Roh und locker

HÖRBAR ROCK

David Gadze
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Bild: David Gadze

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HÖRBAR ROCK

Pearl Jam haben es als einzige grosse Band der Grunge-Ära geschafft, ohne Schiffbruch ins Jahr 2013 zu segeln. Viele ihrer Mitstreiter sind inzwischen verschwunden, andere sind von den Toten auferstanden. Die Grunge-Veteranen stehen auch nach 23 Jahren so sicher und stolz auf den Beinen wie eh und je. Die Zeiten, als sich der Release einer neuen Platte der Gruppe aus Seattle wie ein Gewitter über der Musikszene entlud, sind zwar längst vorbei – zumindest was die Verkaufszahlen betrifft. Doch vor jedem neuen Album, das Pearl Jam veröffentlichen, liegt diese elektrisierende, knisternde Spannung in der Luft. So auch beim neuen Werk «Lightning Bolt». Musikalisch haben sie sich über all die Jahre emanzipiert und ihren eigenen Stil geschärft. Dieser hatte und hat mit dem «klassischen» Grunge – sofern man diesen überhaupt eingrenzen kann und will – nur wenig zu tun. So setzt «Lightning Bolt» die Serie der sehr guten vergangenen beiden Platten fort, auf denen Pearl Jam die Roheit der alten Tage konserviert haben, gleichzeitig aber eine neu gewonnene Lockerheit in die Musik einfliessen liessen. Die stilistische Breite, über die das Quintett nach mehr als 20 Jahren verfügt, ist verblüffend. Diese reicht von druckvollen Midtempo-Rocksongs über ein Punkrockbrett wie «Mind Your Manners» oder einen Kracher wie «Lightning Bolt» bis zum balladesken «Sirens» oder dem wunderbar entspannten Stück «Pendulum». Das zehnte Album von Pearl Jam knüpft damit an die Grosstaten aus den 1990er-Jahren an, ohne in einem einzigen Moment verstaubt zu klingen.

Pearl Jam: Lightning Bolt.

(Monkeywrench/Universal)

Musik wie Whisky

Motörhead sind wie ein guter rauchiger Whisky, der einem auch nach jahrelangem Trinken nicht verleidet: Man erwartet keine neuen Geschmacksfacetten, sondern geniesst vielmehr das Gefühl der Vertrautheit, das er einem mit jedem Schluck gibt. Auch auf dem 21. Album «Aftershock» geht der herbe Rock'n'Roll der Band um Sänger und Bassist Lemmy Kilmister runter wie Öl und hinterlässt dabei dieses angenehme, wohlbekannte Brennen im Körper. Die Tracks schmecken einfach erstklassig, allen voran «End Of Time» und «Queen Of The Damned», an denen man sich betrunken hören kann.

Motörhead: Aftershock (Warner)

Bild: David Gadze

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