Romandebüt
Quentin Tarantinos «Es war einmal in Hollywood» gibt es jetzt als Roman – geschrieben vom Kultregisseur selbst

Quentin Tarantino hat eine Geschichte verfasst, die nicht nur auf seinem letzten Film basiert, sondern den exakt gleichen Titel trägt. Fünf Fragen und Antworten zum jüngsten Wurf des Kultregisseurs.

Daniel Fuchs
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Für einmal nicht hinter der Kamera: Quentin Tarantino (im Bild bei den Dreharbeiten für «Inglorious Basterds»).

Für einmal nicht hinter der Kamera: Quentin Tarantino (im Bild bei den Dreharbeiten für «Inglorious Basterds»).



Bild: Francois Duhamel

Seine Filme heissen «Pulp Fiction», «Kill Bill», «Inglorious Basterds». Quentin Tarantino ist Kult. Sein neunter und bisher letzter Film, «Once Upon a Time in Hollywood» mit Leonardo DiCaprio und Brad Pitt in den Hauptrollen ist bereits zwei Jahre her. Und nun kommt nicht etwa Tarantinos zehnter Streifen auf den Markt. Nein, der 58-jährige US-Amerikaner geht unter die Romanautoren. Nur gerade um eine Woche verzögert zur Veröffentlichung des englischsprachigen Originals erscheint bei uns in diesen Tagen «Es war einmal in Hollywood» im Buchhandel.

Was den Buchautoren Tarantino auszeichnet, an wen sich sein Debüt richtet und warum sich auch die Kinogänger freuen dürfen – hier kommen die wichtigsten Fragen und Antworten zum Kultregisseur.

Wovon handelt der Roman «Es war einmal in Hollywood»?

Die Handlung spielt sich im Hollywood der 1960er ab. Wir begleiten den manisch-depressiven Schauspieler Rick Dalton, der nur noch Schurkenrollen angeboten kriegt. Nachdem ihm sein Agent rät, sich in Italowestern neu zu erfinden, fühlt sich Rick vollends abgehalftert. Neue Hoffnung schöpft er, als ausgerechnet das angesagteste Paar Hollywoods, der Erfolgsregisseur Roman Polanski und dessen texanische Frau, die aufsteigende Schauspielerin Sharon Tate, ins Nachbarhaus zieht. Vielleicht verhilft die Bekanntschaft mit dem Ehepaar Polanski/Tate seiner Karriere zu neuem Schub?

Gewann bei den Oscars 2020 zwei Mal: Trailer zu «Once Upon a Time in Hollywood».

Quelle: Youtube

Stets an Daltons Seite: Cliff Booth, ein Stuntman. Daltons Stuntman. Ganz Hollywood weiss, dass Cliff ein Mörder ist. Doch die Polizei kann ihm die Tat nicht nachweisen. Und so ist er in der Filmbranche als derjenige bekannt, der mit einem Mord davongekommen ist. Mit ihm zusammenarbeiten will freilich niemand mehr. Ausser Rick. Booth fährt seinen Chef durch L.A., studiert mit ihm in dessen Haus Rollen ein und kommt eher schlecht als recht über die Runden.

Wem das alles nun allzu bekannt vorkommt, der täuscht sich nicht: «Es war einmal in Hollywood» trägt nicht nur denselben Titel wie das filmische Original von 2019, die Geschichte, selbst die Zitate sind über weite Strecken ähnlich, manchmal sogar identisch.

Die weiteren Figuren: etwa die texanische Schauspielerin Sharon Tate. Wir erfahren, wie sie in jungen Jahren überhaupt nach Hollywood gekommen war und wie sich ihre gemeinsamen Wege mit Roman Polanski mit denjenigen von Rick Dalton (im Film gespielt von Leonardo DiCaprio), Cliff Booth (im Film gespielt von Brad Pitt) und denjenigen der übelst verpeilten Hippie-Anhängerschaft des Ex-Knackis und Möchtegern-Rock'n'-Rollers Charles Manson kreuzen.

Jener Charles Manson, dessen Hippie-Anhänger am 8. August 1969 Sharon Tate in ihrem Haus in Hollywood ermordeten. Eine Tat, die Tarantino für seinen Film von 2019 zu einem Finale inspirierte, in dem Sharon Tate unversehrt bleibt.

Gleiche Story, gleiche Protagonisten wie beim Film «Once Upon a Time...» – warum jetzt auch noch das Buch?

Tarantino versprach, im Roman Geschichten zu erzählen, die es nicht in den Schnitt des Films von 2019 schafften. Dreh- und Angelpunkt bleiben die beiden Kumpel Rick Dalton und Cliff Booth. Szenen wie der Besuch von Cliff auf der Ex-Western-Filmkulisse-Ranch, in der sich die Manson-Hippies eingenistet haben, kommen aber nur noch ganz kurz vor. Und das blutrünstige Schockfinale des Films wird noch vor der Hälfte abgespult. Dafür erzählt uns Quentin Tarantino die Geschichte seiner Figuren rückblickend und vorausschauend vertieft. Schön ist, wie wir so in die Welt einer Sharon Tate oder eines Charles Manson eintauchen können.

Apropos blutrünstig: Tarantino-Filme sind unter anderem Kult, weil es ihm gelingt, beispiellose Gewaltorgien zu einer Art Tanz, zu einer Choreografie werden zu lassen. Im Buch nimmt er davon Abstand. Die Gewalt entzündet sich aber damit nicht weniger brutal, ja, vielleicht sogar noch überraschender. Sie flackert jeweils nur kurz, aber umso deutlicher auf. Soviel sei gesagt: Das Manson-Tate-Finale nimmt im Buch kaum Platz ein, dafür erfahren wir etwas über die nicht weniger gewaltvolle Geschichte, wie Stuntman Cliff zu seiner Hündin Brandy gekommen ist. Die Passage gehört zu den besten des Buchs.

Tarantino selbst begibt sich mit dem Buch zu seinen eigenen Wurzeln, wie er anlässlich seines Debüts sagt:

«In den Siebzigerjahren waren Romanfassungen von Filmen die ersten Bücher für Erwachsene, die ich las.»

An wen richtet sich das Buch denn überhaupt?

Für Tarantino-Fans ist das Buch natürlich Pflicht. Die Filmsammlung ergänzt es allein schon wegen des schönen Hardcovers perfekt, das sich unter der auffälligen Einfassung verbirgt. Wer vom Wissen Tarantinos über die Geschichte der Traumfabrik Hollywood, das er gerne und üppig in seinen Filmen einstreut, nicht genug bekommen kann, für den ist dieser Roman ein unendlicher Fundus.

Macht sich gut neben der Tarantino-Filmsammlung.

Macht sich gut neben der Tarantino-Filmsammlung.

Bild: zvg

Wer den Einstieg und die ersten 100 von 400 Seiten hinter sich hat, wird seine Freude auch finden, ohne ein Cineast zu sein. Stilistisch merkt man Tarantino an, dass er gewohnt ist, Drehbücher zu verfassen. Fast jeder Schritt bis hin zu den Handbewegungen Cliffs zu den Hundefutterdosen wird detailliert beschrieben. Als Leser ist man sehr nah an den Figuren, «Es war einmal...» ist aber gute Literatur, kein Drehbuch.

Lohnt sich die Lektüre also?

Definitiv. Wer zu Beginn am langfädigen Dialog zwischen Rick Dalton und seinem Agenten Marvin Schwarz hängen bleibt und sich wundert, ob Tarantino bloss seinen Hang zu absurden aber umso unterhaltsameren Dialogen nun noch verschriftlicht hat, der wird mit der weiteren Lektüre eines besseren belehrt.

Apropos Tarantino-Macken: Dem vorauseilenden Ruf, ein Fussfetischist zu sein, wird Tarantino auch in seinem Buch gerecht.

Kehrt Tarantino als Filmemacher zurück?

Ja, das hat er vor. In jüngsten Interviews verriet Tarantino etwas mehr über sein letztes filmisches Projekt. Demnach soll es ein dritter Teil von «Kill Bill» werden. «Die Idee ist ein Wiedersehen mit der Braut und ihrer Tochter nach zwanzig Jahren. Zwanzig Jahre hätten sie ihren Frieden gehabt, und nun würde dieser zerstört werden», sagte Tarantino im Podcast «The Joe Rogan Experience» über eine mögliche Fortsetzung mit Uma Thurman als Braut auf Rachetour.

Versteht man «Kill Bill 1» und «Kill Bill 2» als einen einzigen Film, wie Tarantino es tut, war «Once Upon a Time in Hollywood» Tarantinos bislang neunter Film. Nach zehn soll Schluss sein, bekräftigte der Starregisseur immer wieder.

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood. Kiepenheuer & Witsch. 410 Seiten.

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