Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Schälen, schälen, schälen

Mit Georges Perecs «Kartoffelkammer» bringt die Kellerbühne St. Gallen eine Eigenproduktion unter der Regie von Matthias Peter auf die Bühne. Zu entdecken ist ab nächsten Mittwoch ein faszinierender französischer Autor.
Martin Preisser
Sonia Diaz und Livio Cecini sind zwei der sechs Darsteller im Theaterstück «Die Kartoffelkammer». (Bild: Michel Canonica)

Sonia Diaz und Livio Cecini sind zwei der sechs Darsteller im Theaterstück «Die Kartoffelkammer». (Bild: Michel Canonica)

Man sollte jeden Tag mindestens einmal voller Ergriffenheit an die Kartoffeln denken, heisst es in Georges Perecs «Kartoffelkammer». Drei Frauen, zwei Männer und ein taubstummer Diener sind in einem Raum eingesperrt. Was ihnen bleibt, ist Kartoffelschälen, immerzu Kartoffeln schälen. Wie sie in den Raum gekommen sind, wissen die Protagonisten nicht.

Suche nach Wahrheit

Aus dieser Konstellation entwickelt Georges Perec die Frage, welche Geschichten – selbst erlebte, erfundene oder literarische – uns in der Situation des Eingeschlossenseins helfen zu überleben und uns auf der Suche nach Wahrheiten unterstützen können. Was im Theater die Kartoffelkammer ist, ist ausserhalb des Theaters das Leben an sich. Und vielleicht überleben wir die Fragen nach dem Woher und dem Wohin letztlich auch nur durch Geschichten, durch Sprache.

So vereinfacht formuliert geht Georges Perec von dieser Kraft der Sprache und des Theaters in seiner literarischen Denkwelt aus. Mit Lesungen aus Perecs Roman «Das Leben – Gebrauchsanweisung» hat Matthias Peter, der die «Kartoffelkammer» inszeniert, bereits Appetit auf Georges Perec gemacht, einem der bedeutenden französischen Nachkriegsautoren, der zwischen 1936 und 1982 gelebt hat und hierzulande noch wenig bekannt ist.

Kraft der Geschichten

Von der «Kartoffelkammer» ist Matthias Peter begeistert. «Das Stück ist ein riesiges Geschichtenangebot, und es ist ein Stück über das Theater selbst, übers Theatermachen und darüber, wie Theater funktioniert.» Das Kartoffelschälen bleibt letztlich das einzig Reale in diesem Stück, das ansonsten von der Kraft von Geschichten lebt. Georges Perec bedient sich da auch bei anderen Autoren absurder und existenzialistischer Provenienz und «borgt» sich Themen und Dialoge aus Stücken von Sartre, Camus, Ionesco oder Beckett. Trotzdem lässt er seine Figuren ganz eigene Antworten auf die Fragen des Lebens und der Existenz finden. Zudem probiert Georges Perec zahlreiche Theaterformen aus. Überraschend baut Perec vor dem Schlussmonolog des stummen Dieners eine Szene aus Shakespeares «Hamlet» ein – und die Figuren bekommen jetzt einen Namen.

Tiefsinnig und humorvoll

Bei aller Abgründigkeit hat das Stück aber auch deutlich heitere Seiten. «Perec hat die dramatische Form anhand zahlreicher Hörspiele erprobt», weiss Matthias Peter, der neben Sylvia Luise Denk, Juana von Jascheroff, Sonia Diaz, Jens Schnarre und Livio Cecini den stummen Diener im Stück gibt. «Die <Kartoffelkammer> ist ein gleichermassen tiefsinnig philosophisches wie humorvolles Schauspiel, das sinnbildlich den allgemeinen Bedingungen des Menschseins und gleichzeitig der Faszination des Mediums Theater nachspürt», sagt der Leiter der Kellerbühne.

Für Matthias Peter sind die Eigenproduktionen in der Kellerbühne ein wichtiges Pendant zum eingekauften Programm des Hauses. «Die Eigenproduktionen sind wichtig für die Ausstrahlung der Kellerbühne. Ich selbst bekomme aus dieser Arbeit sehr viel Energie für das normale Tagesgeschäft zurück.» Matthias Peter möchte bei der Arbeit an der «Kartoffelkammer» denselben hohen Massstab anlegen, der für ihn auch bei der Auswahl der Gastspiele gilt.

Ein Spracharbeiter

Mit Georges Perecs «Kartoffelkammer» ist ab nächsten Mittwoch eine wichtige literarische Stimme Frankreichs zu entdecken, die den traditionellen literarischen Formen eine ganz eigene Prägung verliehen hat. «Perec ist ein Spracharbeiter», sagt Matthias Peter, «er hat sich die Wirklichkeit aus der Sprache gebaut.»

Premiere: Mi, 7.3., Kellerbühne St. Gallen, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen: 9., 10., 14., 15., 16., 17. März, jeweils 20 Uhr. Karten: www.kellerbuehne.ch und Tel. 071 228 16 66

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.