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ROMANDÉBUT: Mutter gibt das Lächeln auf

Julia Weber erzählt in «Immer ist alles schön» von der gefährdeten Welt einer kleinen Familie – und besticht mit einer eindringlich bildhaften Sprache.
Anina Frischknecht,

Anais ist zwölf, ihre Sätze sind einfach, die Realität, von der sie uns erzählen, schwierig. «Ach Tierchen, sagt die Mutter und macht das Gesicht zu, wie die Geschäfte in der Innenstadt am Abend die Rollläden vor den Schaufenstern runterlassen.» Diese Sprache, Anais’ Sprache, ist der Kern von Julia Webers Romandébut «Immer ist alles schön». Daraus schöpft die 34-jährige Autorin ihre Geschichte und Figuren: Anais und ihr kleiner Bruder Bruno, der viel weiss über Kellerasseln und Brücken. Ihre Mutter Maria, die oft unglücklich ist, viel raucht, viel tanzt und immer Wein trinkt. Der Riese vom Sozialamt, der Fragen stellt, Notizen macht und es gut meint. Und die Nachbarin, Frau Wendeburg, die im Gang lauscht und es auch nur gut meint.

Mit einer traurigen, aber starken und eigenständigen Stimme lässt Julia Weber ihre kleine Heldin vom Leben erzählen. «An ihrer Sprache merkt man, dass Anais mehr sieht von der Welt. Sie hält den Kopf leicht schräg und betrachtet die Dinge so, als sehe sie sie zum ersten Mal», sagt Julia Weber.

Das Leben ist eine Wucht und macht müde

Diese Sprache und der ihr eigene Blick auf die Welt entdeckte Julia Weber schon während dem Literaturstudium in Biel. Irgendwann ist der Zürcher Autorin aber klargeworden, dass die Sprache nur einem zwölfjährigen Mädchen gehören kann. Sie hat dann angefangen, Anais’, Brunos und Marias Geschichte niederzuschreiben.

In ihrem Début entlarven die poetisch eindringlichen Sätze die Ohnmacht von Anais und Bruno, die versuchen, mit Fantasie ihre kleine, bedrohte Welt aufrechtzuerhalten. Und sie entlarven die Ohnmacht Marias, die von der Liebe erdrückt wird und das Lächeln aufgibt.

«Manchmal denke ich, dass Mutter zu gross, zu blond und zu lebendig ist, dann tut es mit leid. Manchmal wünsche ich mir eine Mutter mit mattem Haar, zerknitterter Schürze, sanften müden Augen. Manchmal vermisse ich Mutter, obwohl sie da ist, und manchmal habe ich das Gefühl, sie sitzt in mir drin.» Sätze mit grosser Kraft. Darin liegt der Zauber von «Immer ist alles schön». Auch Maria lässt Julia Weber ab und an zu Wort kommen. Die Mutter meint es eigentlich nur gut. Die kleine Welt ihrer Familie füllt sie liebevoll mit Dingen, die sie gerade auf der Strasse findet. Einen ausgestopften Fuchs, leere Vogelkäfige, Zeichnungen von nackten Leuten, getrocknete Pflanzen, farbige Fäden. Aber das Leben ist eine Wucht. Und darüber nachzudenken, macht Maria müde. So müde, dass sie irgendwann einfach fortgeht.

Anina Frischknecht,

anina.frischknecht@tagblatt.ch

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