Regisseur Milo Rau erhält Preis für Europadialog

KONSTANZ. Im historischen Konzilgebäude hat Regisseur Milo Rau am Donnerstagabend den ersten Konstanzer Konzilspreis entgegengenommen. Vor rund 400 Gästen überreichte ihm der Schweizer Autor Adolf Muschg die bunt geflochtene Schärpe als Auszeichnung.

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Milo Rau Regisseur (Bild: Urs Jaudas)

Milo Rau Regisseur (Bild: Urs Jaudas)

KONSTANZ. Im historischen Konzilgebäude hat Regisseur Milo Rau am Donnerstagabend den ersten Konstanzer Konzilspreis entgegengenommen. Vor rund 400 Gästen überreichte ihm der Schweizer Autor Adolf Muschg die bunt geflochtene Schärpe als Auszeichnung. Als Pate hatte Muschg den jungen Regisseur und Theaterautor vorgeschlagen und hielt auch die Laudatio auf den Schweizer.

Preis für europäischen Dialog

Mit dem Konstanzer Konzilspreis zeichnet die Stadt Konstanz Personen, Institutionen oder Initiativen aus, die sich in besonderer Weise für ein Europa der Begegnung einsetzen und einen Beitrag zur Diskussion von Zukunftsfragen von Europa leisten. Der «Preis für europäische Begegnungen und Dialog» wird alle zwei Jahre verliehen. Milo Rau ist der erste Preisträger. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert. «Sie sollen weitere Impulse für Europa ermöglichen», regte der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt an.

«Chronist der Gegenwart»

«Milo Rau sieht den Haken, wenn etwas abgehakt ist und zieht es wieder ans Licht», beschrieb Muschg dessen Arbeit. Wie Ulrich Richental Chronist des Konzils vor 600 Jahren war, so sei Rau Chronist der Gegenwart. Mit seinen Werken sorgt Milo Rau europaweit für Aufsehen. In seinen Reinszenierungen lässt er blutige, politische Konflikte wie den Amoklauf auf der norwegischen Insel Utoya durch den Täter Anders Breivik nacherzählen. «Raus Spiele sind Operationen am offenen Herzen», findet Muschg. Sie führten vor, dass das Herz eine Mördergrube sein könne, aber ebenso gut die Liebe kennt «und das oft im gleichen Herzschlag». Milo Rau ziehe die historischen Personen aus der Geschichte in die Gegenwart. «Niemand will es gewesen sein», sagte Muschg über die grausamen Taten. «Aber einer war es doch.»

Reale Akteure treten auf

Schon der Name seiner Produktionsfirma «International Institute of Political Murder» zeigt, dass Milo Rau historische und gesellschaftspolitische Konflikte ans Licht zerrt. Wie in seiner Inszenierung «Die Moskauer Prozesse», in der es um die Gerichtsverhandlung um dissidente Künstler geht, lässt er reale Akteure auftreten. Sein aktuelles Werk, die Europa-Trilogie «Civil Wars», beschäftigt sich unter anderem mit jungen europäischen Jihadisten.

Rau bewegt sich mit seinen Werken an den Grenzen Europas und darüber hinaus. «Wir sollten die brennenden Städte und Landstriche nicht vergessen», mahnt Rau in seiner Dankesrede: «Denn sie sind gemeint, wenn ich Europa sage.» Rau steht dem Konstrukt Europa kritisch gegenüber. Es sei ein rein ökonomisches Projekt, das es zu überdenken gelte, sagte er kürzlich im Interview. (jki)