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ROMAN: Abschied ohne Heulen und Zähneknirschen

Die Scheidung scheint nur noch eine Formsache zu sein – doch auf einer Reise nach Griechenland wendet sich die Sache zur Tragödie. Die Amerikanerin Katie Kitamura lässt im Roman «Trennung» eine Frau kühl und analytisch auf ihre Ehe blicken.

Kühl wie ein Eiswürfel: So wirkt diese Frau in den Dreissigern, von Beruf Übersetzerin, die in Katie Kitamuras Roman «Trennung» eigens nach Griechenland reist, um ihrem Mann Christopher die Scheidung vorzuschlagen. Sie weiss zunächst nicht einmal, dass er London verlassen hat, und erklärt dies kurzerhand mit der Behauptung, er habe dort für ein geplantes Buch über Trauerrituale recherchieren wollen. Nach etlichen Seitensprüngen seinerseits wohnen die beiden seit einem halben Jahr nicht mehr zusammen; Eltern und Freunde haben sie allerdings noch nicht darüber informiert. Weswegen sich Christophers Mutter an die ungeliebte Schwiegertochter wendet, als er tagelang auf Anrufe und SMS nicht antwortet. Höchste Zeit, die Beziehung zu klären und Fakten zu schaffen: vermeintlich eine Formsache.

Schleichende Trennung und die Kunst des Trauerns

Doch die Dinge entwickeln sich anders und münden in eine Tragödie. Dafür ist der karge Süden Griechenlands ein absichtsvoll gewählter Schauplatz. Wie überhaupt Katie Kitamura in ihrem dritten Roman, dem ersten in deutscher Übersetzung, wenig dem Zufall überlässt. Dass Christopher vermeintlich Interviews mit Klageweibern führen wollte, fügt sich unübersehbar ein in den motivischen Bauplan des Romans, der von Anfang an einen starken Sog entwickelt. Der 1979 in Kalifornien geborenen Autorin geht es um schleichende und jähe Trennung und um die Kunst des Trauerns; um Liebe, Tod und Täuschung, auch um den komplizierten Umgang mit den Schwiegereltern. Der innere Höhepunkt ist keineswegs erst dann erreicht, als der verschwundene Noch-Ehemann gefunden wird. Sondern wesentlich früher, auf einer Autofahrt ins steinige Hinterland. Es kommt dabei zu einer Begegnung mit der Grosstante des angeheuerten Fahrers: einer jener Frauen, die stellvertretend für die Trauergemeinde an Beerdigungen schmerzvoll weinen und wehklagen. Am Tisch ihrer ärmlichen Küche, nach einer Tasse Nescafé, wird sie es vorführen: Welch ein Kontrast zum vernünftig analytischen Umgang der Ich-Erzählerin mit dem Verlust, dem Scheitern ihrer Ehe! Auch zu den dramatischen Geschehnissen – auf die Kitamura mit subtiler Spannung hinarbeitet – bleibt diese auf äusserster Distanz. Sie blickt auf die eigenen Gefühle und die vermuteten Beweggründe für diese Reise wie eine Fremde, eine Voyeurin oder Privatdetektivin. Das zeugt von einer Déformation professionnelle. «Es heisst oft, gelungen sei eine Übersetzung dann, wenn sie nicht als solche zu erkennen sei», lässt Kitamura die Erzählerin kurz nach der Ankunft in Griechenland sinnieren. «So als bestünde die wesentliche Aufgabe der Übersetzer darin, unsichtbar zu sein.» Das ist sie in der Tat. Bedauerlicherweise gilt das nicht für die Übersetzerin dieses klugen, motivisch dichten Romans, die sich stellenweise zu flapsig, andernorts holprig und umständlich als solche zu erkennen gibt.

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

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