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Kantorei: Pure Qualität «made in Lucerne»

Das Grossprojekt «It’s so British» bringt die Musikschulen der halben Innerschweiz zusammen. Die Luzerner Kantorei glänzt auf höchstem Niveau. Und das Orchester begeistert auch mit einer Überraschung.
Roman Kühne
Mädchen und Knaben der Luzerner Kantorei im begeisternden Einsatz. (Bild: Pius Amrein, 31. Oktober 2018)

Mädchen und Knaben der Luzerner Kantorei im begeisternden Einsatz. (Bild: Pius Amrein, 31. Oktober 2018)

Exzellenz – dies ist wohl das Wort, welches den zweiten Teil zusammenfasst. Natürlich, die Kinder der Luzerner Kantorei sind bekannt für grosses Können. Ihr Gesang ist quasi ein Leuchtturm des Luzerner Amateurschaffens. An Mittwochabend im Konzertsaal des KKL Luzern fällt es einem jedoch schwer, zu glauben, dass dies das Ergebnis reiner Hobbyaktivitäten sein soll.

Die Sängerknaben und der Mädchenchor haben für dieses erneute Grossprojekt, diesmal mit englischer Musik, wieder ehemalige Sängerinnen und Sänger eingeladen. Ergänzt werden sie durch das Vereinigte Jugendorchester Innerschweiz, das Streicher und Bläser aus den Musikschulen von Emmen, Luzern, Obwalden, Rontal und Uri vereint.

Was auffällt: Wie selbstverständlich steht fast nur moderne Chorliteratur auf dem Programm, grösstenteils geschrieben in den letzten 60 Jahren. Die Chorszene schafft es, offenbar mühelos, aktuell zu bleiben. Eine Modernität, bei der die Hörbarkeit nicht auf der Strecke bleibt. Dies ist ein eklatanter Gegensatz zu vielen Orchesterkonzerten.

Wie Honig – und dennoch nicht klebrig

Die «Mass of the Children» (2003) des Briten John Rutter erklingt in dieser enormen Besetzung mit einer überraschenden Eleganz, ja schwerelosen Kunstfertigkeit. Natürlich, die Komposition ist absolut massentauglich. Es ist eine gehörfällige, teils märchenhafte Musik, die über weite Strecken auch einem Musical gut anstehen würde. Süffige und bilderreiche Akkorde, eingängige Weisen – wie Honig schmiert sie des Zuhörers Ohr. In der Interpretation unter dem Chorleiter Eberhard Rex ist jedoch von dieser Klebrigkeit nichts zu spüren. Einer leichten Brise gleich wehen die süssen Töne durch die Halle. Der Klang ist musikalisch reif. Die verständliche Schichtung der Akkorde und die Balance in der Struktur ziehen eine ganze Palette von Farben durchs KKL.

Lebendig und hüpfend ist das «Gloria». Die Akzentsetzung der Sänger, die deutliche Aussprache, die Präzision der Einsätze führen zu einem mitreissenden Finale, einem strahlenden «Amen». Das «Sanctus» hat schiebenden Vorwärtsdrang. Hell glänzen die Fortissimi. Die lange Steigerung auf dem «Benedictus» ergreift und berührt. Exzellent interpretieren auch die beiden Solisten. Der Bariton Sergej Aprischkin mit voller Stimme und der Sängerknabe Lorenzo Rodaro mit seinem hellen Ton geben dem Stück eine lebhafte, intensive Gestalt.

Das Orchester überzeugt in diesem zweiten Teil ebenfalls. Sie begleiten die Messe mit wogender Bewegung und Schwung. Der Anfang ist ein frischer Quell. Immer wieder glänzen die Bläsersolisten auf Trompete oder Flöte. Es ist dies das überzeugende Finale eines genussreichen Abends.

Himmlisch und rabenschwarz

Schon der erste Teil bot Leckerbissen. So die ausgekostete Tonsetzung in «Da pacem Domine» von Arvo Pärt, wo Eberhard Rex einen weiten Bogen zieht, ohne dass das delikate Kolorit je an Boden verliert. Hervorzuheben sind aber vor allem die «Chichester Psalms» (1965) von Leonard Bernstein. Der Chor meistert scheinbar mühelos die schwierige Intonation der Komposition.

Ein Höhepunkt ist der zweite Satz. Fast ohne Orchesterbegleitung entrücken die hohen Kinderstimmen das Geschehen quasi in himmlische Sphären. Das klingende Piano im Gesang ist exquisit, das Solo von Julius Klöpfer das i-Tüpfelchen. Überhaupt sind es immer wieder die Kindersolisten, die den Stücken zusätzlichen Pracht verleihen. So Lilian Heeb, die mit ihrem unaufgeregten Barockgesang in «Dido’s Lament», ihrer reinen und tragenden Stimme die ganze Schönheit und Entrückung dieser Musik widerspiegelt. Oder Ramon und Mara Marti, die den poppigen Stücken von Ed Sheeran und vor allem Adeles 007-Song «Skyfall» Intensität und Tiefe geben.

Auch das Orchester spielt unter Felix Schüeli mit schöner Intonation, teils vielleicht etwas brav. Hier wäre ein wenig mehr Interpretationsfeuer möglich gewesen. Am meisten Stimmung kommt kurz vor der Pause auf, bei einem Stück, das nicht auf dem Programm steht. Der Song «Always Look On The Bright Side Of Life» aus der rabenschwarzen Monty-Python-Filmkomödie «Life Of Brian» entfacht mit dem Sologesang von Michel Gsell, dem aufblühenden Orchester und dem wuchtigen Choreinsatz einen Begeisterungssturm.

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