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«Ohne Rolf»-Kabarettist solo unterwegs

Christof Wolfisberg ist als die eine Hälfte des Duos Ohne Rolf bekannt, das auf der Bühne nur schriftlich kommuniziert. Im Kleintheater Luzern zeigt er nun sein erstes Soloprogramm «Abschweifer». Der Luzerner eckt bewusst an – eine Gratwanderung.
Céline Graf
Christof Wolfisberg verwickelt die Kleintheater-Bühne in Metastrukturen. (Bild: Beat Allgaier Anderhub)

Christof Wolfisberg verwickelt die Kleintheater-Bühne in Metastrukturen. (Bild: Beat Allgaier Anderhub)

«Das Leben ist eine einzige Aneinanderreihung von Enttäuschungen.» Und nicht mehr sei auch von heute Abend zu erwarten, sagt Christof Wolfisberg nicht ohne Schadenfreude. Das Publikum habe ja einen Theaterabend erwartet und kriege stattdessen eine Lesung. «Da haben Sie die Katze im Sack gekauft.»

Bewusst tief setzt der Luzerner Kabarettist die Erwartungen am Anfang seines ersten Soloprogramms. Sonst ist er mit Jonas Anderhub im Duo Ohne Rolf unterwegs. Sie kommunizieren nur über Textschilder, die sie eins ums andere aufklappen. Vier Programme der mehrfachen Kleinkunstpreisträger gibt es bisher, 2021 soll das nächste kommen.

Unstimmigkeiten zwischen Skript und Realität

Keine Angst, schlimm ist «Abschweifer» nicht. Wolfisberg taugt auch sprechend als Unterhalter. Oft ist er ziemlich lustig. Zwischendurch aber auch hart an der Grenze des guten Geschmacks. Und manchmal möchte man diesen Quälgeist mit lächerlich falscher Frisur und lächerlich pinkfarbenem Hemd von der Bühne werfen und nie mehr sehen.

Auch bei Wolfisberg solo ist das Blättern der Motor der Handlung. Ausgehend von einem Romanmanuskript, das vor ihm auf einem Tischchen liegt, erzählt er eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte. Seine Feststellung «Das menschliche Gehirn ist eine bizarre Masse» gibt den Ton vor. Wer groteske Komödien wie «Being John Malkowich» oder «Stranger Than Fiction» kennt, dem ist das Prinzip vertraut.

Das Amüsante daran: Zwischen Skript und Wirklichkeit gibt es zunehmend Unstimmigkeiten. Als sich Christof Wolfisberg gemäss einer Anweisung Wasser einschenken soll, stehen weder Glas noch Flasche auf dem Tisch. Widerwillig korrigiert er das, was wiederum bereits im Skript steht.

«Wie findest du es?» – «Teils, teils.»

Auf dem Tisch steht dafür ein Gartenzwerg. Dieser bezwecke Sinnlosigkeit, wie Wolfisberg nach einer Weile enthüllt, allerdings ohne zu erklären, warum er das findet. Es gibt ein paar solche Momente im Programm, die vor allem eine Funktion erfüllen: das Publikum plagen. Zuspitzung um der Zuspitzung willen. Unangenehm lange geht es etwa um den «Mann mit den schweissigen Händen». Diese Rolle im Buch bekommt ein Zuschauer unfreiwillig aufgebürdet.

Der Rest leidet mit und ist froh, nicht das Opfer zu sein. Wolfisberg holt das Publikum aus der Komfortzone, treibt aber für die empathischen Gemüter das Spiel mit der Interaktivität an manchen Stellen, die wegen Spoilergefahr nicht näher beschrieben werden können, zu weit.

Am besten funktioniert die Gratwanderung, wenn Wolfisberg die Erwartungen des Publikums voraussagt, um sie flugs wieder zu brechen. So ist seine Beschreibung von Gesprächen in der Pause gut getroffen, auch am Premierenabend. Ein geschickter Schachzug ist dabei, sich selbst zu kritisieren. «Wie findest du es?» – «Teils, teils.» Die Stelle über das Furzen sei also wirklich unterste Schublade gewesen.

Schade ist, dass die Dialoge, in verschiedenen Stimmen und Dialekten gesprochen, nicht des Ohne-Rolf-Solisten Stärke sind. Stark ist er dann, wenn er sich weniger am Lesen festhält oder bemüht, anzuecken. Wenn er vielsagende Blicke ins Publikum wirft oder einen Zauberer parodiert (zaubern kann er übrigens wirklich, gelernt von Alex Porter). Oder wenn er den ganzen Bühnenraum nutzt, um in dadaistische Gefilde abzudriften.

Weitere Vorstellungen im Kleintheater Luzern: Freitag, 5. April, 20 Uhr, und Samstag, 6. April, 20.15 Uhr.

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