Puccinis Nachtstück auf der Seebühne

Gestern hat die neue Intendantin Elisabeth Sobotka die Saison 2015/16 der Bregenzer Festspiele vorgestellt. In deren Zentrum stehen Giacomo Puccinis Oper «Turandot» und Jacques Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen».

Rolf App
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Elisabeth Sobotka (Bild: Bregenzer Festspiele)

Elisabeth Sobotka (Bild: Bregenzer Festspiele)

BREGENZ. Paolo Carignani ist ein überaus sportlicher Mensch. Er trainiert für den Triathlon, schwimmt gern – und dirigiert. In Bregenz wird er im kommenden Jahr beides tun, schwimmen, rennen sowie dirigieren. Denn Carignani ist für den musikalischen Teil des Spiels auf dem See verantwortlich. Dort wird am 22. Juli «Turandot» von Giacomo Puccini Premiere haben. Für Bühnenbild und Regie zeichnet Marco Arturo Marelli verantwortlich.

Gute Zahlen, unsichere Zukunft

Gestern haben die Verantwortlichen der Bregenzer Festspiele im Festspielhaus die kommende Saison vorgestellt, in der zum erstenmal Elisabeth Sobotka als neue Intendantin ihre Handschrift zeigen wird. Am Ende der dank Mozarts «Zauberflöte» «erfolgreichsten Saison der Festspielgeschichte», wie Festspielpräsident Hans-Peter Metzler sagte, ist die Kasse zwar gut gefüllt. Auch der Vorverkauf läuft gut, wie Michael Diem erklärt, der kaufmännische Direktor. Gleichwohl zeigen sich dunkle Wolken am Horizont.

«Wie geschaffen für den See»

Denn die Kosten steigen auch durch gesetzliche Vorgaben, und auf eine Erhöhung der Billettpreise will man verzichten. Bleibt die öffentliche Hand, die nun um stärkere Unterstützung angegangen wird. «Andernfalls müssen wir inhaltliche Abstriche machen», sagt Elisabeth Sobotka, die sich auf ihre neue Aufgabe freut und im Januar an den Bodensee zieht. «<Turandot> ist ein Nachtstück», erklärt sie ihre Wahl, «es ist wie geschaffen für das Spiel auf dem See.»

Schaltung nach Helsinki

Während Carignani mit Sportschuhen vorne sitzt, fehlt der Regisseur in der Runde. Marelli wird aus Helsinki zugeschaltet, wo er gerade arbeitet. «Puccini hat in seine <Turandot> eine psychologische Ebene eingebaut, das werden wir zum Thema machen», sagt er. «Ich habe diese Oper schon dreimal gemacht. Es ist sehr reizvoll, nun einmal die Blickrichtung zu ändern.»

Im Chinarestaurant

Im Festspielhaus wird nächstes Jahr keine Uraufführung stattfinden. Dafür wird Stefan Herheim Jacques Offenbachs phantastische Oper «Hoffmanns Erzählungen» inszenieren. Die musikalische Moderne wird dafür auf der Werkstattbühne gepflegt werden. Hier steht nicht China im Zentrum wie bei «Turandot» – sondern das Chinarestaurant.

«Der goldene Drache» heisst die vom Ungarn Peter Eötvös komponierte Oper. Dessen Musik wird auch noch in einem Orchesterkonzert und in der Reihe «Musik & Poesie» erklingen.

Ein Raum für junge Sänger

Als Elisabeth Sobotka vierzehn Jahre alt war, hat sie in Wien Placido Domingo gehört. «Diese Stimme hat unglaublich viel bei mir ausgelöst», sagt sie. Und um nun in Bregenz neuen Sängern einen Raum zu geben, will sie ein Opernstudio einrichten. Dazu gehört ein Meisterkurs, den die berühmte Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender geben wird.