Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

150. Todestag: Rossini und die Maschinenwelt

Vor 150 Jahren ist er gestorben, doch in seinen komischen Opern lebt Gioachino Rossini fort. Mehr noch: Er erlebt gerade eine Renaissance. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen.
Rolf App
Nicht totzukriegen: Gioachino Rossinis «La Cenerentola» im Nationaltheater São Carlos in Lissabon. (Bild: Imago)

Nicht totzukriegen: Gioachino Rossinis «La Cenerentola» im Nationaltheater São Carlos in Lissabon. (Bild: Imago)

Als sie zum ersten Mal erklingt im Februar 1816 im Teatro Argentina in Rom, da ist es ein Abend voller Pleiten, Pech und Pannen. Der Komponist wird schon am Anfang ausgepfiffen, dann stolpert ein Darsteller auf der Bühne und holt sich eine blutige Nase. Und schliesslich taucht, als Höhepunkt der Katastrophe, auch noch eine Katze auf, die sich auch mit den wildesten Bewegungen nicht vertreiben lässt. So singen die Sänger, das Publikum tobt – und Gioachino Rossini, gerade 24 Jahre alt gewordenes Wunderkind unter den italienischen Komponisten, ist überzeugt: Wenn die Leute denn einmal zuhören, wird sich sein «Barbiere di Siviglia» schon durchsetzen.

«Das ist ein blitzgescheite, wunderbare Musik»

Recht hat er. Die Oper um die Befreiung der armen Rosina aus den Händen des alten Don Basilio, bei der ein schlauer und geschäftstüchtiger Barbier eine tragende Rolle spielt, ist nicht totzukriegen. «Das ist eine blitzgescheite, wunderbare Musik, sie beflügelt und inspiriert», sagt Brigitte Fassbaender, die sie in diesem Sommer in Bregenz mit einer Truppe ganz junger, wunderbar spielfreudiger Sängerinnen und Sänger inszeniert hat. «Zusammen mit Donizettis ‹Don Pasquale› ist der ‹Barbier› eine der grossen Komödien, die es für die Opernbühne gibt.»

Was den Erfolg angeht, so kommt ihr am ehesten noch «La Cenerentola» nahe, Rossinis Fassung des «Aschenbrödel»-Stoffs, und auch dort wird die Premiere am 25. Januar 1817 zum Fiasko.

«Dummköpfe!», sagt Rossini nachher zu einem Vertrauten. «Bevor der Karneval um ist, wird man sie ­lieben.»

Recht hat er, auch diesmal. Wer Cecilia Bartoli erlebt hat, wie sie zusammen mit Les Musiciens du Prince mit «La Cenerentola» in einer halbszenischen Aufführung das diesjährige Lucerne Festival im Sommer abgeschlossen hat, kann sich dem Witz dieses Werks nicht entziehen, das ganz ohne Fee und Zauber auskommt.

Die ernsten Opern gehen leicht vergessen

Schade nur, dass hinter den komischen Opern die ernsten vergessen gehen – «Otello» zum Beispiel oder «Mosè in Egitto» – die Rossini in geradezu rasendem Tempo hervorgebracht hat, bis er dann mit «Guillaume Tell» 1829 einen Schlusspunkt setzt und den Rest seines Lebens mit ein paar geistlichen Kompositionen, mit Reisen, Kuraufenthalten und in Salons verbringt. Früh hat sich der Mann, der die Frauen und das Essen liebt, bei seinen Bordellbesuchen eine Geschlechtskrankheit geholt, und immer häufiger suchen ihn Depressionen heim.

Am 13. November 1868 stirbt er, und sein Begräbnis in Paris, wo er seit Jahrzehnten gelebt hat, wird zur Staatsangelegenheit. 1886 wird er dann nach Florenz überführt, in den Dom, ohne seine Frau Olympe Pélissier, deren Vorleben als Kurtisane der italienischen Regierung missfällt.

Rossini, Komponist der Restauration

Nicht nur das Publikum bringt Rossini gelegentlich gegen sich auf. Auch Komponistenkollegen lästern gern über ihn. Hector Berlioz etwa, der ihm «melodischen Zynismus» vorwirft, oder der italienische Revolutionär Giuseppe Mazzini, der von einer «Musik ohne Schatten» spricht. Oder Richard Wagner, der ihn in Anlehnung an den österreichischen Staatsmann und führenden Verfechter der Restauration einen «Metternich der Musik» nennt.

Gioachino Rossini (1792–1868). (Bild: Getty)

Gioachino Rossini (1792–1868). (Bild: Getty)

In der Tat hat diese Musik einiges mit einer Zeit zu tun, in der die Fürsten nach Napoleons Untergang die Uhren zurückdrehen. Heinrich Heine meint, Rossinis Musik sei der Restauration angemessen, denn sie sei der «unmittelbare Ausdruck eines isolierten Empfindens». Und er selber schreibt zwei Jahre vor dem Tod an einen Freund: «Den Ausführungen Deines Briefes entnehme ich, dass Du immer noch (!) für die Musik begeistert bist. Diese Kunst, die allein das Ideale und das Gefühl zur Grundlage hat, kann sich nicht dem Einfluss unserer Zeit entziehen. Das heutige Ideal besteht ausschliesslich in Umwälzungen, die sich auf Dampfmaschinen, Raub und Barrikaden erstrecken.»

Die Umwälzungen beschäftigen ihn schon lange, er hat sie in seine sinnliche, durchaus auch maschinenartig wirkende Musik einkomponiert. Etwa im «Barbiere», wo im Finale des ersten Akts «vom dumpfen Amboss unseliger Lärm dröhnt». «Überschäumende Animalität» hat Friedrich Nietzsche dieser Oper attestiert.

Hinter dem Geld her – wie er selber

Vielleicht erklärt das auch, warum Gioachino Rossini so modern geblieben ist. Seine Figuren sind (wie er selber) hinter Geld und Erfolg her, energische Rhythmen und fein ausbalancierte Melodien geben den Sängern Gelegenheit, ihre Kunstfertigkeit zu zeigen.

Es ist der Puls des Lebens, der da schlägt, und es ist die Maschinenzeit, die dröhnend ihren Schatten vorauswirft.

Rossini, der «heitere Skeptiker», wie Wagner ihn nennt, hat sein eigenes Werk gelassen gesehen. Als ihm ein Libretto überbracht wird mit der Anmerkung, es tauge wenig, sagt er nur: «Macht nichts, ich werde eine Musik schreiben, die noch weniger taugt als das Libretto.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.