSPIELER: Kay Kysela auf allen Kanälen

Im Ensemble des Theaters St. Gallen fällt er mit akrobatischen Rollen auf. Kay Kysela war aber auch im Krimi «Wilder» zu sehen – und als Werbefigur für die Mobiliar.
Hansruedi Kugler
Schauspieler Kay Kysela ist gelernter Krankenpfleger. (Bild: Sabrina Stübi)

Schauspieler Kay Kysela ist gelernter Krankenpfleger. (Bild: Sabrina Stübi)

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler

@tagblatt.ch

«Sorry, Deutschland war grad noch am Te-lefon» – so wie Kay Kysela im Schnee tänzelnd zum Interview kommt, so verspielt kennt man den jungen Berner, der gerade noch mit einer deutschen Agentin am Telefon war, auch auf der Bühne des Theaters St. Gallen: Als Familienhund jaulte, winselte und schmollte er in «Peter Pan», zog sich flink zur keifenden Fee Klingklang um und rollte in deren Kugel-Kostüm über die Bühne. Als verkrüppelter Pastor in «Die Räuber» humpelte er etwas überzeichnet, karikiert davon. «Solche Rollen liebe ich», sagt er und lächelt: «Ich bin etwas sprunghaft, ich weiss.»

Ja, ein Bewegungsmensch und Stimmakrobat ist er, lernte früh Beatboxen und lässt gleich noch ein Müsterchen hören, legt mit schnatternder Stimme einen perfekten Donald Duck hin – eine Stimmnummer, die er sich schon als Jugendlicher selbst beigebracht habe. Seinen Eltern sei er damit gehörig auf die Nerven gegangen, erzählt er. Und er hat ihnen immer wieder mal mehr als eine Schrecksekunde zugemutet. Denn ein Bewegungsmaniac wie Kay Kysela probiert alles aus: Als Kind aus Übermut einen Salto vom Spielturm – mit angebrochenem Steissbein als Folge. Fast alle Sportarten hat er ausprobiert: Trampolin- und Turmspringen, Geräteturnen, Kunstturnen, Fussball, Breakdance und neuerdings Gleitschirmfliegen. Springt ein verrückter Kerl wie er auch als Basejumper von den Bergen? «Sicher nicht, ich bin ja lebenswach, nicht lebensmüde.»

Krankenpfleger und nebenher Showartist

Gelernt hat er dann aber doch zuerst Krankenpfleger – und tobte seinen unbändigen Bewegungsdrang mit einem speziellen Hobby aus: Zwischen 15 und 23 trainierte Kysela mit Freunden mit seiner Kampfsport-Akrobatik-Comedy Truppe «Swisstricks». Ein krasses Leben sei das gewesen, sagt er. Unter der Woche im Krankenhaus, am Wochenende Shows: Scheinwerfer und kreischendes Publikum. Bis in den Halbfinal der zweiten Staffel von «Die grössten Schweizer Talente» im Jahr 2012 brachten es die jungen Berner.

Seine Körper- und Stimmartistik legt aber auch die Grundlage für sein schauspielerisches Selbstverständnis: «Mich hat immer interessiert, meine Figuren physisch darzustellen, etwas alleine aus dem Körper heraus zu entwickeln.» Aber Beatboxen, Donald Duck oder Saltos hat er nicht etwa in der Schauspielschule gelernt. Dafür zwischen 2012 und 2017 an der Hochschule der Künste Bern vor allem Sprechen, Entwickeln von Subtexten, Szenenstudium, authentisches Figurenspiel. Ein guter Kontrast zum Wirbelwind – und zusammen eine breite Basis für eine Bühnenkarriere.

Und doch: In den letzten Wochen wurde er öfter auf den Fernsehkrimi «Wilder» angesprochen als auf seine Bühnenauftritte im hiesigen Theater. In «Wilder» war er der junge Koch Prakash, der Kollege des traumatisierten Jakob. Eine Nebenrolle – und zum wiederholten Mal eine als «Kanacke», wie Kysela selbst leicht spöttisch sagt. Sein Vorteil: Man könne ihn als Inder, als Nordafrikaner oder als Araber besetzen. Seine Mutter stammt aus Kamerun, sein Vater hat Wurzeln in Tschechien. «Mit meinem Aussehen ist es allerdings ziemlich schwer, eine Hauptrolle zu bekommen, da man hierzulande im Film doch noch oft mit klischierten Stereotypen arbeitet.» Trotzdem: Im Tatort «Freitod» war er ein cleverer Kriminalistik-Praktikant, im Kinofilm «Im Nirgendwo» spielte er den Dorfpolizisten Eddy Vilnaytanarake mit Haslidütsch. Allesamt ebenfalls kleinere Nebenrollen. In der ZDF-Serie «Kommissarin Heller» spielt Kysela einen Polizisten mit deutlich mehr Text. «Jetzt warte ich auf eine Hauptrolle», sagt er verschmitzt. Als Hauptrolle wäre ihm am liebsten ein Hochstapler, ein Neonazi oder ein Junkie – «alles Rollen, die möglichst weit von mir selbst weg sind», sagt er. In einer der nächsten «Bestatter»-Folgen spiele er einen schwulen Fussballer. Die darstellerische Herausforderung ist es, die ihn an solchen Rollen reizt. Da scheint dann doch der wilde Kysela durch. Der auch eine unvermutete Seite hat: Er sei nämlich ein häuslicher Typ, putze und koche gerne und möchte auch mal gerne Familie und Kinder. Hauptsache immer in Bewegung. Der Spassvogel Kysela kommt in einer anderen Rolle auf seine Kosten: In Werbespots für die Mobiliar-Versicherung spielt er einen Zappelphilipp, der aus seinem grotesken Alltag berichtet und so mit Humor indirekt auf den Nutzen der Versicherung verweist. Da explodiert etwa ein Toaster oder er fällt theatralisch in Ohnmacht über eine Schadenforderung des Vermieters.

Er mag es, wenn Zuschauer klar und direkt reagieren

Dass er als Ensemble-Mitglied am Theater St. Gallen weiterhin Filmrollen annehmen kann, habe mit der Offenheit von Schauspielchef Jonas Knecht zu tun. Das ist sozusagen eine Versicherung in die Zukunft. Denn gerade junge Bühnenschauspieler leben von Jahr zu Jahr, eine Vertragsverlängerung ist nicht garantiert. In St. Gallen aber bleibt er mindestens bis Sommer 2019. Die Reibung mit dem Publikum, «das hier in St. Gallen sehr aufmerksam und konzentriert ist», mag er sehr. «Vielleicht könnten die Zuschauer aus dem Moment heraus etwas direkter reagieren, dann wird es für uns Schauspieler klar, woran man ist», meint Kysela. Ob zustimmend oder ablehnend sei dann nicht so wichtig.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.