Reportagefotografie und Welten aus Plastilin

Neben der bildenden Kunst haben die Schweizer Museen im Jahr 2015 besonders im Bereich der dokumentarischen Fotografie Herausragendes zu bieten: Gespannt darf man auf das Langzeitprojekt «Vor, neben und nach dem Krieg» von Meinrad Schade sein.

Christina Genova
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Neben der bildenden Kunst haben die Schweizer Museen im Jahr 2015 besonders im Bereich der dokumentarischen Fotografie Herausragendes zu bieten: Gespannt darf man auf das Langzeitprojekt «Vor, neben und nach dem Krieg» von Meinrad Schade sein. In der Fotostiftung Schweiz in Winterthur zeigt er ab Anfang März Bilder, die in den letzten zehn Jahren auf Reisen durch Osteuropa entstanden sind. Ihn treibt die Frage um, weshalb es im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion immer wieder zu gewaltsamen Konflikten kommt und welche Spuren dies bei den Menschen hinterlässt. Gleichzeitig stellt das Fotomuseum Winterthur mit Paul Strand (1890 – 1976) einen der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts aus. In der Retrospektive werden zum ersten Mal nicht nur seine Fotos, sondern auch seine Filme zusammengebracht.

Mit Steve McCurry zeigt das Zürcher Museum für Gestaltung ab September einen der einflussreichsten Reportagefotografen der Gegenwart. Berühmtheit erlangte der Amerikaner 1979, als er als Mudschahed getarnt die ersten Fotografien aus dem besetzten Afghanistan schmuggelte. Sein farbgewaltiger Bilderkosmos erzählt von verschwindenden Kulturen und den Folgen der Globalisierung. Schliesslich ist die Ausstellung «Welt in Farbe» zu erwähnen, die ab Mai im Zürcher Museum Rietberg zu sehen ist. Dort wird eine Auswahl von Farbfotografien präsentiert, die vor hundert Jahren im Auftrag des Philanthropen Albert Kahn entstanden sind. Er schickte Fotografen rund um die Welt, um Menschen und Monumente zu dokumentieren. Die Bilder gelten heute als Meilensteine der Fotografiegeschichte.

Design verändert Politik

Im Bereich der angewandten Kunst verspricht die Ausstellung «Making Africa» über zeitgenössisches afrikanisches Design den Horizont zu erweitern. Von März bis September soll im Vitra Design Museum bei Basel anhand vielfältiger Beispiele gezeigt werden, wie Design den ökonomischen und politischen Wandel auf dem Kontinent begleitet – oder sogar fördert. Hier abgebildet ist ein «Thron» des Mosambikaners Gonçalo Mabunda, den er aus Waffen gebaut hat, die dort am Ende des Bürgerkriegs von 1992 eingesammelt wurden.

«Swiss Style – internationale Grafik», eine Ausstellung, die ab Mitte April im Zürcher Museum für Gestaltung zu sehen ist, ist für alle jene ein Muss, die sich für sachlich-schlichtes Grafikdesign interessieren. Bereits in den 1960er-Jahren begründeten Pioniere wie Josef Müller-Brockmann, Karl Gerster oder Armin Hofmann eine reduzierte Gestaltung, die unter dem Namen «Swiss Style» zur richtungsweisenden Bewegung wurde und international Erfolg hatte.

Frank Zappa mag Knete

Wer hat als Kind nicht gerne mit Knetmasse gespielt? Wer sich näher mit diesem vielseitigen Material auseinandersetzen möchte, muss Ende Jahr im Gewerbemuseum Winterthur die Ausstellung «Plot in Plastilin» besuchen. Gezeigt wird zum Beispiel, wie Plastilin in Animationsfilmen wie Wallace & Gromit zur Anwendung kommt, aber auch in Musikvideos von Frank Zappa oder Peter Gabriel oder in der zeitgenössischen Kunst Verwendung findet. Ausserdem erfährt man, wie Plastilin hergestellt wird.