Schaffhauser Jazzfestival wird bunt und multikulturell

SCHAFFHAUSEN. Am Mittwoch beginnt das 26. Schaffhauser Jazzfestival. Bis 9. Mai berichten Schweizer Jazzschaffende von ihren aktuellen Forschungsreisen. Welche Tüfteleien hierzulande gerade angesagt sind, lässt sich im Frühling seit 1990 jeweils am Rheinknie erkunden.

Frank von Niederhäusern/sda
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SCHAFFHAUSEN. Am Mittwoch beginnt das 26. Schaffhauser Jazzfestival. Bis 9. Mai berichten Schweizer Jazzschaffende von ihren aktuellen Forschungsreisen. Welche Tüfteleien hierzulande gerade angesagt sind, lässt sich im Frühling seit 1990 jeweils am Rheinknie erkunden. Das bevorstehende Festival verspricht besonders vielfältig zu werden. Neue Projekte und CD-Taufen locken, und nebst den traditionellen drei Festivalbühnen wird ein neuer Spielort eingeweiht.

Mehrere Plattentaufen

In der Kasematte des Munot, dem trutzig ummauerten Innenraum der bekannten Stadtfestung, feiert Sopranistin Kornelia Bruggmann die Uraufführung ihrer «Canti del Capricorno». Bruggmann bearbeitet ein Werk des italienischen Komponisten Giacinto Scelsi (1905–88) zur Multimedia-Performance.

Auch CD-Taufen sind eine Art von Uraufführung. In Schaffhausen tritt der Zürcher Saxophonist Christoph Grab mit dem neuen Album seines Sextetts Raw Vision an. Der Schaffhauser Pianist Joscha Schraff tauft den Erstling seines Trios. Und Saxophonist Nicolas Masson kann mit seinem Trio eine CD auf dem Label ECM präsentieren, während sein Instrumentalkollege Sebastian Strinning seine erste Solo-CD vorstellt.

Globalisierter Jazz

Masson und Strinning stehen für einen weiteren Farbtupfer des Festivals. Sie sind Doppelbürger mit italienischen und schwedischen Wurzeln. Die Globalisierung hinterlässt auch in der Musik hörbar Spuren. Auch bei Yilian Cañizares: Die Geigerin und Sängerin stammt aus Kuba, lebt aber in Lausanne und kreiert Jazz zwischen diesen Welten. Solcher Austausch geschieht auch, indem sich Schweizer Musiker Gäste aus aller Welt holen. Das Zürcher Trio Noisy Minority kehrt mit US-Posaunist Ray Anderson zurück. Und mit Christoph Grabs Raw Vision reist der Berliner Gitarrist Frank Möbus nach Schaffhausen.

Kunstvoller Lärm mit Genuss

Möbus zählt zu jenen Jazzern, die genüsslich Lärm machen können. Mit Bruno Spoerri tritt ein eminent wichtiger Pionier des europäischen Jazzschaffens an: Der bald 80jährige Saxophonist, Komponist und Erfinder hat den Jazz seit den 50er-Jahren mehrfach erneuert – nicht zuletzt als Computermusiker.

Seine Enkel gewissermassen sind Bassist Andi Schnellmann, Gitarrist Manuel Troller und Drummer David Meier, die wichtige Musik entwickeln. Auch die Luzerner taufen in Schaffhausen eine neue CD.

Zwischen Altmeister Spoerri und diesen Youngsters legt das Trio Steamboat Switzerland in Schaffhausen an. Seit zwanzig Jahren setzen Organist Dominik Blum, Bassist Marino Pliakas und Perkussionist Lucas Niggli Massstäbe in der Verlinkung von Hardcore-Avantgarde und Neuer Musik.