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Romantisches Programm mit Bezügen zur Schweiz

Charles Uzor

Jugendorchester Es ist hörbar am Samstag in der Tonhalle St . Gallen: Das Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester ist etwas Besonderes. Die jungen Musikerinnen und Musiker sind sich sympathisch – und sie spielen auch so gut zusammen, weil sie ihren Chef mögen. Der Berliner Kai Bumann führt mit lockerer Hand, aber klaren Gesten. Das Programm der Frühjahrstournee schöpft das musikalische Potenzial des Orchesters allerdings nur halb. Mit Othmar Schoecks Ouvertüre zu Heines «William Ratcliff» demonstriert Bumann eine runde Interpretation dieser vom Unisono zu rhythmischen Wettläufen wechselnden Trauermusik, aber die dicke Orchestrierung lässt wenig Mischungen zu.

Mit Volkmar Andreaes Klavierkonzert in D scheint die Einheit von Zeit und Raum gegeben: Schoeck (1886–1957) war Chefdirigent des St. Galler Sinfonieorchesters, und der Berner Andreae (1879–1962) war Dirigent und Direktor des Zürcher Konservatoriums. Die Komposition ist kein Wurf, aber gut komponiert und gefällig (die vielen süsslichen Anklänge an Brahms und Schumann erinnern an Kapellmeistermusik). Schade, denn das Orchester begleitet wach und dezent. Andrea Wiesli spielt den schwierigen Solopart brillant und mit dezidierter Eleganz. Beeindruckend auch die Passagen kräftiger Arpeggien, wo die Thurgauer Pianistin das Orchester quasi solistisch begleitet.

Beeindruckende Brahms-Interpretation

Brahms vierte Sinfonie, dessen Manuskript in der Zürcher Zentralbibliothek liegt, gibt die musikalische Herausforderung. Die Lieblichkeit des Zweiton-Motivs im ersten Satz scheint vom Ingrimm des Werks abzulenken – das Orchester ist nicht ganz zusammen, der Horneinsatz eine Spur verfrüht, die weiten Intervalle in den Violinen zu harmlos und das Wandern der Melodie von Instrument zu Instrument nicht immer organisch – in der Reprise aber findet das Orchester die grosse Leidenschaft, die so nur Brahms kennt. Höhepunkt ist der zweite Satz: Die wehmütig stolze Hornfanfare zu Beginn, die geisterhafte Schattenmusik der Holzbläser mit der Pizzicato-Begleitung. Wie Bumann diese Musik langsam wegschmelzen lässt, wie sich dann im B-Teil die Celli und Violinen in gegensätzlichen Melodien finden, und wie sich das ganze Orchester nach solchen elegischen Momenten zur dramatischen Geste bündelt und diese im Fugato entlädt, ist sehr beeindruckend.

Charles Uzor

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

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