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PRESSESCHAU: «Matterhorn»: Kitschig oder grossartig?

Das St. Galler Musical «Matterhorn» spaltet die Kritiker. Bühnenbild, Musik und Sänger werden mehrheitlich gelobt – Text und Inszenierung aber von manchen sanft bis hart kritisiert.
Oedo Kuipers, Martin Kiuntke und Nicolo Soller als Matterhorn-Bezwinger im Musical «Matterhorn». (Bild: Andreas J. Etter)

Oedo Kuipers, Martin Kiuntke und Nicolo Soller als Matterhorn-Bezwinger im Musical «Matterhorn». (Bild: Andreas J. Etter)

«Sicher ist: Musical-Fans kommen hier auf ihre Kosten.» Dem abschliessenden Urteil des NZZ-Kritikers Manuel Müller merkt man eine gewisse Halbherzigkeit an. Was im Zentrum stehen soll, bleibe unklar: «Geht es um die menschliche Selbstüberwindung oder den möglichen Kriminalfall? Um Liebe, um die Unterwerfung der Natur, um Klassengegen­sätze?» Nebeneinandergestellt und aneinandergereiht seien die Motive. «Und wiewohl man gut unterhalten ist und weiss, dass da die richtigen Zutaten zusammengekommen sind, muss man sagen: Hier wäre mehr möglich gewesen.» Aber Müller lobt auch grossflächig: Komponist Albert Hammond überrasche mit musikalischer Vielseitigkeit, der Texter Michael Kunze mache «fast alles richtig». Er zeige die Konfliktlinien und die damaligen Umstände, eröffne die Zeitgeschichte und die Beweggründe der Beteiligten. Der andere Zürcher Kritiker, jener des «Tages-Anzeigers», kommt gerade in diesem Punkt zum genau entgegengesetzten Urteil: «Hier gibt es keine Tiefe. Das Ziel ist Gefälligkeit.» Das Ensemble sei quick und tanze sich «manchmal recht eckig durch die Geschichte». Doch wenn Stefan Busz moniert, am Schluss werde in diesem ­Musical «alles wieder gut», von «Musical-Auferstehungs-Kitsch» spricht, muss man wohl entgegnen, dass das musicaltypisch ist. Unterhaltung und Happy End gehören nun mal zu Musicals.

Lob für die Ohrwürmer von Albert Hammond

Eine Weltpremiere, wie das Theater St. Gallen ihre neueste Eigenproduktion angekündigt hat, weckt auch ein hohes Medieninteresse. Und muss sich deshalb auch an hohen Ansprüchen messen. Der Kritiker dieser Zeitung, Martin Preisser, lobt die hohe Qualität der Sänger und das beeindruckende Bühnenbild, bemängelt jedoch wie der NZZ-Kritiker, die Inszenierung falle in Einzelszenen auseinander. Elisabeth Schwind vom «Südkurier» schliesst sich dieser Beurteilung an: Kunze habe vor allem die Liebesbeziehung unterbelichtet. «Das verschenkte Potenzial des Stoffs ist das grosse Manko dieser Produktion. Wettgemacht wird es durch die Musik von Albert Hammond. Hammonds Melodien gehen ins Ohr – das kann man auch nicht von allen Musicals behaupten.»

Michael Nyffenegger von der Schweizerischen Depeschenagentur SDA hingegen bemängelt nur die blasse Liebesgeschichte. Ansonsten habe die Liveband präzise abgestimmt auf die Handlung gespielt – gekonnt zwischen Stilen und Stimmungen hin und her springend. Nyffen­egger lobt Autor Michael Kunze. Dieser habe mehr als ein blosses Bergsteigerdrama geschaffen. Gerade die Themenvielfalt sei eine der besonderen Qualitäten dieses Musicals.

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler

@tagblatt.ch

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