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Psychogramm der Macht

«Momentum» von Lot Vekemans hatte in Konstanz Premiere. Wie Macht angelegt ist und sich im Privaten spiegelt, hätte eigentlich interessant sein können.
Brigitte Elsner-Heller
Spielen auf karger Bühne und vor Videos: Renate Winkler und Ralf Beckord. (Bild: Björn Jansen)

Spielen auf karger Bühne und vor Videos: Renate Winkler und Ralf Beckord. (Bild: Björn Jansen)

In ihrem 2018 uraufgeführten Stück «Momentum» dekliniert die niederländische Autorin Lot Vekemans einige der Faktoren durch, die für den Machterhalt notwendig sind. Das tut sie im Wesentlichen auf der privaten Ebene, indem sie Psychogramme von Menschen erstellt, die sich im innersten Kreis befinden.

Politiker - ausgebrannt und abhängig

Meinrad Hofmann, Parteivorsitzender und Staatenlenker, sieht sich am kritischen Punkt einer Abwärtsspirale. Ausgebrannt und von Psychopharmaka abhängig, will er sich nicht mehr der Wahl stellen. Sein Vertrauter und Berater Dieter Seeger versucht daraufhin, die Situation in den Griff zu bekommen. Ebenfalls Hofmanns Ehefrau Ebba, die ihren Mann stets unterstützt hat.

Zwei seltsam uneindeutige Figuren führt Vekemans noch ein: den jungen Dichter Lindner, der einige aufbauende Zeilen für den Wahlkampf beitragen soll, sowie die Erscheinung des ungeborenen Kindes von Ebba, das sie vor zehn Jahren verloren hatte. Vekemans nimmt sich die Freiheit, das Wesen als jungen Mann auf die Bühne zu stellen – was zur Assoziation führen könnte, hier komme ein erlösender Messias ins Spiel – was aber nicht der Fall ist.

Die Gier der Öffentlichkeit

Claudia Meyer (Regie und Bühne), geht die Versuchsanordnung eher nüchtern an. Die Bühne ist leer, bietet nur im Hintergrund eine Begrenzung, die den Ort quasi vom öffentlichen Raum abgrenzt. Dagegen wird die Gier dieser Öffentlichkeit durch Livevideos thematisiert. Leider wirken diese uninspirierten Videos eher wie Füllsel, wie ein doppelter Boden, um den Theaterabend irgendwie abzusichern.

Die vier Schauspieler müssen schon mit sich selbst aus- und zurechtkommen, wirken gerade so vereinzelt, wie es Menschen im Machtzentrum oft auch sein mögen. Glaubwürdig, auch weil als Figuren beschreibbar angelegt, agieren Ralf Beckord als Politiker sowie sein Berater Dieter (Ingo Biermann), der mal ein Auge auf Ebba geworfen hatte, aber nicht weiss, dass sie einst von ihm schwanger gewesen war. Ebba dagegen ist kaum einzuordnen: Renate Winkler gibt eine Frau, die sich sehr wohl im Umfeld der Macht sonnt, dann aber durch die Erscheinung ihres ungeborenen Sohns (Dan Glazer als verspielter Sympathieträger) offenbar so etwas wie Läuterung erfahren soll. Und der Dichter (Thomas Fritz Jung) – was ist seine Rolle?

Die Genderfrage als I-Tüpfelchen?

Vieles wird in Stück und Inszenierung nicht nachvollziehbar. Und wenn Ebba am Schluss selbst nach der Macht greift, ihren Ehemann nun als Unterstützer in die Pflicht nimmt, ist es keineswegs glaubwürdig, dass dies nun zum Besten der Welt geschehen soll. Die Genderfrage als I-Tüpfelchen: Da gibt es Besseres. Etwa die Autobiografie von Michelle Obama, die formal auch «hinter» dem Präsidenten stand. Höflicher Applaus.

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