Der nette Ostschweizer Rapper, der besser reimt als viele böse Buben

Der 24-jährige Schaffhauser Megan rappt auf Deutsch, doch plumpe Macker-Texte hat er nicht nötig.

Roger Berhalter
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«Ich bin so süss, Frauen werden zuckerkrank»: Max Albrecht alias Megan. (Bild: Benjamin Manser)

«Ich bin so süss, Frauen werden zuckerkrank»: Max Albrecht alias Megan. (Bild: Benjamin Manser)

Grauer Mantel, weisses Shirt, John-Lennon-Brille. Nein, wie ein Klischee-Rapper sieht Max Albrecht nicht aus. Er mimt nicht den bösen Buben, den Hip-Hopper so gerne verkörpern. Manche sagen deshalb, er sei für einen Rapper zu brav. Doch Megan, wie sich Albrecht als Künstler nennt, scheint das nicht zu kümmern. Er greift das Thema in seinen Texten selbstironisch auf: «Ich bin so süss, Frauen werden zuckerkrank.» Er rappt sogar über seinen Fleiss und seine Zuverlässigkeit: «Ich halte alle Fristen ein, die ich versprochen habe.»

«Bis jetzt hat es funktioniert, ohne dass ich den Gangster raushängen musste», sagt der 24-Jährige. Und wie es funktioniert hat: Vor drei Jahren kannte Megan noch keiner, heute ist er von den jungen Ostschweizer Rappern einer der besten. 2017 gab er die ersten zwei Konzerte und gewann fast den Wettbewerb «bandXost». 2018 folgten acht Konzerte – dieses Jahr werden es über 20 Auftritte sein.

Während des Konzerts ein Bier bestellen

Gerade live zeigt Megan, was er kann: Ein Publikum packen und mitreissen. Auch darin unterscheidet er sich von vielen anderen Rappern, die vielleicht im Aufnahmestudio eine gute Figur machen, nicht aber auf der Bühne. Megan artikuliert seine Reime präzis und hält den Energiepegel hoch. Dass er live in seinem Element ist, habe er schon beim ersten Konzert gemerkt, «nach zwei Sekunden». Mittlerweile geniesst der Schaffhauser die Auftritte so, dass er während des Konzerts auch einmal von der Bühne hüpft und an der Bar ein Bier holt, unter Johlen des Publikums. So gesehen am Jungkult-Festival in St.Gallen.

Für seine Auftritte hat sich Megan eine kleine Band zusammengestellt: Ein DJ, sowie der Gitarrist und der Schlagzeuger der Winterthurer Band Prince Jelleh begleiten ihn. Da kann schon einmal mitten im Song ein kreischendes E-Gitarrensolo erklingen. Auf seinen Veröffentlichungen «Slang» (2017), «Hell of a night» (2018) und «Jiggy» (2019) tönt Megan aber nicht rockig, sondern genre-typisch: Die Bässe wummern, die Schlagzeugbecken stottern und schlängeln sich durch die gebrochenen Beats.

Die beiden Produzenten Soma und Attic Room verpassen Megans Liedern den zeitgenössischen Hip-Hop-Klang. Dazu passt, dass Megan als gebürtiger Deutscher auf Hochdeutsch rappt.

Hochdeutsch ist kein Vorteil

Die Algorithmen der Streaming-Plattformen ordnen ihn dem Deutschrap zu, einem der derzeit kommerziell er­folgreichsten Genres. Nichts streamt die junge Generation öfter, und auch Megan hat auf Spotify mehr Hörer aus Deutschland als aus der Schweiz. Er habe sich aber nicht aus kommerziellen Überlegungen fürs Hochdeutsch entschieden: «Das ist kein Vorteil. Der Markt für Deutschrap ist zwar gross, die Konkurrenz aber auch.»

Von den plumpen Macker-Texten vieler Deutschrapper ist Megan ohnehin weit entfernt. Zwar macht auch er manchmal auf dicke Hose und überhöht sich, um auf die Rap-Kollegen herabzublicken. Zum Beispiel, wenn er sich in einem Song als «der beste aller Newcomer» betitelt. Das gehöre nun einmal dazu, Rap sei ein «Battle mit einem imaginären Gegner». Im Gespräch bleibt Megan aber versöhnlich.

«Rede ich mit jemandem anständig, kommt’s auch so zurück.»

Live: Fr, 29.12., 22 Uhr, Baracca-Bar, St.Gallen