Rendez-vous zum Tanz auf dem Wasser

ST. GALLEN. Wie viel schöner klingt «Ondulation», gemessen an der technischen Erklärung des Vorgangs: jener «Ganzkörperwellenbewegung», die sich das Publikum der vierten «épisodes culturels» am Sonntagabend – diesmal im sogenannten «Nassbereich» des St.

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ST. GALLEN. Wie viel schöner klingt «Ondulation», gemessen an der technischen Erklärung des Vorgangs: jener «Ganzkörperwellenbewegung», die sich das Publikum der vierten «épisodes culturels» am Sonntagabend – diesmal im sogenannten «Nassbereich» des St. Galler Volksbades – zunächst einmal auf dem Trockenen vorstellen darf. Schauspieler Luzian Hirzel nähert sich im ersten Teil des Abends vorsichtig vom Beckenrand her dem Element der Taucher, als lauere eine Nixe in den Tiefen des sanft beleuchteten Bades. Bloss nicht zu romantisch draufglotzen, wie Brecht sagen würde; am Ende wird er noch das Wort haben. Stattdessen geht Hirzel die Schwimmstile durch, in nüchternster Prosa: Tempo, Bewegung, Kalorienverbrauch. Umgerechnet in Burger!

Hallraum Hallenbad

Ganz anders der Sound-Performer Marc Jenny, der mit Gläsern und Wasser plätschernde, tröpfelnde Sounds erzeugt. Sie wecken die Lust, nass zu werden, ebenso wie die Seta- und Baglama-Klänge des iranischen Musikers Ruholla Moradi.

Doch zum poetischsten Teil des Programms müssen sich die beiden Tänzer Vanessa Cook und Tobias Spori erst noch verabreden: Schriftlich gehen die Botschaften hin und her zwischen den beiden Kabinenfronten, Tür auf, Tür zu. Tobias Spori taucht ein paarmal ein, probeweise; Luzian Hirzel lässt irgendwann die trockene Theorie und springt ins Wasser. Wo es sich gut melancholische Lieder von Sophie Hunger singen lässt, in triefend nassen Kleidern.

Auf Wellen schaukelnd

Dann ist erst einmal Pause, Zeit, an die frische Luft zu gehen – für alle, die bei 29 Grad Temperatur ins Schwitzen gekommen sind. Wie wird es erst den Tänzern in den riesigen transparenten Wasserbällen gegangen sein, in denen sie aufs Wasser rollen, um dann die Balance zu finden, sich aufzurichten, aufeinander zu, auf Wellen schaukelnd. «Ondulation», künstlerisch potenziert: ein Kraftakt, der zart und zerbrechlich wirkt; unberechenbar vom Wasser getragen. (bk.)

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