Romeo und Julia gehen in den See

Den Steinhaufen und die zwei grossen Schränke haben wir vorher schon auf einem Spaziergang dem See entlang besichtigt. Doch wie es dann werden würde bei diesem Spiel am See, davon hatten wir keine Ahnung. Auch nicht, dass da am Premierenabend am 9.

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Julia und Romeo: Anna Blumer und Raphaël Tschudi (Bild: Mario Gaccioli)

Julia und Romeo: Anna Blumer und Raphaël Tschudi (Bild: Mario Gaccioli)

Den Steinhaufen und die zwei grossen Schränke haben wir vorher schon auf einem Spaziergang dem See entlang besichtigt. Doch wie es dann werden würde bei diesem Spiel am See, davon hatten wir keine Ahnung. Auch nicht, dass da am Premierenabend am 9. Juli eine kleine Tribüne stehen würde, mit Blick hinaus auf den See und auf ein paar Schwäne, die es sich vor der Kreuzlinger Küste im Wasser bequem gemacht hatten.

Im Wasser landen am Ende auch Anna Blumer und Raphaël Tschudi, die das Vreneli Marti und den Sali Manz in der diesjährigen Sommerproduktion des See-Burgtheaters mit Hingabe spielen. Ihr Doppelselbstmord ist das bittere Ende von «Romeo und Julia auf dem Dorfe» – jener Novelle, die Gottfried Keller 1847 aus einer wahren Begebenheit geschöpft hat. Und deren von Leopold Huber dramatisierte Fassung an diesem milden Sommerabend zur Aufführung kommt.

Regie führt Astrid Keller, seine Frau, und in ihrem Bühnenbild setzt Beate Fassnacht vor allem auf die Natur. Der grosse Steinhaufen: Er trennt die Bauern Marti (Hans Rudolf Spühler) und Manz (Werner Biermeier). Ihm entsteigt Simon Engeli, der schwarze Geiger, der zusammen mit dem Ziehharmonikaspieler Goran Kovacevic der fortschreitenden Selbst-Zerrüttung zweier Familien eine schauerlich-romantische Musik unterlegt.

Sie machen den eindringlichen Abend zu einem Fest für alle Sinne. Zurück aber bleibt die Frage, was die Gier mit dem Menschen anzustellen vermag. Damals – und heute.

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