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Unbefangen und selbstbezogen: Raphaela Vogel stellt im Kunsthaus Bregenz aus

Die Installationen der erst 31 Jahre alten Deutschen sind imposant, doch dreht sich alles vor allem um sie selbst.
Kristin Schmidt
Die 31-jährige Andrea Vogel ist eine der jüngsten Künstlerinnen, die je im Kunsthaus Bregenz ausgestellt haben. (Bild: Miro Kuzmanovic)

Die 31-jährige Andrea Vogel ist eine der jüngsten Künstlerinnen, die je im Kunsthaus Bregenz ausgestellt haben. (Bild: Miro Kuzmanovic)

Raphaela Vogels Installationen sind aufsehenerregend. Die erstarrten Flüssigkeitseruptionen, die Tierfiguren und -häute, die grossen Stahlkonstruktionen ziehen das Kunstpublikum in Bann. Nun ist die 31-Jährige im Kunsthaus Bregenz angelangt, einem Bau, der selbst für gestandene Künstlerpersönlichkeiten eine Herausforderung darstellt.

Aber Vogel geht ganz unbefangen zu Werke. Das gelingt teilweise, teilweise auch nicht. Der Auftakt im Erdgeschoss des Kunsthauses zählt zu den beeindruckenden Momenten der Ausstellung. Im ansonsten leeren Foyer hängen zwei identische bronzene Löwenplastiken von der Betondecke. Das Maul der Kraftprotze ist geöffnet zum Triumphgebrüll. Doch nun scheinen die Raubtiere kläglich zu heulen, denn sie hängen nicht nur kopfüber, sondern in ihren Nasen ist je ein Ring befestigt, an dem ein Kugellautsprecher hängt. Daraus erklingt düster-sanft Milvas «Hurra, wir leben noch», gesungen von Raphaela Vogel selbst.

Installation «In festen Händen» besteht aus zwei Bronzeplastiken. (Bild: Markus Tretter)

Installation «In festen Händen» besteht aus zwei Bronzeplastiken. (Bild: Markus Tretter)

Das Auf und Ab des Lebens

Mit diesem Lied über das Auf und Ab des Lebens steckt die in Nürnberg geborene und in Berlin lebende Künstlerin den Rahmen ihrer Arbeiten fest. Immer wieder geht es ihr um Spannungen und Druck, sowohl physikalisch, aber auch auf der emotionalen Ebene des Künstlerinnendaseins. Vogels «albtraumhafter Rückblick auf das eigene Schaffen» gerät jedoch zur notorischen Selbstbespiegelung.

Die Künstlerin setzt bewusst auf optische Reize, beispielsweise Symmetrien oder Spiegelungen. Besonders gern verwendet sie eine 360-Grad-Kamera und tritt selbst auf. In «Son of a Witch» etwa räkelt sie sich beobachtet von der Kamera auf einem runden Bett mit einer Poledance-Stange in der Mitte. Das Bett verwandelt sich langsam in einen Kreisverkehr – alles dreht sich, Runde um Runde.

Raphaela Vogel lässt sich im Video «Tränenmeer» von einer Drohne filmen. (Bild: Filmstill, Courtesy of the artist und BQ, Berlin)

Raphaela Vogel lässt sich im Video «Tränenmeer» von einer Drohne filmen. (Bild: Filmstill, Courtesy of the artist und BQ, Berlin)

In «Tränenmeer» steht Vogel auf einem Felsen am Meer und lässt sich von einer programmierten Drohne filmen, aber auch hier setzt das Kreisen ein. Dazu ertönt ein lautes, gedehntes Säuglingsgeschrei, das nur scheinbar im Kontrast zur benachbarten Arbeit «Puppenruhe» steht: Lebensecht gestaltete Puppen bergen den inbrünstigen Ruf nach einer heilen Welt. Aufgehängt sind sie an Aluminiumtraversen für die Bühnentechnik.

Die Installation «Rollo» ist benannt nach dem Pudel der Künstlerin. (Bild: Markus Tretter)

Die Installation «Rollo» ist benannt nach dem Pudel der Künstlerin. (Bild: Markus Tretter)

Vogel nutzt gerne Restbestände der Vergnügungs- und Unterhaltungsindustrie. Die Gestänge wirken wie Skelette einer Eventgesellschaft und bilden Gerüst, Rahmen und Adersystem für Vogels Installationen. In «Rollo», benannt nach dem Pudel der Künstlerin, kommen weitere Relikte dazu: Modelle architektonischer Wahrzeichen im Massstab 1:25. Sie standen viele Jahre im Freien. Tannennadeln liegen auf der Tower Bridge, der Rendsburger Hochbrücke fehlen Schienenstücke, die Kupferschindeln der Frauenkirche sind locker.

Verzweifelt über Wohnungsnot

Filmstill aus «Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste», 1984 (Bild: Courtesy of the artist und Deutsche Kinemathek, Berlin)

Filmstill aus «Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste», 1984 (Bild: Courtesy of the artist und Deutsche Kinemathek, Berlin)

Vogel verbindet diese Modelle mit Metallstangen, die alle zu einem Lautsprechersystem und einer Projektion führen: Einmal mehr steht die Künstlerin im Fokus einer Rundumkamera, die alles zu einem Punkt in der Mitte verzerrt, so dass die ganze Welt zu Vogels Füssen liegt. Sie steht im Mittelpunkt ihres Kosmos.

Dabei ist der Ausgangspunkt dieser eigens für das Kunsthaus Bregenz entwickelten Installation ein ganz anderer: ein Film der deutschen Regisseurin Helge Sander über eine Frau, die verzweifelt über die Wohnungsnot mit ihren zwei kleinen Kindern bis auf die Spitze eines hohen Kranauslegers klettert. Der Film wird im Untergeschoss gezeigt und lässt in seiner existenziellen Dramatik, seinem Anspruch, seiner Wut und trotz seiner Entstehungszeit 1984 die Arbeiten Raphaela Vogels ziemlich blass dastehen.

Bis 6.1., Kunsthaus Bregenz

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