Rapper Luuk kocht in Frauenfeld Reime mit Liebe

Der in Buchs aufgewachsene Rapper Luuk feiert den Abschluss seiner aktuellen «A Haze Odyssey»-Tour im Kaff in Frauenfeld.

Stefan Böker
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«Ich will keinen Seich reden», sagt der 29-jährige Rapper Luuk.

«Ich will keinen Seich reden», sagt der 29-jährige Rapper Luuk.

Bild: PD

Die Kritiken haben sich bereits bei Luuks letztem Album «Renaissance» überschlagen: «Ein Geschenk an den Schweizer Rap» wurde es genannt. Zudem sei Lukas Gantenbein (so sein bürgerlicher Name) «auf einem Woke-Level, von dem sich einige seiner Rap-Genossen ruhig eine Scheibe abschneiden könnten». Kein Wunder, dass die Szene mit Spannung auf neuen Output wartete.

Bislang hat Luuk jedes Jahr eine neue Scheibe veröffentlicht. 2019 müssen sich die Fans allerdings mit einer EP zufriedengeben. «2052: A Haze Odyssey» ist dafür mehr als ein blosser Vorgeschmack auf das Album, das für den Frühling angekündigt ist. Die neuen Tracks können als konsequente Weiterführung des Wegs verstanden werden, den der talentierte 29-Jährige seit seinem Debüt im Jahr 2013 eingeschlagen hat.

Beruhigender Jazz, melancholisches Klavier

Für die meist nach alter Schule klingenden Beats zeichnet wieder einmal David M verantwortlich. Er hat bislang alle Alben von Luuk produziert, die beiden machen seit bald 15 Jahren Musik zusammen. «Wir haben einfach eine gute Basis, verstehen uns gut und sind gut zueinander», antwortet der Rapper auf die Frage nach dem Rezept dieser langjährigen Zusammenarbeit.

Seine Beats legt David M mal über beruhigenden Jazz, mal über melancholische Klavierakkorde und garniert sie mit spärlichen Samples – es sind wenige Zutaten, mit denen der Gruss aus der Küche auskommt. Entscheidend sind Qualität und Frische, das weiss Luuk aus Erfahrung.

«Ich habe in der Tat eine Kochlehre gemacht. Den Abschluss hatte ich aber erst relativ spät in der Tasche, mit 24», gesteht er. Eine bürgerliche Karriere ist ihm sowieso nie vorgeschwebt, wie er rappt:

«Ich bin alti Schuel, neui Schuel, gar kei Gränze. Ich bin open minded, aber Schuel am Schwänze.»

Seine Energie hat der heute in Zürich lebende «Wipkinger King» von Anfang an umso mehr in die Musik gesteckt. Disziplin, Dranbleiben, eine ihn auszeichnende Ernsthaftigkeit waren von Anfang an Inhalte seiner Texte.

Das scheint auf der EP an mehreren Stellen durch, etwa wenn er dem Partyleben eine Absage erteilt: «Trink du nur weiter deine Drinks im Club, ich hab Wichtigeres zu tun», lässt er einen imaginären Kumpan zurückliegender Feierei im Intro wissen.

Luuk arbeitet lieber in seinem Home-Studio. Und schiebt als Dauerkiffer, der aus seiner Vorliebe für das grüne Kraut keinen Hehl macht, harte Drogen aber verabscheut, nach: «Scheiss uf din Schnee, bin uf Haze Odyssee.»

Er kiffe täglich, kommentiert Luuk diese Textzeile. «Das ist einfach ein Teil von mir, es wäre unehrlich, das wegzulassen. Chemische Drogen habe ich nicht gern. Konsumenten werden durch sie zu selbstbewusst, fast schon aggressiv, und das auf eine unangenehm künstliche, den Charakter verändernde Weise. Selbstbewusstsein muss von innen kommen.» Es sind genau diese ehrlichen Worte, für die Luuk von seinen Fans geschätzt wird.

«Pottcast» mit dem Berner Rapper Knackeboul

Auch die Politik streift er in seinen Texten: «Lehne niemals zrugg, solang Nazis umelaufed, Mann, ich spucke uf die Faschos», zieht Luuk eine klare Grenze. Im Text von «Bambivalent» wird er emotional, spricht über das Gefühl des Alleingelassenseins, das viele kennen. Ihm sei es wichtig, dass die Zuhörer auch etwas über die Person hinter den Texten erfahren, sagt er: «Ich will keinen Seich reden. Als Jugendlicher hatte ich eine schwierige Zeit, aber das liegt hinter mir.»

Sein letztes Album war in den Schweizer Charts mit Platz 12 recht erfolgreich. Zum Leben reicht es dennoch nicht ganz. «Es steigert sich aber von Jahr zu Jahr», sagt der Musiker. «Auch mit dem ganzen Drumherum.» Etwa dem «Pottcast», den er mit dem befreundeten Rapper Knackeboul vor rund einem Jahr startete. Der Berner ist auch auf der EP zu hören.

Der «Pottcast» bringt es bereits auf 24 Folgen; eine wurde gar live an der Hanfmesse «CannaTrade» vor Publikum aufgezeichnet. Der heitere Sprachwitz und die lockere Atmosphäre der Sendungen kontrastieren mit der schwermütigen, ernsten Stimmung von Luuks Musik. Hier zeigt er eine andere, eine komische Facette – und deutet damit einmal mehr darauf hin, dass man von ihm noch viel hören wird.

21.12., 21 Uhr, Kaff, Frauenfeld.