Reis statt Kekse fressen

Die MDFA Union kochte in der Kunsthalle. Mit Barbara Signer und Beni Bischof standen am Donnerstag zwei Vertreter der St. Galler Künstlergruppe für «Kunst am Mittag» am Herd.

Kristin Schmidt
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Kunsthalle-Köche: Beni Bischof und Barbara Signer macht es Spass. (Bild: Reto Martin)

Kunsthalle-Köche: Beni Bischof und Barbara Signer macht es Spass. (Bild: Reto Martin)

Farbe muss auf den Tisch. Eine gefühlte Stunde lang wäscht Beni Bischof Salatblatt um Salatblatt, in rot, hellgrün, dunkelgrün oder weiss geädert. Derweil rührt Barbara Signer im grossen Topf. Gelb ist er vom Curry. Ebenfalls gelb: die Ananasstücke. Rot: die Herzkirschen, bunt: die Picknickeier in den Körbchen. Das Thema der Köche ist nicht nur das Bunte, es ist auch das Schweizerische und seine Unterwanderung, das Bünzlige und das andere, das Gewohnte und das Unvorhergesehene – all das

eben, was Bischof in seiner aktuellen Ausstellung «Dumm schauen und Kekse fressen» in der Kunsthalle zu einem wilden, wüsten, witzigen Bild fügt.

Vier ist besser als einer

Riz Kasimir ist der speiseplangerechte Inbegriff all dieser Kontraste, erst recht, wenn es ein Betty-Bossi-Rezept ist, wie es Barbara Signer für das «Kunst am Mittag»-Menu in der Kunsthalle herausgesucht hat. Die Künstlerin unterstützt Beni Bischof nicht ganz zufällig beim Kochen. Denn wenn etwas Besonderes zu tun ist, tritt die MDFA Union an.

Der Gedanke schwelte schon länger in den Künstlerhirnen von Barbara Signer, Beni Bischof, Georg Gatsas und Michael Bodenmann: Wir schliessen uns zusammen, denn zu viert lässt sich vieles besser und mit mehr Spass organisieren. Ein erster Anlass tat sich wie von selbst auf mit der Party zum Kunsthallen-Jubiläum letzten Mai. Schon da zeigte sich der Vorteil einer kleinen Gruppe, die in sich gut funktioniert, sich aber keinen starren Regeln, Manifesten oder Satzungen verpflichtet fühlen muss: Aus der MDFA Union wurde aus Versehen die DMFA Union.

So kursieren nun zwei Namensversionen, was aber niemanden stört, schon gar nicht die vier Künstler. Waren sie bei der Sommer- und Abschiedsparty der Kunsthalle Zürich die MDFA Union, steht aktuell wieder das D zuerst.

Zwanglose Gemeinschaft

Anlässe wie jene in St. Gallen und Zürich sind das eigentliche Metier der Union. Sie organisieren die DJs und die Technik, fungieren als Netzwerk und Ansprechpartner. Ein Team für spezielle Aufgaben also, vom Kochtopf bis zum Plattenteller.

Sie arbeiten nicht als Künstlerkollektiv, sondern eher als Ideenzelle innerhalb der Kulturszene. Es gibt denn auch keine regelmässigen Treffen mit Präsenzpflicht, sondern die Freiheit einer zwanglosen Gemeinschaft. Wenn man sich trifft, dann meist in Waldstatt, dem Wohnort von Georg Gatsas und Michael Bodenmann. Barbara Signer pendelt zwischen St.

Gallen und Zürich, nur Beni Bischof lebt hier in der Stadt, die dennoch das eigentliche Zentrum der MDFA Union ist – und bald wieder Schauplatz einer Aktion werden wird. Oder gibt es zuerst die geplante Publikation, gemeinsam mit einer Ausstellung in Zürich? Viel ist noch nicht zu erfahren, Andeutungen sind gemacht, Spekulationen möglich.

Ein bisschen ist es wie mit dem Namen: Er startete als Multi DisFunktionale Attitude, verwandelte sich in Meins Deins Für Alle und kumuliert vielleicht noch in einem Munteren Diabolisch-Fanatischen Aufschrei? Modifizierbar Direkt Fährt Alles.