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REISEBUCH: Zwischen Rio und Ostfriesland

Daheim ist er auf der ganzen Welt: Helge Timmerberg, Wahl-St.-Galler Journalist und Schriftsteller, hat ein neues Buch geschrieben. In 21 «Geschichten von unterwegs» erkundet er das Leben und die Liebe in allen Facetten.
Julia Nehmiz
Kraftvoller Erzähler mit Humor: Helge Timmerberg. (Bild: Michel Canonica (22. April 2016))

Kraftvoller Erzähler mit Humor: Helge Timmerberg. (Bild: Michel Canonica (22. April 2016))

Julia Nehmiz

Hamburg, Berlin, Kiel, Rendsburg, und wieder Hamburg, in einer Woche – Helge Timmerberg ist ein bisschen müde. Nicht von den allabendlichen Lesungen, «die sind nicht anstrengend, die sind super». Sondern vom täglichen Reisen. Es mutet seltsam an: Der Reiseschriftsteller findet Reisen anstrengend. Aber im Moment ist es kein freies Unterwegssein, Timmerberg muss von einer Stadt in die nächste, von einem Hotel zum andern, zum Restaurant, zum Zug, «es muss alles klappen», sagt Timmerberg. Er sitzt in Hamburg vor einer Kneipe, zieht an seiner Zigarette, und nimmt sich zwischen Kaffee, Abendessen und Lesung Zeit für ein Telefoninterview.

Philosophisch, brutal und komisch zugleich

Vor zwei Wochen erschien sein neues Buch, «Die Strassen der Lebenden», und Timmerberg stellt es nun vor. Gut 20 Lesungen absolviert er bis kommenden Frühling, eine einzige davon in der Ostschweiz, seiner Wahlheimat. Seit 14 Jahren lebt Timmerberg in St. Gallen, grosse Teile seines neuen Buches hat er hier geschrieben. Ein bisschen vermisst er St. Gallen, «dort ist alles so ruhig und märchenhaft und weg vom Bösen». Norddeutschland sei schon im Sommer nicht seine Lieblingsgegend, und jetzt im Herbst pfeife einem dort nur Wind um die Ohren. Doch die Norddeutschen mögen Helge Timmerberg. Die Lesungen sind voll, sein neues Buch kommt an.

«Die Strassen der Lebenden» ist eine Geschichtensammlung, «Storys von unterwegs» lautet der Untertitel. 21 Reportagen und Kurzgeschichten hat Timmerberg zusammengestellt, aus Sizilien und der Steiermark, aus Bosnien und Barcelona, Ostfriesland und Marokko, Rio oder Rom. Die Hälfte der Geschichten hat er neu geschrieben, die anderen sind bereits erschienen, in der NZZ, in der «Süddeutschen Zeitung», im «Stern», «Spiegel» oder «Playboy», manche in den 1990er-Jahren. Timmerberg hat einige für das Buch nochmals überarbeitet. Und sie lesen sich nicht wie aus dem letzten Jahrhundert, sondern kraftvoll, poetisch, manchmal schreiend komisch, dann wieder schonungslos offen, und vor allem: zeitlos. Seine «Storys von unterwegs» sind nachdenklicher, weniger wild, weniger exotisch als auch schon. Doch Timmerberg ist ein begnadeter Erzähler, sogar die Geschichte über den Streit mit seiner Freundin in Palermo ist bei ihm Lesegenuss. In «Guter Wolf – böser Wolf» erzählt er erbarmungslos ehrlich von guten Begegnungen bei der Reifenpanne und im Restaurant, in miesen Hotelzimmern, von Eifersucht, Missgunst, betrunkenem Streit, der im Drama endet und der Versöhnung. Und was bei anderen banale Alltagsbegebenheiten wären, ist bei Timmerberg eine grosse Geschichte über Liebe und Hass, Werden und Vergehen, Kämpfen und Verzeihen, über das Leben, philosophisch, brutal und komisch zugleich.

Vielleicht erlebt Timmerberg beim Reisen einfach mehr als «Normalos»? Nein, sagt er. «Das ist nur mein Können und mein Talent, dass ich darüber schreiben kann.» Oft kämen Leser zu ihm und sagten, es sei, als ob Timmerberg in ihrem Kopf gesessen und ihre Gedanken beim Reisen aufgeschrieben hätte. «Viele sagen, ich denke ganz genau so, aber ich kann es nicht ausdrücken.» Timmerberg kann.

Die Suche nach dem Wandermönch

Im Moment arbeitet er bereits am nächsten Buch. Er war in Indien und Nepal, auf der Suche nach einem Wandermönch, zwar nur zwei Wochen, aber die waren so dicht, dass er schon ein ganzes Kapitel benötigte, um den ersten halben Tag der Reise literarisch zu verarbeiten.

Vielleicht reist er nach dem nächsten Lesungsblock wieder nach Nepal, nach Indien, um den Wandermönch Kashinath doch noch zu finden. Der hatte ihm auf seiner ersten Nepal-Reise vor sechzehn Jahren ein Mantra gegen die Angst mitgegeben. Timmerberg verarbeitete diese Begegnung in seinem letzten Buch «Die rote Olivetti». Bei den Lesungen merkte er, dass sie noch nicht zu Ende erzählt ist, dass sie eigentlich der Anfang einer neuen Geschichte ist. Vielleicht wird er sie bald erzählen.

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