Robert und Marija Bokor und das Orchester Musikfreunde St.Gallen:
Vater und Tochter nostalgisch vereint

Marija Bokor überzeugte als Solistin mit Rachmaninows zweitem Klavierkonzert beim Winterkonzert der Musikfreunde in der Tonhalle St.Gallen.

Martin Preisser
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Robert und Marija Bokor: Der Dirigent und Geiger mit seiner Tochter, der Pianistin. Bild: Benjamin Manser

Robert und Marija Bokor: Der Dirigent und Geiger mit seiner Tochter, der Pianistin. Bild: Benjamin Manser

Das Orchester Musikfreunde St.Gallen hatte am Donnerstag zu seinem Winterkonzert geladen, in schöner Kombination des dirigierenden Vaters und der solistischen Tochter am Klavier. Marija Bokor überzeugte mit ihrer Sicht des 2. Klavierkonzerts von Rachmaninow. Besonders fiel ein bewusst weich-erdiger Ton auf, ein warmes Timbre. Die aus St.Gallen stammende Pianistin spielt deutlich verinnerlicht, nie nur virtuos glänzend. Plastisch hob sie die nostalgischen Melodietöne im zweiten Satz heraus. Das Konzert hatte Zug und war dennoch stets feinsinnig verträumt. Technisch war Marija Bokor dem Part auch in den schweren Passagen und bei allem Vollgriffigen souverän gewachsen. Sichtlich genoss sie das Spiel mit ihrem Vater. So gab es denn auch eine Zugabe zu zweit: Robert Bokor auf der Geige spielte mit seiner Tochter Rachmaninows «Vocalise».

Mit dem Programm hat Dirigent Robert Bokor für ein Laienorchester die Latte in romantischer Klanganforderung hoch gelegt. Die Begleitung des Rachmaninow-Konzerts geriet konzentriert. Zuvor hatte das Orchester aber erst spät in Liszts «Les Préludes» hineingefunden, mit Unsicherheiten im Zusammenspiel und Schwächen in der Intonation der Bläser. Das Stück zerfiel trotz schöner Details ein wenig. Robert Bokor gelang aber ein anstachelndes Schlussfinale dieser komplexen Programmmusik. Da liess sich das Orchester mitreissen.

SOMMERSERIE: «Loslassen schafft Nähe»

Robert und Marija Bokor aus St. Gallen, Vater und Tochter, begegnen sich in musikalischen Belangen auf Augenhöhe. Gerade den Freiraum in der Jugend, die Unabhängigkeit auf der Suche nach dem eigenen Weg schätzt Marija heute besonders hoch ein.
Martin Preisser