Primaten im «Naturstudio»

Erst vier Sendungen alt ist die neunte Staffel. Und schon hat das RTL-Format «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» eine Anti-Heldin (Model Sara Kulka) und eine Hassfigur (Moderator Walter Freiwald).

Diana Bula
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Prüfung Schabenfreude: Model Sara Kulka mit Krabbelviechern. (Bild: RTL)

Prüfung Schabenfreude: Model Sara Kulka mit Krabbelviechern. (Bild: RTL)

Erst vier Sendungen alt ist die neunte Staffel. Und schon hat das RTL-Format «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» eine Anti-Heldin (Model Sara Kulka) und eine Hassfigur (Moderator Walter Freiwald). Natürlich gibt es auch den Macho («Bachelorette»-Teilnehmer Aurelio Savina), die Plaudertasche («Deutschland-sucht-den-Superstar»-Kandidatin Tanja Tischewitsch) und die Gefallene (Ex-«Glücksrad»-Fee und Schauspielerin Maren Gilzer). Ohne Kategorisierungen kommt eben kein Reality-Format aus.

Kakerlaken und Lästereien

Trotz aller Klischees: Wenn Savina und Kulka nach 22 Uhr einen Drink aus Grillen, Mehlwürmern und Kotzfrucht trinken und sich mit Kakerlaken-Schleim einschmieren müssen, schauen fast acht Millionen Menschen zu. Das kann nicht nur die Unterschicht sein, wie oft geschnödet wird. Die Zahlen belegen: Viele rümpfen zwar die Nase, schauen aber doch zu, wenn sich die C-, D- oder E-Prominenten mit Geldsorgen und dem Wunsch, endlich oder wieder berühmt zu werden, im australischen Dschungel quälen. Fast wäre die Sendung 2013 auch öffentlich rehabilitiert worden: Sie war für den Grimme-Preis nominiert, mit dem «vorbildliches Fernsehen» gewürdigt wird.

Tierhoden im Mund transportieren, in Krabbelviechern nach Sternen wühlen, die den Camp-Bewohnern Essen garantieren: Das ist eklig, aber nicht gefährlich. Im Notfall würde ohnehin Dr. Bob einschreiten, Rettungssanitäter und der einzig fixe, wahre Wert im Camp. Weil seit der ersten Staffel dabei, freundlich, weder zu exhibitionistisch noch zu ruhig. Ausserdem wird das Format angeblich nicht in der echten Wildnis gedreht, sondern in einem «Naturstudio». Viel gefährlicher als die Krabbeltiere ist es also, einen Seelenstriptease hinzulegen, der die erhoffte (zweite) Karriere bedroht – oder zu lästern. Eben das machte Walter Freiwald bereits. Er zog über Harry Wijnvoord her, mit dem er vor langer, langer Zeit «Der Preis ist heiss» moderiert hatte.

Immerhin beruhigte Freiwald Kulka vor ihrer dritten Dschungelprüfung, indem er ihr die Schlürfatmung beibrachte. Das hörte sich wie Schnarchen an. «Ja, der Walter, der kann alles verkaufen. Der macht aus einer kaputten Nasenscheidewand eine eigene Atemtechnik», stichelten die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich in Anspielung auf Freiwalds Teleshopping-Erfahrung.

Schadenfreude in der Stube

«Schabenfreude» hiess die Prüfung. Es regnete Schaben über Kulka, mit jeder stieg die Schadenfreude vieler Zuschauer. Die 24-Jährige schlug sich gut, mit vielen Schimpfwörtern zwar, aber mit deutlich weniger Geschrei als zuvor. Das scheint sie uninteressant gemacht zu haben: Die Zuschauer bestimmten eine andere für die nächste Prüfung. Wohl nicht aus Einsicht, Kulka schonen zu müssen, sondern in der Hoffnung auf ein unterhaltsameres Opfer. «Wir sind Primaten, hier wird gekämpft», hatte Freiwald mal gesagt. Und damit nicht nur die Kandidaten gemeint.

Holt mich hier raus – Ich bin ein Star!, täglich um 22.15 Uhr, RTL