Satirisches Radio

HÖRBAR LITERARISCH

Hansruedi Kugler
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Bild: Hansruedi Kugler

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HÖRBAR LITERARISCH

Rolf Hermann, Achim Parterre und Matto Kämpf machen Radio. Mangels Ressourcen machen sie alles selbst: Moderation, Gäste, Korrespondenten, Hörerinnen am Telefon, Werbung, Songs – in ausgeprägtem Dialekt vorgetragen. Die Nachrichtensendung startet mit dem Meringue-Skandal in Schangnau: «Es hat zu keiner Zeit Gefahr für die Bevölkerung bestanden. Gas ja, Gift nein», sagt der Gemeindepräsident. Dann knarrt es in der Telefonverbindung: «Die Lawine vom Blankenhorn, ein Verschütteter erzählt aus seiner Sicht.» Wetterfrosch Schönbächler schleckt den Schnee, «schmeckt süss, das wird ein harter Winter.» Und der Gemeinderat beschliesst, die Holzbügel des Dorfskilifts noch einmal abzuschleifen. Im Buchtip empfiehlt das Radio Meieli Brächbühls «Kartoffelschnitze und aufgeschlagene Knie, mein Leben als Frau». Kommentar: «Ein ereignisarmes Leben in einer intakten Familie.» Im Konsumentenratgeber gibt's einen Streichkäse-Test. Und bei der Liveschaltung an die Pingpong-Weltmeisterschaft macht's nur «plopp, plopp». Im Publikumsquiz dann die Frage: «Herr Imboden, was war früher? Gestern, heute oder morgen?» Ein vergnüglich-absurder Radioabend.

Die Gebirgspoeten: Radio Alpin. Mit Rolf Hermann, Achim Parterre, Matto Kämpf, Der gesunde Menschenversand 2015, 55 Min., Fr. 28.–

Walsers Gehülfe

Mit schweizerisch eingefärbtem Deutsch lesen Martin Hofer und Heinz Müller Robert Walsers «Der Gehülfe». Der junge Joseph Marti wird durch Übermut und Zufall zum Assistenten eines aufbrausenden Erfinders und Ingenieurs. An Qualifikation bringt er kaum etwas mit, wird aber zum Beobachter des Niedergangs des Erfinders und seiner Familie. Marti ist eine typische Walser-Figur: verträumt und wankelmütig, unbekümmert und poetisch. Ständig wankt er zwischen Auflehnung und Unterwürfigkeit, Entschlossenheit und Übermut. Hofer und Müller erzählen zu Beginn etwas gar heiter, bringen aber die tragischen Töne nach und nach deutlicher. Knapp 300 Seiten lang ist der Roman, 151 Minuten brauchen die beiden Vorleser für ihre Version, die auch dank der Musik von Robert Schumann fast schon ein Hörspiel wird.

Robert Walser: Der Gehülfe. Lohrbär Verlag 2015, 151 Min., Fr. 22.90.

Bild: Hansruedi Kugler

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