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Samuel Mosimas Solo in Weinfelden: Karneval der Tierstimmen

Mit einem Affenzahn rauscht Samuel Mosima durch sein zweites Kabarettprogramm «Affengaffen» in Weinfelden. Das Publikum amüsiert sich köstlich, schluckt dazwischen leer, denn «Affengaffen» hat durchaus einen ernsten Unterton.
Dieter Langhart
«Affengaffen» von und mit Samuel Mosima.Bild: Reto Martin

«Affengaffen» von und mit Samuel Mosima.Bild: Reto Martin

Sämelis Hand flattert wie ein Schmetterling durch die Luft. Nein – sie ist ein Schmetterling. Sämeli fährt zu seinem Grossvater: von Wald über Trogen und St.Gallen bis ins grosse Basel. Und weil Sämeli weiss, dass er ihn mit in den Zolli nehmen wird, stellt er sich im Zug schon vor, welche Tiere sie wären und welche Tiere sie sonst sehen würden. Etwa den Gepard, Sämelis Lieblingstier, weil der so «vorbei elegantiert».

«Affengaffen» heisst Samuel Mosimas zweites abendfüllendes Programm. In «Bauernhof» vor viereinhalb Jahren hatte er sich der Anarchie und des Umgangs mit Fremden in einem Chrachen oberhalb der Nebelgrenze angenommen (Orwell stand Pate), jetzt ist er fast nur noch Tier, fast jedes Tier: mit Stimme und Körper.

Ein kiffendes Kamel und ein Hamster im Rad

Da wuchtet sich der Silberrücken auf den Sockel und referiert mit dicker Zürischnure über das, was sich ändern muss im Zoo-System. Da schaukelt das Kamel kiffend und in gemächlichem Berner Dialekt über die Bühne und redet den «kleinen und mittellosen Tieren» das Wort.

Da seckelt der Hamster wie irr in seinem Rad, während der Elefant aus der Ostschweiz herbeistampft, der Seelöwe Fische auf Baseldytsch aufschnappt und der Orang-Utan Wiener Schmäh verbreitet. Doch der Basler Zolli hält für ­Sämeli noch mehr Tiere bereit: den Uhu oder den Bison.

Samuel Mosima spielt sie alle. Täuschend echt. Er ist in einem Dorf bei Trogen aufgewachsen, die Verwandtschaft stammt aus der halben Schweiz, drum liebt er Dialekte über alles. Er hat an der Comart Bewegungstheater gelernt und setzt, wie im «Bauernhof», Stimme und Körper auf stupende Weise ein, leiht dem Elefanten mit dem rechten Arm einen Rüssel oder humpelt auf Affenknöcheln über die Bühne.

In einem Affenzahn wechselt Mosima von einem Tier zum nächsten und zurück – ein Wunder, verhaspelt er sich nie, denkt das Publikum an der Premiere im Theaterhaus Thurgau. Es amüsiert sich köstlich, schluckt dazwischen leer, denn «Affengaffen» hat durchaus einen ernsten Unterton. Und der hat mit dem Zaun rund um den ­Zolli zu tun.

«Was würden die Tiere tun, wenn alles offen ist?»

Roland Lötscher, Leiter des Theaterhauses Thurgau, hat Regie geführt. Und der hat, wie schon beim «Bauernhof», dem Schauspieler geraten, nicht nur auf die Effekte zu achten, nicht nur auf Körper und Stimme, sondern in «Affengaffen» auch eine Geschichte zu erzählen. So klettert Sämeli auch durch die Zuschauerreihen und erzählt etwa, dass ihm der Löwe wie ein Politiker vorgekommen sei.

Es geht einigen Tieren um ihre Freiheit – allen voran der Schimpanse, ein Aufschneider mit Ghetto-Gestus, der die ­Demokratie 2.0 einführen will; ebenso der Löwe, dessen Stimme verblüffend nach Viktor Giacobbo klingt. Aber nicht alle Tiere teilen seine Meinung. Sämeli fragt ins Publikum: «Was würden die Tiere tun, wenn alles offen ist?» Und spekuliert darüber im tierischen Schnelldurchlauf. Diese Frage muss offenbleiben.

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