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Ausstellung über Gesichter:
Punkt, Punkt, Komma, Strich

Die Ausstellung «Faszination Gesicht – Was unsere Mimik alles zeigt» im Vögele-Kulturzentrum in Pfäffikon setzt sich mit unserem wichtigsten Kommunikationsmittel auseinander.
Hans-Ruedi Rüegsegger
Blick in die Ausstellung mit (von links): Kuratorin Sara Wirth, Monica Vögele und Szenografin Claudia Schmauder. (Bild: Hans-Ruedi Rüegsegger)

Blick in die Ausstellung mit (von links): Kuratorin Sara Wirth, Monica Vögele und Szenografin Claudia Schmauder. (Bild: Hans-Ruedi Rüegsegger)

Zwei Punkte, ein Komma und ein Strich, so einfach lässt sich ein Gesicht andeuten. Dabei spiegelt kaum etwas die Individualität des Menschen so sehr wider, wie das Gesicht. Und diesem Gesicht widmet das Vögele-Kulturzentrum in Pfäffikon seine ak­tuelle Ausstellung, geht auf die verschiedensten Facetten des Gesichts ein.

Das Gesicht sei das wichtigste Kommunikationsins­trument, sagte Monica Vögele, Leiterin des Vögele-Kulturzentrums, anlässlich der Präsentation der neuen Ausstellung. «Den ersten Kontakt mit einer Person am Telefon mag ich gar nicht. Ich kann ihr Gesicht nicht lesen, kann nicht sehen, wie etwas ankommt.» Worte können sorgfältig gewählt, die Stimme beherrscht werden. Aber die Augen, die Mimik geben die innere Verfassung des Menschen wieder. «Wir lesen in Gesichtern fast wie in Büchern.»

Gesichter in den Medien allgegenwärtig?

In Gesichter blicken wir aber nicht nur in persönlichen Begegnungen: Gesichter sind in den Medien allgegenwärtig – Zeitungen, Bildschirme oder Plakate. So empfangen Plakate des Kunstprojekts «Switzers» von Reiner Roduner die Gäste schon ausserhalb des Vögele-Kulturzentrums.Roduner hat Menschen aus aller Welt, die in der Schweiz leben, porträtiert. Im Eingangsbereich erblicken sich dann die Besucherinnen und Besucher selber in einem grossen Bildschirm und werden gleich nach Alter – plus minus sieben Jahre – taxiert.

Das zeigt: Gesichter sind nicht nur für den zwischenmenschlichen Kontakt essenziell. Technik, Wissenschaft oder auch Politik und Wirtschaft wollen das Gesicht für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Der Mimik – sie steht auch im Untertitel – widmet die Ausstellung einen grossen Teil. Was kann das Gesicht wirklich über den Menschen aussagen? Welche Regungen können wir kontrollieren, welche nicht? Und wie weit kann eine Software Mimik beurteilen?

Wie sieht Verliebtheit aus?

Besucherinnen und Besucher sind nicht nur Betrachter, sie können sich spielerisch auch selber einbringen. An einem Computer verändern sie ein Gesicht in ein wütendes, ein nachdenkliches oder gar ein verliebtes. «Wie sieht ein verliebtes Gesicht aus?», fragt Sarah Wirth, Kuratorin der Ausstellung. Mit Schiebereglern verändert man das Gesicht, bis es seiner Vorstellung von Verliebtheit entspricht. Das zeigt aber auch die Grenzen der Software auf.

Urteil oder Vorurteil

Aktiv werden die Besucher auch im «Wahlbüro». 19 Politikerinnen und Politiker stellen sich ­einer ganz besondern Wahl. Nur anhand der Gesichter, ohne Angaben von Namen und Partei, entscheiden die Wählerinnen und Wähler, mit wem sie beispielsweise gerne im Lift stecken bleiben oder in ein Dschungel-Camp reisen würden. «Oftmals bilden wir uns allein anhand von Gesichtsmerkmalen ein Urteil – oder ein Vorurteil», so Sarah Wirth. Dass Mimik für die soziale Interaktion mit einem Baby essenziell ist, zeigt ein Video eindrücklich, aber auch, dass für ­gehörlose Menschen Gesichtsregungen des Gegenübers absolut notwendig sind.

Schönheitsideale werden in der Ausstellung in Pfäffikon SZ eher am Rande gestreift. Ester Honigs Werk «Before & After: Beauty Standards Around the World» besteht aus 25 Porträts. Eines zeigt Ester Honig völlig ungeschminkt. Dieses Foto schickte sie an Mediengestalter in mehr als 25 Ländern mit der Aufforderung: «Macht mich schön.» Die Bilder zeigen: Schönheit ist nicht durch einen Standard definiert.

Gesichter sind aber auch verletzlich. «Was, wenn etwas fehlt?», fragt Sarah Wirth. Ein versehrtes Gesicht irritiert, Betroffene werden stigmatisiert. Ein eindrückliches Kapitel der Ausstellung, das auch betroffen macht, bildet die Epithetik, die künstliche Herstellung von Gesichtsteilen, und ein Video über Gesichtstransplantation.

Spannend, auch beängstigend, ist das Thema Gesichtserkennung. Die digitale Technik ist im öffentlichen Raum an immer mehr Orten verbreitet. Und die Gesichtserkennung ist im Alltag angekommen. Mit einem Lächeln kann das Smartphone entsperrt werden, oder anhand des Gesichts sollen in China auch schon Rechnungen bezahlt werden können.

Gesichtserkennung und Phantombilder

Für «Kriminologen» gibt es die Möglichkeit, mit Hilfe eines Computerprogramms sein eigenes Phantombild zu erstellen. Und nicht genug des Handelns: In der Werkstatt werden die Besucherinnen und Besucher aufgefordert, ihr eigenes Gesicht – oder auch ein anderes – zu zeichnen. Wie immer finden während der Ausstellungsdauer Begleitveranstaltungen statt. Speziell zu erwähnen ist das Podiumsgespräch «Was können wir aus Gesichtern lesen» am 13. Juni 2019 mit Michael Frey, Bildfahnder der Kantonspolizei Zürich, der Gesichtschirurgin Nicole Lindenblatt und der Schauspielerin Susanne-Marie Wrage.

Die Ausstellung im Vögele-Kulturzentrum dauert bis am 22. September 2019. Das detaillierte Programm und die Öffnungszeiten finden Sie auf der Homepage www.voegelekultur.ch

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