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Robert Walser lehrt die Filmer sehen

Bis Ende August zeigt das Kinok mit einer Filmreihe von sieben Titeln, wie der Schweizer Schriftsteller Robert Walser in den vergangenen vier Jahrzehnten Filmemacher in der Schweiz und im Ausland inspiriert hat.
Beda Hanimann
Szene aus «Der Vormund und sein Dichter» von 1978. (Bild: pd)

Szene aus «Der Vormund und sein Dichter» von 1978. (Bild: pd)

Es ist Robert Walsers typische Mischung aus Ironie und Resignation. Im Oktober 1925 teilt er seiner Brieffreundin Therese Breitbach mit, «dass ich hier eine Zeit lang gar keinen dichterischen Stoff mehr hatte, da ich ja schon so viel geschrieben, Sie verstehen mich». Also rapportiert er Lektüreerlebnisse, Theater- und Kinobesuche – und das nicht nur im privaten Rahmen von Briefen, sondern auch in seinen zu Dutzenden entstehenden Kurzgeschichten.

Vom Rührstück zur Preziose

Das belegt, dass der Hinweis auf die Motivnot mehr war als Koketterie des alternden Autors. Es dokumentiert aber auch, dass bei einem wie ihm nicht die knackige Story zählte, sondern der schriftstellerische Zugang, die Sprache, die Umsetzung. Und so wurden im Nacherzählen unter seiner Feder auch aus billigen Kioskromanen und cineastisch dürftigen Rührstücken meisterliche Walser'sche Preziosen.

So hat sich Robert Walser (1878–1956), der in seiner Berliner Zeit nach 1900 die Frühzeit des Kinos miterlebt hatte und auch später in Biel und Bern ein häufiger Kinogänger war, mannigfach von Filmemachern inspirieren lassen. Dass er diesen dereinst wiederum reichlich Stoff liefern würde, hätte er wohl mit einem ironischen Spruch abgetan. Und dabei auf den Stockzähnen gelacht über das Interesse an einem Autor, der in seinen letzten Schaffensjahren von sämtlichen Verlagen links liegen gelassen wurde – bis zur Wiederentdeckung im Vorfeld seines hundertsten Geburtstages.

Unorthodoxie des Sehens

Damals, schreibt Reto Sorg, der Leiter des Robert-Walser-Zentrums in Bern, habe eine neue Generation von Filmemachern begonnen, sich mit Walser auseinanderzusetzen. «Was man bei Walser lernen konnte, war eine Unorthodoxie des Sehens. Dass Walser gerade dem Outsider, dem randständigen Beobachter eine derart radikale Subjektivität und subversive Ironie zugestand, faszinierte nachhaltig», so Sorg. Damals habe eine interdisziplinäre, vielfältige Rezeption begonnen, die bis heute ungebrochen anhalte und sich internationalisiert habe.

Als Beleg dafür zeigt das Kinok diesen Sommer eine in Kooperation mit dem Robert Walser-Zentrum entstandene Filmreihe. Die zwischen 1974 und 2013 in der Schweiz, aber auch in Deutschland, Grossbritannien und Japan realisierten Filme machen, so Sorg, «das Spektrum des filmästhetischen Umgangs mit Robert Walser von den Anfängen bis heute deutlich».

Von klassisch bis experimentell

Die Reihe spannt einen Bogen von der klassischen Literaturverfilmung (Thomas Koerfers «Der Gehülfe») über die experimentelle Roman-Adaption «Institute Benjamenta» nach «Jakob von Gunten» bis zur Fernseh-Dokumentation «Ich stehe immer noch vor der Tür des Lebens» und zum Filmexperiment «Robert Walser» von Hans Helmut Klaus Schoenherr. Dieses verweigert sich der Verwendung von Literatur ebenso wie der Darstellung der Biographie – und findet gerade darin den direkten Draht zu Walsers literarischer Haltung.

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