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ROMAN: Emanzipation dank Waschstrasse

Eine Frau führt ein bescheidenes Leben als Tankstellenbetreiberin. Dann setzt sie sich ein Ziel. Autorin Margrit Schriber stellt ihre Heldin mitten in tragikomische Verwicklungen.
Arno Renggli
Margrit Schriber (78), gebürtige Luzernerin und heute in Zofingen lebend, hat eigene Erfahrungen als Tankstellenbesitzerin. (Bild: Mark Wyss/PD)

Margrit Schriber (78), gebürtige Luzernerin und heute in Zofingen lebend, hat eigene Erfahrungen als Tankstellenbesitzerin. (Bild: Mark Wyss/PD)

Arno Renggli

Es ist ja ein eher unspektakuläres Leben, das die nicht mehr ganz junge Pia führt. Spektakel will sie auch gar nicht. Eigentlich ist sie ganz zufrieden mit ihrer Tankstelle in der Nähe der Autobahn. Und wenn ihre beste Freundin, die exaltierte Dramaqueen Luisa, etwas weniger krisenanfällig wäre, gäbe es kaum was zu meckern. Na gut, ihr Freund Luc ist eigentlich eine ziemlich miese Ratte. Aber er hat Charme, und sie liebt ihn eben. Und wer sonst würde sie schon wollen. Also lässt sie sich von Luc ausnutzen, demütigen und misshandeln.

So erscheint die Heldin des Romans von Margrit Schriber zunächst nicht unbedingt als starke Person. Tatsächlich ist Selbst­vertrauen bei ihr eher Mangel­ware. Andererseits ist um 1980 herum eine weibliche Unternehmerin alles andere als selbstverständlich. Und als Pias Geschäfte im Zuge von veränderter Mobilität schlechter gehen, reagiert sie: Und will sich eine topmoderne Autowaschstrasse installieren ­lassen. Eine komplizierte Sache, zumal sich bisherige und neue Männer in ihrem Umfeld mit je eigenen Partikularinteressen einmischen. Ob ihr das Unterfangen gelingt und ob sie sich den parasitären Kotzbrocken Luc doch noch vom Hals schafft, soll hier natürlich nicht gespoilert werden.

Eine erfrischende politische Unkorrektheit

Eine Frau und eine Tankstelle vor über 30 Jahren – auf eine solche Story muss man erst mal kommen. Der Hintergrund ist rasch geklärt: Margrit Schriber hatte selber zu jener Zeit eine Tankstelle und liess eine grosse Autowaschstrasse bauen. Insofern sind ihre eigenen Erfahrungen in die Geschichte geflossen (siehe Box), was auch deren Authentizität bis hin zu technischen Details erklärt. Und gerade weil das Setting der Tankstelle sowie die objektiven Ereignisse wenig spektakulär und sehr mikrokosmisch wirken, kommt die Vielschichtigkeit von Pias Alltag zur Geltung.

Auch hat die Schilderung der weiblichen Hauptfigur mit ihren Schwächen eine erfrischende po­li­tische Unkorrektheit, die noch getoppt wird von Freundin Luisa. Diese entspricht nicht nur dem Klischee weiblicher Affektiertheit, sondern hält, wie Pia auch, konsequent an einer absurden Beziehung fest. In ihrem Fall ist es ein verheirateter ältlicher Galan, der ihr halt materiell viel bieten kann. Aber keine Sorge, die Männer kommen auch nicht besser weg mit ihren oft kindlich-egozentrischen Handeln.

So bietet die Geschichte neben einem Bild der damaligen Gesellschaft auch viel Humor, den Margrit Schriber in ihrer bekannt präzisen Sprache bestens rüberbringt. Und obwohl die welterschütternden Dramen fehlen, was in der Anlage des Romans absolut stimmig ist, gibt es auch berührende Momente. Gerade durch die Protagonistin Pia, mit der man sich als Leserin und sogar als Leser bestens versteht.

Margrit Schriber: Glänzende Aussichten. Nagel & Kimche. 174 S., Fr. 29.-.

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