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Die Stiftsbibliothek rückt seine Schätze in ein besseres Licht

St. Gallen bekommt zwei neue Ausstellungen. Im Gewölbekeller unter der Stiftsbibliothek wird die Kulturgeschichte des Klosters erzählt, im Zeughausflügel das Leben im Frühmittelalter. Noch sind beide eine Baustelle.
Rolf App
Stiftsbibliothekar Cornel Dora im Gewölbekeller, wo bald das wertvolle «Evangelium longum» zu sehen sein wird. (Bild: Urs Bucher)

Stiftsbibliothekar Cornel Dora im Gewölbekeller, wo bald das wertvolle «Evangelium longum» zu sehen sein wird. (Bild: Urs Bucher)

Es sind die Tage zwischen den Ausstellungen. Die Stiftsbibliothek ist geschlossen und freigeräumt, nur die Künstlerin Siegrun Appelt ist da, die an einem Beleuchtungsprojekt arbeitet. Von der Seite her dringt das Sonnenlicht des späten Nachmittags herein. Der von einer Galerie gesäumte Barocksaal leuchtet in seiner ursprünglichen, von wertvollen Holzarbeiten und kunstvollen Stuckaturen und Deckengemälden geprägten Schönheit.

Ein Einband aus Elfenbein, Gold und Edelsteinen

Der Lift führt in die Tiefe, ins Untergeschoss, wo der Gewölbekeller gerade umgebaut wird. Hier befand sich früher das Lapidarium, die Sammlung wertvoller Steinplastiken. Stiftsbibliothekar Cornel Dora erklärt, was auf der Baustelle bis zum 20. Januar entstehen wird. «Eine neue, vom Ausstellungsmacher Peter Jezler gestaltete Ausstellung mit dem Titel ‹Gallus und sein Kloster› wird 1400 Jahre Kulturgeschichte erzählen», sagt er. «Und zwar mit modernsten Mitteln, zu denen auch eine Multivision zu Gallus’ Leben gehört.» Zusammen mit seinem Sohn habe Jezler eine Woche in Irland verbracht, «bei schönstem Wetter, und davon wunderbare Aufnahmen nach Hause gebracht».

Was die St. Galler Stiftsbibliothek einzigartig macht, wird sich den Besuchern beim «Evangelium longum» erschliessen. Dessen prunkvoller, 895 vom Mönch Tuotilo geschaffene Einband aus Elfenbein, Gold und Edelsteinen gehört zu den wertvollsten Beständen der Bibliothek, die mit ihren 2000 Handschriften reich an Schätzen ist. Er kann nur deshalb dauerhaft gezeigt werden, weil Elfenbein gegen Licht unempfindlich ist.

Der grösste Feind mittelalterlicher Handschriften

Denn Licht ist der grösste Feind mittelalterlicher Pergamenthandschriften. Das weiss man auch im Stiftsarchiv, der zweiten Station unseres Ausflugs in den Stiftsbezirk, das auf der andern Seite des Klosterhofs liegt, im Zeughausflügel. Alte Dokumente liegen auf dem Tisch des Lesesaals, das eine seltsam angenagt. «Mäusefrass», erklären der Stiftsarchivar Peter Erhart und sein Stellvertreter Jakob Kuratli Hüeblin, «das käme heute nicht mehr vor. In unseren Schutzraum können sich keine Mäuse verirren.» Dort werden Urkunden und Handschriften in Kisten verwahrt. Es sind die modernen ­Varianten jener Fluchtkisten aus dem 18. Jahrhundert, die sie in ­jener Ausstellung zeigen werden, die sie gerade planen.

Ein paar Mal bereits haben Erhart und Kuratli einen Ausstellungssaal im Parterre genutzt, um ihre bis weit ins Frühmittelalter zurückreichenden Schätze zu zeigen. Und dabei festgestellt, dass Wärme, Feuchtigkeit und Licht dem Pergament zusetzen. Ein millionenteurer, moderner und klimatisierter Ausstellungssaal wird das nun ändern.

Der berühmte Klosterplan im Dämmerlicht

Wir steigen die Treppe hoch, öffnen die Holztüre zur Baustelle, auch hier sind Arbeiter am Werk. Hinter dem Eingangsbereich, wo Shop und Café hinkommen, geht es durch eine Klimaschleuse. Dann wird es dunkel. Die Wände sind in Dunkelbraun und Dunkelgrün gehalten, Licht werden Schaukästen spenden. Aber nicht zu viel. Die Besucher werden selber recherchieren und sogar ­Pergament erfühlen können, das Modell eines Dorfes wird ­zeigen, wie man im Mittelalter gelebt hat.

Noch dunkler wird es im hinteren Teil, wo eine kleine Kammer eingebaut wird. Hier findet sich die grosse Attraktion: der um 830 entstandene Klosterplan aus der Stiftsbibliothek. Eine Multivision wird dieses einzigartige Dokument den Besuchern näherbringen, und dann wird es auch im Original auftauchen – nur für ein paar Sekunden und bei schwachem Licht. Damit es keinen Schaden nehmen kann.

So werden zur einen Ausstellung in der Stiftsbibliothek zwei weitere hinzukommen; die eine im Gewölbekeller erzählt vom Kloster und seiner Ausstrahlung, die andere im Zeughausflügel handelt von der weltlichen Herrschaft, die der Fürstabt ausgeübt hat, und vom Leben im Mittelalter. Die Fäden für dieses Grossprojekt laufen beim – auf Kulturprojekte spezialisierten – Marketingspezialisten Patrick Cotting zusammen. An seinem Kurs «Der Weg zum Publikum» an der Uni Neuenburg hat einst auch Peter Erhart teilgenommen.

Das Ziel liegt bei 200'000 Besuchern

Später hat die Ria-und-Arthur-Dietschweiler-Stiftung die Mittel für seine Arbeit zur Verfügung ­gestellt und sich bereit erklärt, während der nächsten zehn Jahre Aktivitäten und Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung im Stiftsbezirk St. Gallen mit mehr als zwei Millionen Franken zu unterstützen. Cotting hat auch ein Ziel definiert: Die Besucherzahl soll von heute 140'000 auf 200'000 steigen.

Viele Massnahmen sollen den Besuch attraktiv machen. Dazu gehören eine gemeinsame Homepage, ein modernes elektronisches Ticketsystem, weiter die verbesserte Signalisation, Museumsshops, Cafés. Einen ­Audioguide für den Klosterbezirk gibt es bereits, doch Cotting träumt schon weiter: Dass man eines Tages den Klosterbezirk mit dem Tablet erkunden kann, und dass eine dritte grosse Attraktion dauerhaft zu sehen wäre – die ­Nibelungen-Handschrift B.

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