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Reiz der Andeutung

Plastilinschachteln symbolisieren Spielarten von Sex. Liebe ist in Holzkapseln eingelassen. Zeichnungen weisen auch auf Verletzlichkeit von Gefühlen hin: Mit «air plaine love» gelingt Alessandra Beltrame eine vielschichtige Gefühlsinstallation.
Martin Preisser
Alessandra Beltrame: Ihre Flugzeuge «fliegen, wohin immer sie wollen». «In die Luft, über die weite Ebene oder mitten hinein in die Liebe», wie die Künstlerin selbst die «Reiseziele» anbietet. (Bild: Coralie Wenger)

Alessandra Beltrame: Ihre Flugzeuge «fliegen, wohin immer sie wollen». «In die Luft, über die weite Ebene oder mitten hinein in die Liebe», wie die Künstlerin selbst die «Reiseziele» anbietet. (Bild: Coralie Wenger)

Die Galerie vor der Klostermauer ist mit ihrer intimen Zweistöckigkeit idealer Platz für Alessandra Beltrames Gefühlskosmos. Air – Plaine – Love, Luft, Ebene und Liebe: Die Arbeiten der St. Galler Künstlerin kommen fein, zurückhaltend, fast in verspielter Manier daher und zeigen das Thema nie direkt, sondern andeutungsweise und mit Geheimnis und Zauber aufgeladen. «Mich verzaubert der Moment, der etwas erahnen lässt», sagt Alessandra Beltrame. Und der Kern ihrer Arbeiten bleibe weich, gesteht sie.

Eingefasste Gefühle

Zuerst einmal aber «fällt» man in diese Ausstellung, muss einen goldenen Laufsteg betreten. Mit Gold ist die Notfallfolie beschichtet. Und wohin fällt man, wenn man fällt oder der Fall eintritt und sich ereignet? Jedenfalls muss man sich jetzt anders umschauen als vielleicht gewöhnlich. An der Wand hängen und aus ihr ragen Alessandra Beltrames «Liebeskapseln». In Weiss pigmentierten Kastanienholzbehältnissen ist jedenfalls ein Geheimnis verborgen.

Nie zeigt Beltrame das Ganze, und in den Gefässen, die auch Urnen der Liebe sein könnten, überraschen abstrakte, manchmal verschlungene oder scherenschnittartige Bildausschnitte in Gouache und Kohle.

Die «Liebeskapseln» stehen beispielhaft für Alessandra Beltrames Kunst. Sie nähere sich sehr nahe und intensiv dem Thema, um sich danach jeweils wieder zu entfernen, erklärt Beltrame ihren Ansatz, «so weit, bis ich die abstrakte Form gefunden habe, die alles vereinigt».

Das zeitigt Arbeiten, die mit viel Emotion, mit viel Reflexion aufgeladen sind, die anziehen und ihrerseits Reflexionsprozesse auslösen können. Etwa «über den Moment, der alles verändern kann, und die Liebe, die das ebenfalls kann», wie die Künstlerin die Idee der Gestaltung des Erdgeschosses festlegt.

Zerbrechlich statt reissfest oder in Holz geborgen zeigt sich der obere Stock, der «gesellschaftliche Themen und Momente der Entspannung des Seins zusammenfügen will».

Und wiederum herrscht der Reiz der Andeutung, der Einladung hinter Abstraktem Vielschichtiges zu erahnen. Zerbrechlich ist das Plastilin, mit dem Alessandra Beltrame eine kleine Sex-Installation angefertigt hat. Ganz in Gelb und die jeweiligen Vereinigungen in kleinen Schächtelchen angezeigt, wobei manche der Formen, die an Metallbügeln aus der Wand ragen, plötzlich an Videokameras erinnern. Das Begegnen der Geschlechter kann lustvoll, aber auch gefährlich, verboten oder voyeuristisch sein.

Brüchigkeit und neue Horizonte

Das Hauptaugenmerk richtet sich von dort auf die gegenüberliegende Wand, wo sich Alessandra Beltrame in Zeichnungen auslebt. «Hier hängt mein Herz und es schlägt laut», sagt sie zu diesen Arbeiten. Die rund sechzig Blätter, zeigen deutlich weibliche Befindlichkeit, deuten stark die Verletzlichkeit und Brüchigkeit von Gefühlen und Sein an.

Wild geht es zu in manchen der Bilder, die «Der kaputte Stuhl» heissen oder Käfige zeigen, die zusätzlich von einem Goldrand eingefasst sind. Hier lauern Geheimnis und Zerbrechlichkeit, die mit starker, aber schnell hingeworfener Symbolik umkreist werden.

An der gelben Türklinke, die Privates symbolisiert, aber auch an eine Waffe erinnert, sollte man danach ebenso wenig achtlos vorbeigehen wie an den «Zeilen», die man mitnehmen darf, oder an den fast versteckt installierten

Flugzeugen, Symbole für die Möglichkeit sich auf die Suche nach neuen Seinsebenen zu machen.

Bis 14.2.: Galerie vor der Klostermauer (Zeughausgasse 8, St. Gallen). Do + Fr: 18–20; Sa 11–15; So 10–12 Uhr. Apéros: 31.1. und 14.2., jeweils 10–12 Uhr.

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