Schaurig-schön und experimentell-laut: Diese nordische Musik kann man am Nordklang-Festival erleben

Das 14. Nordklang-Festival in St.Gallen wagt ein Experiment: Grönländisch trifft erstmals auf Rätoromanisch. Um Musiker zu finden, die sich darauf einlassen, brauchte es viel Überzeugungsarbeit. 

Marion Loher
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Tritt am Nordklang-Festival in St.Gallen auf: Cell7, Islands «Grandmother of Hip-Hop.

Tritt am Nordklang-Festival in St.Gallen auf: Cell7, Islands «Grandmother of Hip-Hop.

Bild: Juliette Rowland

Wenn mitten in der Stadt St.Gallen grönländischer Elektro-Pop auf rätoromanische Singer-Songwriter-Musik trifft, dann ist Nordklang-Zeit. Das Festival, das in diesem Jahr am Wochenende vom 14. und 15. Februar stattfindet, ist mittlerweile mehr als ein Konzertreigen an nordischer Musik. Es bringt unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Musikstile zusammen, es lässt Raum für ungewöhnliche Kollaborationen.

Im vergangenen Jahr trafen Jodel und Joik, der traditionelle Gesang der Samen, aufeinander. Jetzt sind es die beiden Sprachen grönländisch und rätoromanisch. «Etwa 60'000 Menschen sprechen in der Schweiz noch rätoromanisch, annähernd so viele Menschen leben in Grönland», sagte Steffen Wöhrle vom Festival-OK an der gestrigen Programmpräsentation. Deshalb habe man sich für diesen «Kulturaustausch der besonderen Art» entschieden.

«Wir wissen nicht, was rauskommt»

Es sei nicht einfach gewesen, Exponenten für dieses Experiment zu finden. «Es brauchte viel Überzeugungsarbeit», fügte OK-Mitglied Sandro Büchler an. Doch sie hatten Erfolg.

Am Eröffnungsabend treten der grönländische Musiker Gerth Lyberth und Tumasch è, ein Singer-Songwriter aus der bündnerischen Surselva, gemeinsam im Pfalzkeller auf. Die beiden treffen sich einige Tage vorher zum ersten Mal.

«Wir haben ihnen in St.Gallen einen Proberaum reserviert», sagte Wöhrle. «Wir wissen nicht, was rauskommt, wir lassen uns überraschen.» Ergänzt wird das Konzert mit Erzählungen von Ursula Giger. Die Dozentin für Isländisch an den Universitäten in Basel und Zürich war einige Male in Grönland und gibt Einblicke in diese Kultur.

Von finnischem Elektro-Pop bis isländischen Hip-Hop

Überraschen lassen kann sich das Publikum auch von den Musikerinnen und Musikern am Samstagabend. Denn die meisten der 16 Bands, Singer-Songwriter und DJs, die auf den sechs Bühnen zwischen Palace und Kellerbühne auftreten, sind hier weniger bekannt.

Das Programm ist facettenreich und bietet einen Streifzug durch das aktuelle nordische Musikschaffen. Unter den Künstlerinnen und Künstlern finden sich Cell7, Islands «Grandmother of Hip-Hop», der Norweger Sturle Dagsland, dessen Musik ein Mix aus Folk, Experimental und Avant-Garde ist, die finnische Elektro-Pop-Band The Hearing und Soffia Björg aus Island mit ihrer lieblich-ruhigen und «wahnsinnig schönen Stimme».

Wer Blues mag, dürfte bei Bror Gunnar Jansson auf seine Kosten kommen. «Jedes Wort, jeder Akkord des schwedischen Ein-Mann-Orchesters trieft vor Passion. Blues von Kopf bis Fuss», heisst es im Programmheft. Die Musik der Färöerin Elinborg gleiche einer «emotionalen Reise durch das raue Leben auf den Inseln».

Das Nordklang-Festival findet in diesem Jahr bereits zum 14. Mal statt. «Was uns fehlt, sind Helferinnen und Helfer», sagte OK-Präsidentin Larissa Bissegger. «Ich hoffe, dass sich in den nächsten Tagen noch viele melden werden.»

Weitere Informationen, Programmübersicht und Vorverkauf auf www.nordklang.ch

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