«Regieführen fühlt sich ebenso schön an wie das Spielen selbst»: Regisseurin Seraina Kobelt ist zurück im Toggenburg

Die Regisseurin und Schauspielerin Seraina Kobelt inszeniert «Die Heiratsvermittlerinnen» am Chössitheater in Lichtensteig.

Rolf App
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Seraina Kobelt ist zurück im Toggenburg. Bild: Michel Canonica

Seraina Kobelt ist zurück im Toggenburg. Bild: Michel Canonica

Seraina Kobelt hat in Zürich gelebt und in Luzern, in München und Berlin, jetzt ist sie dorthin zurückgekehrt, woher sie stammt: ins Toggenburg, aufs Land. Nach Lichtensteig, wo sie mit Mann und knapp zweijährigem Kind lebt. Sie habe «den Stadtkoller» gehabt, erzählt sie, «ausserdem war mein Engagement in Berlin fertig. Heute weiss ich: Ich möchte nicht mehr in einer Stadt wohnen.»

So schliesst sich ein Kreis. Seraina Kobelt wächst in Wattwil auf, spürt früh diesen Hang zur Schauspielerei. Schwärmerisch verehrt sie einen Filmstar, und dann wird aus dem Mädchentraum Ernst. Sie zieht weg, nach München, an die Schauspielschule. Auch jetzt spürt man rasch die Anziehungskraft dieses Berufs, der «etwas Spirituelles, etwas Mystisches» hat, wie sie sagt:

«Ich befasse mich nicht nur mit einem Text. Sondern auch mit der Zeit, in der ein Stück spielt. Ich tauche ein in eine Figur und erwecke sie zum Leben.»

Als Schauspielerin steht Seraina Kobelt auch heute noch auf der Bühne, demnächst zum Beispiel mit dem «Theater 58» in «Jan der Idiot» von Silja Walter in der Lokremise St.Gallen. Doch sie hat frühzeitig nach ­anderen Standbeinen neben diesem recht unsicheren Hauptberuf gesucht, hat sich in der Theaterpädagogik weitergebildet und an Schulen gearbeitet. Und: Sie führt jetzt auch Regie. Was sich «ebenso schön anfühlt wie das Spielen selbst. Ich versenke mich nicht mehr in eine Rolle, sondern habe alle Fäden in der Hand.»

Wil statt New York

Das tut sie gerade unten am Bahnhof Lichtensteig, wo im Chössitheater die Vorbereitungen zu Thornton Wilders witzig-tiefgründigem Stück «Die Heiratsvermittlerin» laufen, das Seraina Kobelt für das Toggenburg sanft renoviert hat. Statt in New York und Yonkers spielt es in Wil und Lichtensteig. Spielen werden Laien, und das verändert die Arbeit der Regisseurin. «Laien wollen stärker mitreden», sagt sie, «für den professionellen Schauspieler dagegen ist die Rollenverteilung klar.»

«Die Heiratsvermittlerin»: 28.11.–1.12., Chössitheater Lichtensteig

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