«Saiten» soll lauter tönen

Das Kulturmagazin «Saiten» erscheint diese Woche frisch gestaltet und inhaltlich erneuert. Andrea Kessler und Peter Surber von der Redaktion erzählen, warum eine Änderung nötig war und warum einiges auch beim alten bleibt.

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«Schlanker, schärfer, schöner» soll das neue «Saiten» sein: Die Redaktoren Peter Surber und Andrea Kessler in ihrem Büro. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Schlanker, schärfer, schöner» soll das neue «Saiten» sein: Die Redaktoren Peter Surber und Andrea Kessler in ihrem Büro. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das erste neue Magazin «Saiten» ist soeben in Druck gegangen. Sind Sie erleichtert?

Andrea Kessler: Ja, es ist immer schön, wenn etwas abgeschlossen ist. Nach den zwei hektischen letzten Tagen vor der Abgabe konnten wir uns gestern einen Tag frei nehmen.

Peter Surber: Da kamen schon wieder die ersten Selbstzweifel auf . . .

«Zweifel und Unruhe sind gute Grundlagen gegen das Abgleiten auf den bequemen Weg des geringsten Widerstands», heisst es im Vorwort zum neuen Heft. Bleibt das Kulturmagazin seiner unbequemen Linie treu?

Kessler: Ja, der Auftakt des Hefts soll sogar noch angriffiger und kratziger werden.

Surber: Wir wollen meinungsstärker und diskutierfreudiger werden. Diesem Ziel dienen Kolumnen mit Kultpotenzial und der Kommentarteil, wo wir unterschiedlichen Positionen eine Plattform geben. Im neuen Heft ist zum Beispiel als Gastkommentar ein klares Votum für die Reithalle als Eventlokal drin.

Warum braucht es eigentlich eine Veränderung? Was war am bisherigen Magazin «Saiten» schlecht?

Surber: Es gab gewisse Ungereimtheiten. Viele Kolumnen waren eher Rubriken und umgekehrt. Zudem gab es Kritik, man könne sich im Heft schlecht orientieren, und das Layout war oft ein «Gmoscht». Wobei «Saiten» gut funktionierten, es geht uns nicht um Kritik am Bisherigen.

Kessler: Der Veränderungswunsch kam ins Rollen, als wir erfuhren, dass unsere Grafikerin uns verlässt. Es war der richtige Moment, eine grafische Neugestaltung mit inhaltlichen Änderungen zu verknüpfen.

Mit «Stadtlärm» gibt es nun eine explizit politische Kolumne. Ist das neue Heft «Saiten» politischer als das alte?

Surber: Das Politische wurde schon immer mitgedacht. Es ist für die politische Kultur in der Stadt wichtig, dass es noch eine andere publizistische Stimme als das «Tagblatt» gibt. Der Umbau des Hefts ist auch ein Versuch, «Saiten» in der Stadt hörbarer zu machen. Wir verstehen uns als Stimme des vernünftigen, also des fortschrittlichen, sozialen und ökologischen St. Gallen. Diese Stimme ertönt heute oft zu leise.

Als Team arbeiten Sie noch nicht lange für «Saiten», mussten Bestehendes übernehmen. Wollten Sie auch deshalb das Heft neu gestalten?

Kessler: Ja, wir haben viele Diskussionen unserer Vorgänger nicht mehr mitbekommen. Diese Chance haben wir genutzt, um «Saiten» neu zu denken, frei von alten Überlegungen und Abmachungen.

Bei allen Änderungen: Was bleibt am neuen «Saiten» beim alten?

Kessler: Es wird weiterhin ein Titelthema geben. Auch der Veranstaltungskalender bleibt etwas vom Wichtigsten. Natürlich halten wir auch am Kulturteil fest, ebenso an den «Rundflügen», den Berichten unserer Korrespondenten aus der ganzen Ostschweiz.

In Ihrem Büro steht ein übergrosser «Herr Mäder». Wird die Comicfigur im Heft ein Comeback feiern?

Surber: Nein, vorläufig nicht. Aber unser «Herr Mäder» hier ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass nicht ganz alles neu wird beim neuen «Saiten».

Interview: Roger Berhalter

Offizielle Taufe des neuen «Saiten»-Hefts (mit Konzert von Note Noire): heute Di, Grabenhalle 20 Uhr

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