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Samstagsspaziergang an der Domorgel

Mitten am Tag eine halbe Stunde Audienz bei der Königin der Instrumente, an vier Samstagen im August: Dazu lädt der Orgelsommer in der Kathedrale St. Gallen ein. Gestern gastierte die Organistin und Komponistin Rachel Laurin aus Ottawa.
Bettina Kugler
Die Komponistin und Konzertorganistin Rachel Laurin. (Bild: PD)

Die Komponistin und Konzertorganistin Rachel Laurin. (Bild: PD)

Sie macht es wie die Kolibris im Charakterstück aus ihrem op. 68, «The Flight of the Hummingbirds»: Rachel Laurin, Komponis­tin und Konzertorganistin aus Ottawa (Kanada), streift die Dom­orgel im elegant energiegeladenen Vorbeiflug. Aus familiären Gründen ist die Musikerin gerade in der Schweiz; ihre Schwester lebt in Genf. Da hat sie die Einladung von Domorganist Willibald Guggenmos gerne angenommen, für ein halbstündiges Konzert in der Kathedrale anzureisen. Genauer: einen Tag früher, zum Üben und um wieder vertraut zu werden mit der Dom­orgel, an der sie schon vor ein paar Jahren konzertiert hat. In Kanada gehört Laurin zu den Meistern ihres Fachs; sie komponiert hochvirtuose, unmittelbar fassliche Orgelmusik, gibt Konzerte, hält Vorlesungen. Für den Domorganisten ist sie «eine gute alte Kollegin». Wenn er seine Konzertreihen plant, kann er sich auf ein dichtes Netzwerk verlassen. «Wir sind eine grosse Familie.»

Kleines Format, grossartige Musik

Er selbst spielt da und dort, nicht nur während der Ferienzeit. «Solche Reihen gibt es wie Sand am Meer», sagt er. Überall locken sie erfreulich viel Publikum an, Orgelfreunde ebenso wie Touristen, die durch Plakataufsteller aufmerksam werden. Während der dreissig Minuten vor dem Mittag bittet ein Schild um Ruhe: Keine Besichtigung, Orgelkonzert. Im Vorbeigehen bietet sich so die Gelegenheit, das Weltkulturerbe als mächtigen, facettenreichen Resonanzraum zu erleben, in seine Schönheit hineinzuhorchen. Das kleine Format überfordert keinen; umso wichtiger ist Willibald Guggenmos, dass es nicht allzu seicht wird. «Dann kommen die Leute nicht mehr.»

Bei Rachel Laurin kann er sicher sein, dass sie ebenso ansprechende wie anspruchsvolle Werke im Gepäck hat und sicher keinen «Schmarren». Tatsächlich passt die Auswahl perfekt zum heiteren Sommervormittag. Dass zum rhythmisch reizvollen «Dialogue of the Mockingbirds» sogar ein verirrtes Vögelchen unter der Rotunde seine Bahnen zieht, wird zum i-Tüpfelchen des kleinen Konzerts mit grosser Musik.

Einen mächtigen Schlusspunkt dagegen setzt das Finale op. 78, ebenfalls eine Eigen­komposition der Kanadierin: ein Werk, das souveräne Fingerfertigkeit voraussetzt, und die Grandezza, die ansteckende Klangenergie des Instruments freisetzt. Davor spannen Stücke von Dietrich Buxtehude und César Franck einen weiten Bogen zurück in glanzvolle Epochen der Orgel: zum barocken Wechselspiel von strenger Form und virtuosem Auslauf, zur weiten Farbpalette der Orgelsinfonik. Rachel Laurin nimmt ihre Hörer leichthin mit auf einen anregenden Samstagsspaziergang.

Weitere Konzerte: 18.8. Andreas Liebig (Basel), 25.8. Tomeu Mut (Palma de Mallorca), 11.30 Uhr, Kathedrale St.Gallen.

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