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Drei verschiedene Formationen erzeugten einen pulsierenden Klangstrom am Jazz Festival in Willisau

Das Trio mit dem Luzerner Saxofonisten Christoph Erb hat am ersten Willisau-Abend den nachhaltigeren Eindruck hinterlassen als The Thing und James Blood Ulmer.
Pirmin Bossart
James Blood Ulmer ist ein regelmässiger Gast am Jazz-Festival Willisau. Bild: PD/Marcel Meier (Willisau, 29. August 2018)

James Blood Ulmer ist ein regelmässiger Gast am Jazz-Festival Willisau. Bild: PD/Marcel Meier (Willisau, 29. August 2018)

Der diesjährige Auftakt mit einem quasi einheimischen Trio aus dem Pool der Luzern-Chicago-Connection hat für einen markanten Einstieg ins 44. Jazz-Festival Willisau gesorgt. Der Luzerner Saxofonist Christoph Erb trat mit den Chicago-Musikern Jim Baker (Piano, Analog Synthesizer) und Frank Rosaly (Schlagzeug) auf die Bühne. Ihre zwei CDs sind eine Empfehlung, doch der Willisau-Gig überraschte wieder auf eine ganz andere Weise.

Das 50-minütige Konzert war nicht nur relativ kurz, es war auch musikalisch bündig und konsequent. Gespielt wurden zwei längere Tracks von unterschiedlichem Charakter, deren Gemeinsamkeit die stringente Form und der prägnante Sound waren. Das Trio begann sehr konzentriert, mit langen Saxofontönen und einem geräuschhaften Teppich mit etwas undefinierten Synthesizer-Sounds und flüsterndem Schlagzeuggerattel. Es passierte nicht viel, aber es geschah etwas.

Ein langsames Brennen der Intensität

Obwohl frei improvisiert, hatte die Musik ihr klares Raster, verausgabte sich nicht, aber kreierte eine Spannung. Es war eine Spannung aus Reduktion und Repetition, die sehr formbewusst daherkam und einen freien Geist atmete. Erb blies fokussiert, er insistierte auf langen Tönen in kurzen Phrasen, die sich mit der Zeit zu kleinen Melodiefolgen erweiterten. Punktuell verdichtete sich der Klangstrom, aber der Haupteindruck war ein langsames Brennen der Intensität.

Von den zwei längeren Tracks ging vor allem der zweite hinter die Ohren. Jim Baker wechselte vom Analog Synthesizer ans Piano, das er – zumindest an diesem Abend – mit seinem Drive und romantischem Eigensinn wesentlich kreativer zu nutzen wusste als den elektronischen Apparat. Das Trio kam in Flow, auch dank Rosalys filigraner Rhythmik, die subtil und heftig die Strukturen elastisch machte.

Eindrücklich war der herbe Sound von Erb, der bei allen schön dreckigen Phrasierungsweisen kraftvoll blieb und eine Intensität erzeugte. Auffallend waren die kurzen Chorusse, mit denen der Saxofonist seine Musik entfaltete. Immer wieder startete er neue Anläufe, ohne dass der Pegel einbrach, sondern im Gegenteil eine Konsequenz freisetzte, die auch musikalisch stimmig wurde. So erschuf sich eine freie und am Ende befreiend wirkende Musik, ohne dass sie sich in wilden Eruptionen zuerst hätte selber befreien müssen.

Da sass er wieder einmal auf der Willisau-Bühne: Der unverwechselbare James Blood Ulmer mit seiner schwarzen Gitarre, die er mit dem Daumen spielte. Sofort entwickelte er eine melodiös quengelnde Spur, die eher früher als später in den heavy Sound von The Thing einklinkte. Ab und zu gab er seine Brummstimme dazu. Sie vertrug sich soundmässig irgendwie schlecht mit dem Gedröhn der Gitarre.

Der Gig hatte seine prächtigen Ballungen, in denen die ungleichen Spielweisen von Ulmer und The Thing plötzlich zu verschmelzen begannen. Aber das hatte auch mit der Vehemenz des Spiels und dem pulsierenden Klangstrom des Rhythmusgespanns zu tun. Der Bassist und der Schlagzeuger sorgten für das heftige Wetterleuchten am Horizont, das die Stromstösse des Saxofonisten und das hypnotische Gefrickel des Gitarristen absorbierten und neu aufluden.

Das norwegische Trio The Thing mit Mats Gustafsson (saxes), Ingebrigt Håker Flaten (b) und Paal Nilssen-Love (dr) ist bekannt für sein freies Powerplay aus Rock, Noise und Improvisation. Setzt Gustafsson sein Horn in Aktion, ist der Sound bereits so scharf und laut, als ob es keine Reserven mehr gäbe. Aber der Saxofonist ist ein Kraftwerk sondergleichen, was er nicht nur in diesem Trio auslebt. Mit The Thing haben die drei Musiker in den 18 Jahren ihres Zusammenspiels eine eigene Hardcore-Ästhetik entwickelt, die je nach Ort und Situation zur Sternstunde werden kann.

Schlingernde Orgien mit Gitarre und Powertrio

In Willisau kam mit dem Gast­solisten James Blood Ulmer ein neuer Parameter ins Spiel. Das Quartett war mehr Schicksals­gemeinschaft als verschworene Band. Der dynamische Pegel blieb durchschaubar. Der laute Sound und die Leidenschaft der Musiker taten ihre Wirkung, aber musikalisch fehlten die überraschenden Interaktionen.

Besonders in den subtileren Passagen, in denen James Blood Ulmer alleine oder mal im Duo (mit Gustafsson) spielte, offenbarte sich, wie verschieden – auch soundmässig – die beiden Teile waren. Hier der nahtlose, von Blues und Free Funk genährte Single-Note-Dunkelsound von Ulmer. Dort das schreiende Impulsivpaket von The Thing.

Dass sich die beiden Energien trotzdem immer mal wieder zu einer schlingernden Orgie verschränken konnten, rettete dieses Konzert über die Runden.

Das Jazz-Festival Willisau dauert noch bis am Sonntag.

www.jazzfestivalwillisau.ch

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