Renitent, nicht opportunistisch

Die 1948 geborene Avantgarde-Tänzerin und Choreographin Nelly Bütikofer sagt, der Dada-Hype sei zu sehr Programm und zu wenig Renitenz.

Brigitte Schmid-Gugler
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Die Tänzerin und Choreographin Nelly Bütikofer während der Probe. (Bild: Urs Jaudas)

Die Tänzerin und Choreographin Nelly Bütikofer während der Probe. (Bild: Urs Jaudas)

Sophie Taeuber-Arp, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl und aktuell Kurt Schwitters: So die Liste von Namen, mit denen Nelly Bütikofer ihre Produktionen unterfüttert. «Mit den Ausdrucksformen des Dadaismus beschäftigte ich mich schon vor zwanzig Jahren intensiv», sagt die Choreographin.

Das Sperrige suchen

Dadaismus als Ausdruck ihres rebellischen und eigenwilligen Schaffens, war immer da – obwohl, wie sie betont, «der Dadaismus eine von Männern geprägte Bewegung» gewesen sei. Auch Sophie Taeuber-Arp sei immer im Schatten ihres Mannes gestanden, selbst dann, wenn sie im Cabaret Voltaire als Tänzerin aufgetreten sei. «Man sagt ja, ihr Werk sei eine choreographische Partitur.» Sie habe der Pionierin der Konkreten Kunst und des Dadaismus eine Produktion gewidmet, als ihre Werke 2002 im Arp-Museum zu sehen gewesen waren. «Aus dem damaligen theatralen Riesending mit Texten von Schwitters und Arp habe sich seither eine reduzierte szenische Form entwickelt, schildert Bütikofer. Die Performance «Sophie träumte und tanzte» kam seither im Zusammenhang mit Ausstellungen der Textilkünstlerin, Architektin und Modeschöpferin Taeuber-Arp an zahlreichen Orten zur Aufführung. Doch sie habe Kategorisierungen im Sinne des «Sich vereinnahmen Lassen» von einer bestimmten Bewegung immer gescheut, relativiert die Gründerin des Fasson Theaters. Sie nimmt sich gerne das Sperrige vor. Nicht anders ist es bei der Kurt Schwitters-Aktion, welche sie momentan einstudiert. «Sie soll oszillieren zwischen Theater, Ausstellung und Konzert.» Schwitters Ursonate zählt zu den radikalen Werken des Dadaismus. Bütikofer wird sie mit dem verkleinerten «Taeuber-Team» und der Sängerin Stefanie Grubenmann realisieren.

Selber denken

Nelly Bütikofer schmunzelt ein bisschen über den momentanen Dada-Hype und sagt, wenn man den dadaistischen Geist wirklich freilassen wollte, dann dürften sich Kunstschaffende nicht in ein Programm einbinden lassen. «Vielmehr müssten sie – renitent und nicht opportunistisch – sagen: <Wir machen das, was wir wollen>.>»

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