Risse in der Kinderseele

Lesbar Erziehung

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Michael Schulte-Markwort:

Kindersorgen. Was unsere Kinder belastet und wie wir ihnen helfen können. Droemer, 362 S., Fr. 29.–

Wer seinen Kindern eine unbeschwerte Kindheit wünscht, liest ihnen gern die Klassiker von Astrid Lindgren vor und malt sich aus, sie könnten so naturnah und harmonisch aufwachsen wie in Bullerbü, so wild und energie­geladen wie Pippi Langstrumpf. Schön und gut, findet der Hamburger Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort, aber es gibt auch Kinder, die traurig sind, Ängste und Sorgen haben. Und denen wenig geholfen ist, wenn ihr Leiden aus Erwachsenenperspektive klein und nichtig erscheint. In «Kindersorgen» beschreibt er die häufigsten Krankheitsbilder und «Störungen», mit denen er in seiner Sprechstunde konfrontiert ist, und hilft Eltern, sie besser zu verstehen: indem er die Sichtweise der Kinder einnimmt.

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Gerlinde Unverzagt: Generation ziemlich beste Freunde. Warum es heute so schwierig ist, die erwachsenen Kinder loszulassen. Beltz, 256 S., Fr. 24.–

Lebenslang an der digitalen Nabelschnur

Noch nie waren sich Eltern und Kinder emotional so nahe wie heute: eine Errungenschaft der antiautoritären, verständnisvoll-einfühlsamen Erziehung. Hinzu kommt, dass das Wunschkind zum Normalfall geworden ist, kinderreiche Familien eher die Ausnahme sind – und dass sich das Erwachsenwerden zu einem immer längeren Lebensabschnitt ausdehnt. Nach dem wir selbstverständlich jung bleiben und uns immer noch jung fühlen wollen. Gerlinde Unverzagt, bekannt als Sachbuchautorin, die bei Erziehungs- und Partnerschaftsthemen gern genau hinschaut und nicht lange um den heissen Brei herumredet, widmet sich in ihrem neuen Buch dem «leeren Nest». Warum klammern Eltern heute so heftig an ihren erwachsenen Kindern? Welche Rolle spielen die neuen Kommunikationsmittel wie Skype, SMS und Whatsapp, welche die Werbung, der Wohnungsmarkt, die Zahl alleinerziehender Eltern? Ein weites Feld und eine höchst erhellende Lektüre für selbstkritische Erwachsene auf beiden Seiten. Zu Wort kommt nämlich auch Unverzagts Tochter Marie. Sie hat sich mehr Freiheit und Selbständigkeit während eines Auslandsjahrs in Neuseeland erkämpft. Und musste sie, wieder zurück zu Hause, hart verteidigen.

Bettina Kugler