Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

SAUTERELLES: Zurück aus dem Himmel

Monatelang standen sie 1968 mit «Heavenly Club» und dem Album «View to Heaven» an der ­Spitze der Charts. Die «Swiss Beatles» legen ihren Klassiker zum 55-Jahr-Bandjubiläum neu auf und gehen auf Tour.
Samuel Mumenthaler
«Besser denn yeah»: Les Sauterelles 2017. (Bild: PD)

«Besser denn yeah»: Les Sauterelles 2017. (Bild: PD)

«View to Heaven», erschienen im heissen Sommer 68, ist das klassische Schweizer Sixties-Album. Im Gegensatz zu den angloamerikanischen Vorbildern, die damals wahre Höhenflüge feierten und oft gleich mehrere LPs pro Jahr herausgaben, dürfte die Anzahl von Schweizer Popalben aus den Sechzigern die Zahl 20 kaum übersteigen. Les Sauterelles aus Zürich brachten es auf zwei Studio-LPs. Beide waren auf der Höhe ihrer Zeit – und standen unter dem Einfluss der Beatles: Während das Début von 1966 sich noch am Folkrock orientierte, war «View to Heaven» deutlich verspielter, auch der Drogeneinfluss liess sich nicht überhören. Pate gestanden hatten erneut die Beatles, auch optisch: Aufwendiges Klappcover, ein Poster lag bei – wie beim Weissen Album. Solch teure Eskapaden, wie auch ein elfköpfiger Streichersatz und Aufnahmesessions im Profi-Studio, konnten sich die Sauterelles nur leisten, weil sie potente Geschäftspartner eingespannt hatten. Finanziell hielt sich der Plattensegen in Grenzen.

Befeuert wurden die Albumlancierung und eine Schweizer Tour mit 24 «Sommerpartys» durch den Erfolg der Single-Auskopplung «Heavenly Club» – eine Nummer, die bis heute über einen grossen Wiedererkennungswert verfügt. «Smash­ing», soll Animals-Sänger Eric Burdon geschwärmt haben, und selbst beim konservativen Radio Beromünster zeigte man sich gnädig: «Ganz einfach eine Bombe», war Christoph Schweglers Kommentar. Die Single hielt sich dreizehn Wochen in den Top Ten, sechs davon auf Platz 1. In der Jahreshitparade 1968 thronte «Heavenly Club» ebenfalls an der Spitze – vor «Delilah» und «Hey Jude», obwohl sich der tiefere Sinn des Songtexts nicht wirklich erschloss. Offenbar ging es um eine Parodie aufs Zürcher Nachtclubleben. Die Melodie ging ins Ohr, und das Arrangement mit Streichern und ätherischen Chorgesängen traf den Zeitgeist. «Heavenly Club» erschien in ganz Europa, in Japan und den USA.

Das Album konnte nicht ganz mithalten: Zwar war «Dream Machine» ein veritabler Rock-Knaller, «Montgolfier» hätte auch von Donovan stammen können, aber Dixie-Getröte und Klassik-Anleihen wirken aus heutiger Sicht ebenso aufgesetzt wie der üppige Einsatz von Cembalo, Streichern und Holzbläsern.

Lebendige Jukebox ohne Protestlieder

«View to Heaven» hatte mit Underground und 68er-Revolution nichts zu tun. Die Sauterelles, eine der wenigen Schweizer Profibands, tingelten als lebendige Jukebox. «Das Wesentliche liegt für uns heute in der genauen Kopie. Wir müssen den Sound treffen, den die Leute gerne hören», gesteht Bandleader Toni Vescoli. Die Abstecher zu Flower Power waren nur eine Facette ihres Musikeralltags – sie lieferten ungeniert auch die Musik für einen Instruktionsfilm der Armee und diskutierten eine Tournee durch Militärbasen in Südvietnam.

Der Höhenflug von 1968 dauerte nicht lange. Drummer Düde Dürst stieg aus und gründete mit Hardy Hepp eine neue Band abseits des Kommerzes: Krokodil. Toni Vescoli versuchte es mit einer neuen Sauterelles-Formation, dann hatte auch er genug. Im Mai 1970, einen Monat nach der Auflösung der Beatles, verkündete er per «Todesanzeige» das Ende ihrer Schweizer Filiale. Und plante eine Solokarriere als Singer-Songwriter.

Doch es gibt ein Leben nach dem Tod: Nach einigen temporären Reunions kristallisierte sich 1993 die «neue» Sauterelles-Formation mit den Originalmitgliedern Toni Vescoli, Düde Dürst, Freddy Mangili und Peter Glanzmann heraus. Seither ist sie permanent auf Achse und «besser denn yeah». Diese Besetzung ist schon dreimal so lang zusammen wie die originalen Sauterelles. Zum 55-Jahr-Bandjubiläum legen sie «View to Heaven» neu auf, natürlich auf Vinyl und im Originaldesign, Poster inklusive – dazu als Bonus eine EP mit vier brandneuen Songs.

Zum «Record Store Day» am 22. April wird die Platte in St. Gallen vorgestellt, bei freiem Eintritt. Und am 13. Mai lebt im KKL auch der Geist von «View to Heaven» wieder auf: Mit der Lucerne Concert Band lassen sich die opulenten Arrangements des Klassikers glaubhaft neu inszenieren.

Samuel Mumenthaler

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

Sa, 22.4., 14–16 Uhr, Klang und Kleid, Torstrasse 20, St. Gallen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.