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SCHAUSPIELER: Der Bad Boy unter den Filmstars

Soeben hat Gary Oldman den Golden Globe gewonnen und wird als Oscar-Favorit gehandelt. Nach einem Leben auf der Überholspur samt Alkoholproblem scheint der Brite jetzt angekommen zu sein.
Melissa Müller
Gary Oldman trägt fast jeden Tag eine andere Brille. Und spielt grossartige Bösewichte. Von oben: «Sid & Nancy» (1986), «Dracula» (1992), «True Romance» (1993), «The Dark Knight» (2008). (Bilder: Rich Fury/Getty, PD)

Gary Oldman trägt fast jeden Tag eine andere Brille. Und spielt grossartige Bösewichte. Von oben: «Sid & Nancy» (1986), «Dracula» (1992), «True Romance» (1993), «The Dark Knight» (2008). (Bilder: Rich Fury/Getty, PD)

Melissa Müller

Er hat dieses Flackern im Blick, das einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ob als tablettensüchtiger Polizist, durchgeknallter Zuhälter oder jähzorniger Beethoven: Stets wirkt er unberechenbar. Man ahnt: In diesem Mann brodelt etwas Gefährliches, das jederzeit aus ihm herausbrechen könnte. Unvergessen, wie er Anfang der Neunziger als blutdürstiger Graf Dracula der jungen Winona Rider die Unschuld raubte und dem Vampir sensible menschliche Züge verlieh.

Gary Oldman gehört zu den gefragtesten Charakterdarstellern Hollywoods, die an den Oscarverleihungen trotzdem Jahr für Jahr leer ausgehen. Bisher war der 59-Jährige erst einmal nominiert, 2011 für seine Rolle als Agent George Smiley in «Dame, König, As, Spion».

Das könnte sich ändern. Für seine Leistung als Winston Churchill in «Darkest Hour» hat Oldman den Golden Globe gewonnen; jetzt gilt er als Oscar-Anwärter. Um sich in den korpulenten, glatzköpfigen britischen Premierminister zu verwandeln, musste der sportliche und hagere Londoner einen «Fat Suit» tragen und vier Stunden täglich in der Maske verbringen.

«Crazy Gary» mit Hang zum Exzess

Lange war er auf die Rolle des übergeschnappten Psychopathen abonniert. Die er so glaubhaft verkörpert, dass er sogar schon von Wildfremden auf der Strasse in New York als «Motherfucker» beschimpft wurde – was er als Kompliment nimmt. «Für einen schüchternen Menschen wie mich ist die Schauspielerei ein Segen», sagte der Charismatiker einmal der «Süddeutschen Zeitung». «Man verschwindet bei der Arbeit hinter einer Maske, wie auf einer Halloween-Party.»

William Gary Oldman, wie er mit vollem Namen heisst, ist ein Kind der britischen Unterschicht: Der Vater ist Alkoholiker, die Familie leidet unter häuslicher Gewalt. Mit 16 verlässt er die Schule, spielt Theater, gewinnt ein Stipendium. Den Durchbruch auf der Leinwand feiert der 1986 als heroinsüchtiger Sex-Pistols-Bassist Sid Vicious in «Sid & Nancy».

Privat führt er ein unstetes Leben auf der Überholspur. Er wird betrunken am Steuer erwischt, Freunde nennen ihn «Crazy Gary». Auch die Frauen an seiner Seite können ihn nicht aus dem Sumpf der Selbstzerstörung retten, darunter Schauspielkolleginnen wie Isabella Rossellini, Winona Ryder und Uma Thurman, mit der er zwei Jahre verheiratet war, als sie 20 Jahre alt war. Auf einem Tiefpunkt angelangt ist er 1995, als er an der Seite von Demi Moore in der Liebesschnulze «The Scarlet Letter» spielt. Er ist dem Alkohol verfallen, kann sich den Text kaum merken. Demi Moore redet ihm ins Gewissen, Oldman begibt sich in eine Entzugsklinik. Seither soll er trocken sein.

Unrühmlicher Auftritt im «Playboy»

2014 vergreift er sich in einem «Playboy»-Interview im Ton und wirft mit frauenfeindlichen Ausdrücken um sich. Er wettert gegen den Hollywood-Zirkus, nennt Hollywood «eine von Juden gelenkte Stadt». Zudem nimmt er seine Schauspielkollegen Mel Gibson und Alec Baldwin in Schutz, die wegen antisemitischer und homophober Sprüche in Verruf geraten ­waren. Kurz darauf gibt er sich reumütig und entschuldigt sich in der Late-Night-Show von Jimmy Kimmel für die verbalen Aussetzer.

Auch als Schauspieler erlebt er Durststrecken. Er hadert mit sich, hat die Nase voll von Bösewichtsrollen. Mit Auftritten in Blockbustern erspielt er sich neue Sympathien, etwa als guter Cop in «Batman»-Filmen und als Sirius Black in «Harry Potter».

Ein pflegeleichter Typ ist er gewiss nicht. In einem Interview erzählte er von seinem zwanghaften Bedürfnis, Vasen in die Tischmitte zu stellen. Und wenn ein Büchergestell in seinen Augen leicht schief ist, lasse ihm das keine Ruhe. Mit einem ähnlichen Drang zur Präzision geht er an seine Rollen heran. Monatelang studierte er Churchills Reden und ahmte dessen eigentümliche Art zu sprechen nach. Mit «Die dunkelste Stunde» ­gelingt dem gereiften Darsteller ein Comeback, das Kritiker ­begeistert.

«Ich bin jetzt in meiner Mitte angekommen», sagte Gary Oldman der «Sun». Kürzlich hat der Vater von drei Söhnen zum fünften Mal geheiratet, eine Kunstkuratorin, mit der er in L.A. lebt. Seine dunkelsten Stunden hat er hinter sich.

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