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Rapperin Mavi Phoenix:
«Ich bin nur von Typen umgeben»

Die 23-Jährige Mavi Phoenix erlebt eine steile Karriere: Sie spielt Konzerte in Reykjavik, London, Paris oder Madrid. Im Interview spricht die österreichische Musikerin und Rapperin über Zukunftsängste, Hass im Netz und Sexismus im Musikbusiness.
Interview: Philipp Bürkler
Die Linzerin Mavi Phoenix hat die vergangenen zwei Jahre einen steilen Aufstieg im Musikbusiness erlebt. (Bild: Kyle Weeks)

Die Linzerin Mavi Phoenix hat die vergangenen zwei Jahre einen steilen Aufstieg im Musikbusiness erlebt. (Bild: Kyle Weeks)

Mavi Phoenix, im Musikbusiness werden Stars oft «kreiert». Wie fest können Sie sich selbst sein?

Ich habe das Glück, dass mein Management meine Freunde sind. Es sind viel eher die Medien, die einen so haben wollen, wie es ihnen passt. Es ist sehr unterschiedlich, welche Bilder von mir gezeigt werden. Oft suchen sie ein Foto danach aus, wie ich ihnen am besten gefalle.

Wie gehen Sie mit dem Medienhype um Ihre Person um?

Wenn die Berichte positiv sind, ist es schon ziemlich cool. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass man den eigenen Druck erhöht, wenn da über all steht «Pophoffnung aus Österreich»

Was sagt Ihr privates Umfeld oder ehemalige Schulfreunde über Ihren Erfolg?

Mit Schulkameraden habe ich gar nicht mehr so viel Kontakt. Auf der Österreich-Tour sagten mir einige, dass sie es schön finden, dass alles aufgegangen ist.

Sie haben mal einige Zeit Politologie studiert.

Ich war nur ein einziges Semester an der Uni. Und nicht mal da wirklich ordentlich.

Jedenfalls interessieren Sie sich für politische Zusammenhänge. Was denken Sie über den Zustand der Welt?

Ich denke mir jeweils, ich sollte weniger Nachrichten konsumieren. Jedenfalls habe ich zum ersten Mal in meinem Leben ein unsicheres Gefühl, wenn es um Politik und Weltgeschehen geht. Ich realisiere, dass sich die Gesellschaft negativ verändern kann.

Sie meinen auch den Rechtsruck in Österreich und in Europa generell?

Ja, das macht mich schon traurig. Andererseits ist es verständlich. Die Leute haben Angst und sind deshalb völlig realitätsfern und entscheiden deshalb aus ihrer subjektiven Wahrnehmung aus dem Bauch heraus. Auch die Medien sollten sensibler mit Themen umgehen. An meinen Konzerten spreche ich jeweils ein paar Sätze zum Rechtsruck und über die Verantwortung des Einzelnen.

In Ihrem Song «Prime» geht es um diese Verantwortung.

Ja, das ist ein politischer Song. Es geht darum, dass man als Mensch viel bewegen kann. Mehr als man glaubt. Vieles hat mit dem eigenen Handeln zu tun und nicht mit dem «Die da oben machen Gesetze»-Denken.

Könnten Sie sich eine Zukunft in der Politik vorstellen?

Politik ist für mich keine Option. Vielleicht irgendwann, aber ich glaube eher nicht. Politiker muss ein schlimmer Beruf sein.

Welches ist Ihr Hauptkommunikationsmittel im Netz?

Ich bin viel zu viel auf Instagram. Aber es ist der Ort, wo sich die aktivsten Mavi-Phoenix-Fans aufhalten. Es ist schön, mit den Fans in Verbindung zu stehen und ihnen zu zeigen, was man gerade tut.

Stehen Sie manchmal unter Druck, unbedingt etwas posten zu müssen?

Teilweise schon. Wenn ich diesen Druck jeweils verspüre, wird mir wieder bewusst, wie dumm das teilweise doch alles ist. Dennoch: Ich poste mehr als noch vor zwei Jahren. Es ist aber auch schön, die Fotos mit den Fans zu teilen. Vorher war ich meistens zu Hause und hatte mir überlegt, was könnte ich inszenieren.

Vor einigen Monaten hatten Sie Ihr Coming Out.

Privat hatte ich mein Coming Out bereits vor Jahren. Es war für mich noch nie wirklich eine Frage. Aber nun fühlt es sich besser an, weil ich weiss, die meisten oder sogar alle Fans haben das sowieso gespürt und gewusst. Jetzt bekomme ich nicht mehr so viele Nachrichten von Boys.

Haben Sie schon Erfahrungen mit Hass im Internet gemacht?

Auf jeden Fall. Lustigerweise sind die persönlichen Nachrichten eher positiv. Negative Reaktionen gibt es eher in den Kommentaren. Da geht es manchmal schon ab. Da gibt es Leute, die Hass aussprechen. Aber ich stehe da drüber.

Sie sind leider nicht die einzige Frau, der das passiert.

Nein. Frauen sollen halt schön, süss und brav sein. Aber «Fuck You» sollen sie nicht ins Mikrofon schreien dürfen. Frauen sollen nicht unangenehm auffallen, ist mein Eindruck. Da passe ich halt gar nicht rein.

Woran liegt es, dass es noch immer so wenig Frauen im Musikbusiness gibt?

Sexismus ist sehr tief verankert in jedem von uns. Da nehme ich mich nicht aus. Das einzige was man tun kann, ist das, was man glaubt zu wissen über Weiblichkeit oder Männlichkeit, ständig zu hinterfragen. In meiner Branche ist das weibliche Geschlecht untervertreten. Ich bin nur von Typen umgeben. Gerade weil die Musikbranche männerdominiert ist, will man sich das als Frau vielleicht nicht antun. Ich hoffe, es werden mehr Frauen und ich kann dazu einen Beitrag leisten.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrem Alltag nennen?

Das fängt bereits beim Soundcheck an. Wenn ich mit meiner Band irgendwo hinkomme, schauen mir die Techniker nicht mal in die Augen, sondern quatschen gleich mit meinen männlichen Bandmitgliedern. Diese sagen dann, Mavi, du bist der Chef, das ist deine Show, was willst du? Die Techniker sagen dann, «Ach so, die verkauft hier nicht nur Merchandise».

Mavi Phoenix tritt am 7.12.2018 in Palace St. Gallen auf.

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