Richard Wagner ruhig und schwerelos

Das Verdi-Wagner-Projekt im Rahmen der St. Galler Festspiele zeigte die beiden grossen Operngenies von einer intimen Seite.

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Maria Riccarda Wesseling (Bild: pd)

Maria Riccarda Wesseling (Bild: pd)

Zugaben in klassischen Konzerten klingen nicht selten entspannter als das eigentliche Programm. Eher ungewöhnlich, dafür aber sympathisch ist es, wenn eine Künstlerin ein Dacapo singt und es mit dem Satz ankündigt: «Das können wir noch ein bisschen besser machen.» Aber auch beim ersten Mal klang «Der Engel» als erstes der fünf Wesendonck-Lieder von Wagner in der Interpretation von Maria Riccarda Wesseling schon überzeugend, als Zugabe aber tatsächlich noch einen Schuss runder. Die Mezzosopranistin traf bei Wagner die ruhige, schwerelose Seite dieser Musik. Und fand vor allem eine genaue Balance zwischen echtem romantischem Kunstlied und ganz subtil angedeuteter Opernkraft.

In «Stehe still!» gelangen Wesseling intensive Spannungsbögen, im «Treibhaus» gestaltete sie eine höchst schwebend aufgeladene Stimmung – die Zeit bleibt stehen und macht Vorahnung auf «Tristan und Isolde». Die Festspiele haben löblicherweise nicht einfach den Flügel in St. Laurenzen benutzt, sondern eine höchst überzeugende Bearbeitung der Wesendonck-Lieder für je fünf Streicher und Bläser (von Andreas Tarkmann) programmiert. Die zehn Musizierenden schufen denn auch einen stets runden, atmosphärisch genauen Klangteppich für die Kunst der Solistin.

Vorher Verdis Streichquartett mit dem sehr engagiert auftretenden Amar Quartett. Mit Verve das erregte Grundmotiv des ersten, fein ausgespielt zarte Melancholie im zweiten, Cello-Belcanto im dritten und sodann frisch und dicht verwobenes Fugato im Finale: Verdi im «Kleinen» und vom Feinsten: Die Amars liessen diese intime Musik wirklich leuchten.

Martin Preisser